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Interview mit Gina Schöler: „Das kleine Glück möchte abgeholt werden“

23. August 2016 0 comments
Interview mit Gina Schöler: „Das kleine Glück möchte abgeholt werden“

Am 8. September erscheint das Buch „Das kleine Glück möchte abgeholt werden – 222 Anstiftungen vom Ministerium für Glück und Wohlbefinden“ von Gina Schöler im Campus Verlag. Die Autorin ist selbsternannte Glücksministerin, ihr Motto lautet: „Bruttonationalglück für alle!“ Im Interview mit SinndesLebens24 spricht Gina Schöler über die Idee hinter dem Ministerium für Glück, warum man ihr Buch unbedingt lesen muss und welche prominenten Co-Autoren mitgeschrieben haben.

Frau Schöler, im November 2012 haben Sie das „Ministerium für Glück und Wohlbefinden“ als interaktives Kunstprojekt ins Leben gerufen. Wie kamen Sie auf die Idee und wie haben Sie sie weiterentwickelt? Welche Ziele stecken dahinter?

Schöler: Das MfG ist eine unabhängige Initiative für bewusstes Leben und Glücksbesinnung mit dem Ziel, in Deutschland den Fokus wieder mehr auf das gesellschaftliche und somit auch auf das persönliche Wohl von uns allen zu setzen. Anhand dieser multimedialen Kampagne werden die Menschen zum Nachdenken animiert: Was zählt wirklich? Nach welchen Werten möchten wir leben? Was brauchen wir, um zufrieden und glücklich zu sein? Diese Initiative animiert zum Mitmachen, Mitdiskutieren, Teilen, miteinander Sprechen, Ideen Einbringen und vor allem: Zum selbst aktiv werden!

Entstanden ist die Idee Ende 2012 an der Hochschule Mannheim. In der Fakultät für Gestaltung, Masterstudiengang Kommunikationsdesign, war es Aufgabe unseres Studententeams, eine Kampagne zu skizzieren, die dem „Höher, schneller, weiter“ in unserer Gesellschaft etwas entgegensetzt. Eine positive Bewegung zu erschaffen, eine Ideenplattform zu gestalten – einen Wertewandel zu initiieren, zu begleiten und zu moderieren. Eine große Aufgabe! Aus dem Semesterprojekt wurde die Masterthesis und dann auch mein selbst erfundener Beruf der Glücksministerin. Das Thema hat mich einfach gepackt und ich finde es nach wie vor faszinierend, wie vielseitig dieser Beruf ist und natürlich auch wie weitreichend und nachhaltig. Oft bekomme ich E-Mails von Fans und Freunden des Projekts, von Workshopteilnehmern oder Menschen, die ich durch das Projekt kennenlernte und sie berichten mir, was die Impulse alles ausgelöst und verändert haben. Das macht mich sehr glücklich.

Welche Aktionen führt das Ministerium vor allem durch? Was waren bisher die größten Meilensteine?

Schöler: Mein Arbeitsalltag als Glücksministerin ist so vielfältig wie das Thema selbst. Natürlich ist es meine Hauptaufgabe, diese multimediale Kampagne zu führen – und da ist der Fantasie keine Grenze gesetzt. Menschen erreichen, sie motivieren und selbst aktiv werden lassen sind meine Hauptziele. Das schaffe ich, indem ich auf vielfältige Weise aufzeige, wie breit das Thema Glück ist, welche positiven Auswirkungen es gibt und wie viel Spielraum jeder einzelne von uns selbst hat, um die Welt ein kleines bisschen besser werden zu lassen. Ich bin quasi der Appetitanreger. Und jeder Einzelne von uns ist sein eigener Chefkoch, um sein persönliches Glücksrezept zusammenzustellen. Wenn ich nicht gerade Material gestalte oder produziere (das man sich meist kostenfrei auf der Webseite bestellen kann, z.B. die Glücksspielkarten), dann konzipiere ich Workshops für Unternehmen, Schulen, Universitäten, Institutionen oder auch offene Workshop für jedermann und jederfrau – ich gehe das Glück ganz praktisch, visuell und haptisch an, so ist für jeden etwas dabei, egal ob Männlein oder Weiblein, egal welchen Alters, welcher Herkunft oder Branche. Die Workshops sind immer ganz bunt gemischt.

Oft halte ich auch Impulsvorträge auf Veranstaltungen oder Konferenzen, organisiere selbst Events, Film-/Diskussionsabende oder mache Street Art, um die Leute auch im Alltag abzuholen. Es kam auch schon vor, dass ich eine 50köpfige Delegation aus Thailand empfangen oder mit Bundesjustizminister Heiko Maas im Rahmen der Regierungsstrategie „Gut leben in Deutschland“ durch die Lande touren durfte. Auch mit dem Staatssekretär von Bhutan durfte ich schon einen Tee trinken. Im Laufe der Jahre habe ich spannende Kontakte geknüpft und auch Kooperationen sind entstanden. Oft gibt es aber auch Mitmach-Aktionen, die online oder offline stattfinden. Ich gebe eine Idee nach draußen und die Menschen entwickeln sie weiter, wie z.B. bei einer Aktion zum Weltglückstag: Der „Pausenstuhl“. Oder die „Bank der Begegnung“, den „Erste Hilfe Glücks-Set Kasten“ oder auch „Konfetti to go“ – stöbert euch einfach mal durch die Webseite! Den Arbeitsalltag als Glücksministerin kann man schwer planen. Und das ist gut so! Immer wieder raus aus der Komfortzone, Neues wagen und entdecken, das macht richtig Spaß!

 

Schulworkshop des Ministeriums für Glück und Wohlbefinden

 

Was verbirgt sich etwa hinter dem interaktiven Glücksworkshop „redesign YOU – das eigene Glück finden und gestalten“?

Schöler: redesign YOU ist etwas unglaublich Wertvolles. Das tollste Experiment, das ich je gestartet habe! Zusammen mit dem Design Thinking Experten Jochen Gürtler habe ich mich vor 1,5 Jahren zusammengetan, um die kreative Methode des Design Thinkings mit dem Thema Glück zu kombinieren. Dabei herausgekommen ist der wohl interaktivste Workshop, den man sich vorstellen kann. 20 Teilnehmer arbeiten 1,5 Tage lang intensiv daran, auf unterschiedliche und kreative Weise herauszubekommen, wer sie sind, was sie wollen und wie man das in die Tat umsetzen kann: Das Leben gestalten, statt es zu dulden. Aktiv werden, anpacken, ausprobieren. Menschen zusammenbringen, Fragen stellen, Gespräche fördern, Begegnung schaffen. Das hat enorme Kraft! Es wird viel mit den Händen gedacht, Gedanken und Gefühle werden visualisiert, es wird praktisch umgesetzt und experimentiert. Das innere Kind wird geweckt, Hürden abgebaut, tief geschaut, gefühlt und gelacht. Es ist wirklich ein Workshop für jedermann und jederfrau – wir gehen das Glück ganz praktisch, visuell und haptisch an, so ist für jeden etwas dabei, egal ob Mann oder Frau, welchen Alters, Herkunft, Branche. Die Workshops sind immer ganz bunt gemischt und jeder ist Willkommen – vom jungen Student, der gestresste Manager oder die neugierige Pensionärin. Tickets und Termine gibt es hier: www.redesignyouworkshop.eventbrite.de

Wie hat der Beruf als „Glücksministerin“ Ihr Leben verändert?

Schöler: Abgesehen davon, dass ich mir einen neuen Beruf erfunden und aufgebaut habe, hat das Projekt mich aber auch erst realisieren lassen, wie gut es mir geht. Viele Dinge sind früher an mir vorbei geflogen, ohne dass ich sie wahrgenommen oder wertgeschätzt habe. Das ist nun anders. Wenn man sich mit dem Thema Glück beschäftigt und sich persönlich damit auseinander setzt, verändert sich viel. Glück hat Nebenwirkungen!

 

Das MfG begleitete das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz während der Veranstaltungen zur Regierungsstrategie „Gut leben in Deutschland – was uns wichtig ist“.

 

Wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrem Buch „Das kleine Glück möchte abgeholt werden“? Wen sprechen Sie damit an und welches Themenspektrum deckt es ab?

 Schöler: Im Laufe der Zeit habe ich begonnen, all die Anekdoten des Alltags zu sammeln und aufzuschreiben. Geschichten des Lebens. Mit allen Höhen und Tiefen. Geschichten des kleinen Glücks. Und ich habe so realisiert, wo es überall zu finden ist. Nämlich fast überall. Selbst, wenn es mal stressig, anstrengend oder gar traurig ist, gibt es die kleinen Momente, die einen aufatmen, innehalten und realisieren lassen, dass es das Glück gibt. Die kleinen Lichtstrahlen, die Hoffnung und Freude spenden.

Und da es viel mehr Spaß macht, Dinge gemeinsam anzupacken und meiner Meinung nach niemand wirklich definieren kann, was Glück ist, war es für mich gleich klar, dass ich andere Menschen und Meinungen mit an Bord holen möchte: Experten, Wissenschaftler, Politiker und Menschen wie du und ich. Von mir gibt es keinen Zeigefinger und kein Patentrezept. Ich möchte dem Leser eine Bandbreite aufzeigen und dazu ermutigen, sich die für ihn ansprechendsten Dinge, Aufgaben und Themen herauszupicken und auszuprobieren. Im Kleinen anfangen und nicht auf das große Glück warten. Do it yourself heißt die Devise!

Glück ist für alle da. Es ist ein Thema, das alle betrifft und jedes Lebewesen strebt danach, ein gutes Leben zu haben. Von daher freue ich mich darauf, so viele unterschiedliche Menschen wie nur möglich zu erreichen, denn es ist für jeden etwas dabei! Vielleicht ist der ein oder andere ja auch mutig, etwas ganz Neues auszuprobieren – ich bin gespannt auf alle Reaktionen und Geschichten, die daraus entstehen. Ein Lauffeuer der guten Taten sozusagen.

Unter den Autoren der 222 Mini-Essays befinden sich eine Menge prominenter Persönlichkeiten. Können Sie kurz ein paar Highlights anreißen, wer über welches Thema schreibt?

Schöler: Ich kann es kaum abwarten, mein Buch das erste Mal selbst in den Händen zu halten. Ich glaube, erst dann realisiere ich, wie unglaublich es ist, dass so viele Menschen mitgemacht haben. So viele geniale, tolle, liebenswürdige Menschen, die etwas weitergeben können, indem sie aus dem puren Leben berichten. Heiko Maas berichtet von seinen Erlebnissen und Gefühlen während eines Triathlons, wie großartig es ist, sich Ziele zu setzen und daran hart zu arbeiten. Veit Lindau beschreibt, wie er selbst gelernt hat, seine persönliche Weise der Entschleunigung zu entdecken, anzunehmen und zu lieben. Eckart von Hirschhausen erzählt, wie er in einer Schulklasse Kinder beobachtet, wie sie respektvoll und freundlich miteinander umgehen und was man davon lernen kann. Highlights zu nennen fällt mir sehr schwer, weil jede kleine Geschichte so viel beinhaltet, erzählt und gibt, dass ich keine Hitliste zusammenstellen kann.

 

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Was sind für Sie persönlich die liebsten kleinen Glücksmomente des Alltags?

Schöler: Die kann man allesamt natürlich im Buch nachlesen! Es sind die Momente, die man im Eifer des Gefechts manchmal gar nicht wahrnimmt. Wenn mein persönliches Hamsterrad mal wieder schnell rattert und ich kurz davor stehe, einen Drehwurm zu bekommen, mach ich eine kleine Pause. Stehen bleiben. Atmen. Schauen. Staunen. Fühlen. Ein Windhauch, ein lachendes Kind in der Nachbarschaft, der warme Rücken des Partners bei Nacht, der schnarchende Hund, der Duft einer Blume, die erste Erdbeere, die Umarmung eines Freundes…

Mit welcher Einstellung findet man Ihrer Meinung nach langfristiges Lebensglück?

Schöler: Es geht nicht darum, das Glas immer krampfhaft halb voll zu sehen oder das dauergrinsende Honigkuchenpferd zu werden, keine Sorge! Es geht darum, das Leben lebenswert zu machen. Dinge, die schlecht laufen oder Kraft kosten, anzunehmen, zu verändern, anzupacken oder zu meiden und Dinge, die gut laufen und einem gut tun, zu vermehren, zu fördern und weiterzugeben.

Einer Studie zufolge, ist unser Glücksempfinden zu 50 % von den Genen bestimmt. 10 % sind durch äußere Umstände beeinflusst, die eher schwerer zu verändern sind. Aber dann gibt es ja noch die spannenden 40 %, das ist nämlich unsere Haltung, unsere Werte, unser Handeln mir selbst und meinen Mitmenschen gegenüber. Und das kann man ganz gezielt steuern, verändern und positiv beeinflussen. Man muss es nur wollen. Die bewusste Entscheidung daFÜR ist schon mal viel wert. Und wenn man erst einmal damit angefangen hat, merkt man, wieviel Sinn und Spaß es macht, sich mit dem Glück zu beschäftigen!

Was ist Ihr ganz persönlicher Sinn des Lebens?

Schöler: Ein wichtiges Zitat meines Vaters, mit dem mein Bruder und ich aufgewachsen sind, ist „Life is too short for boring music“. Leben ist jetzt. Mach was draus. Habe Spaß. Nimm es wahr, verschwende keine Zeit, erfülle deine Träume, sei verrückt. Dreh die Musik auf. Tanze.

Mein persönlicher Sinn des Lebens ist es, zu leben. Alles aufsaugen, wahrnehmen, fühlen. Ich möchte Geschichten erzählen können. Ich möchte die Welt sehen, ich möchte lieben, lernen, lachen. Ich möchte nichts bereuen – getan zu haben oder auch nicht getan zu haben. Mutig sein. Pläne schmieden und sie umsetzen. Spontan sein. Glücklich sein.

Last but not least: Warum sollte man das Buch unbedingt lesen?

Schöler: Das Buch steckt voller Leben. In all seinen Facetten. Geschichten, Anekdoten und Gefühle aus meinem Leben und dem vieler Fans und Freunde des Projektes. Diese Mini-Momente führen vor Augen, dass im Leben nicht immer alles rosarot ist, Dinge schief laufen, Gefühle gelebt werden dürfen. Sie zeigen aber vor allem auf, was Spaß macht, schön ist, Kraft spendet und erinnern einen daran, was man ganz dringend mal wieder machen oder ganz neu ausprobieren könnte. Die Erlebnisse und Emotionen sind echt und authentisch. Das macht sie manchmal auch witzig, man lacht mit anderen, über sich selbst und realisiert, dass man vielleicht nicht immer alles allzu ernst nehmen sollte. Das Buch kommt mit einem kleinen Augenzwinkern daher, es kitzelt, tröstet und motiviert. Durch die ganzen Aufgaben für den Alltag, die Anstiftungen des Ministeriums für Glück und Wohlbefinden, hat man zudem auch gleich handfeste Ideen, wie man sich selbst unmittelbar aus der Komfortzone herauskatapultieren und gleich das Bruttonationalglück steigern kann.

Frau Schöler, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.

Zur Person: Gina Schöler

Gina Schöler hat in Mannheim Kommunikationsdesign studiert und ist europaweit als deutsche Glücksministerin unterwegs, um mit den Menschen gemeinsam das Glück zu erarbeiten und greifbar zu machen. In Form von Vorträgen, Workshops, Veranstaltungen oder interaktiven Aktionen zeigt sie auf kreative Weise, wie wichtig es ist, sich um das gute Leben zu kümmern. Zu den bisherigen Highlights zählen Einladungen in den Bundestag, zu Kongressen und Messen, Schulworkshops zum Thema Glück, ausgebuchte Kinoevents, Netzwerkveranstaltungen mit namhaften Glücksexperten, Radio- und Zeitungsinterviews und vieles mehr. Am 8. September erscheint das Buch „Das kleine Glück möchte abgeholt werden – 222 Anstiftungen vom Ministerium für Glück und Wohlbefinden“ von Gina Schöler im Campus Verlag.Weitere Informationen unter: ministeriumfuerglueck.de

Bilder: Gina Schöler, Campus Verlag

 

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