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„Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick

14. April 2016 0 comments
„Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick

Als Reaktion und Persiflage auf die Flut der wie Pilze aus dem Boden schießenden Ratgeberliteratur verfasste Paul Watzlawick 1983 den Bestseller „Anleitung zum Unglücklichsein“. Der Name ist Programm: Mit pointierten Anekdoten und Aphorismen hält er dem Leser unverhohlen einen Spiegel vor und entlarvt negative Denkmuster, selbsterfüllende Prophezeiungen, mit denen wir uns immer wieder selbst im Wege stehen und uns künstlich das Leben schwer machen. Der Clou: Wer die Ratschläge nicht befolgt, hat Aussicht auf ein glückliches Leben. Der Philosoph und erfahrene Psychotherapeut will bewusst irritieren und so die Selbstheilungskräfte der Leser ansprechen. Der amüsante Klassiker ist bis heute ein Bestseller und verspricht humorvolles Lesevergnügen mit Intelligenz, Charme, Ironie und tiefgründiger Lebensweisheit.

Die verlässlichsten Mechanismen der Unglücklichkeit

„Unglücklich sein kann jeder; sich unglücklich machen aber will gelernt sein“, schreibt Watzlawick süffisant in der Einleitung. Die Zahl derer, die sich ihr eigenes Unglück nach bestem Wissen und Gewissen selbst zurechtzimmern würden, möge verhältnismäßig groß scheinen. Unendlich größer aber sei die Zahl derer, die auch auf diesem Gebiet auf Rat und Hilfe angewiesen sind. „Unsere Welt, die in einer Flutwelle von Anweisungen zum Glücklichsein zu ertrinken droht, darf ein Rettungsanker nicht länger vorenthalten werden“: die Einführung in die „brauchbarsten und verlässlichsten Mechanismen der Unglücklichkeit“, so Watzlawick.

Der Mensch weiß nicht, dass er glücklich ist

Zu Beginn zitiert er Dostojewskis „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch” und zeigt das Dilemma des Menschen, der unglücklich ist, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist: „Was kann man nun von einem Menschen … erwarten? Überschütten Sie ihn mit allen Erdengütern, versenken Sie ihn in Glück bis über die Ohren, bis über den Kopf, so dass an die Oberfläche des Glücks wie zum Wasserspiegel nur noch Bläschen aufsteigen, geben Sie ihm ein pekuniäres Auskommen, dass ihm nichts anderes zu tun übrigbleibt, als zu schlafen, Lebkuchen zu vertilgen und für den Fortbestand der Menschheit zu sorgen – so wird er doch, dieser selbe Mensch, Ihnen auf der Stelle aus purer Undankbarkeit, einzig aus Schmähsucht einen Streich spielen. Er wird sogar die Lebkuchen aufs Spiel setzen und sich vielleicht den verderblichsten Unsinn wünschen, den allerunökonomischsten Blödsinn, einzig um in diese ganze positive Vernünftigkeit sein eigenes unheilbringendes phantastisches Element beizumischen.“

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Vielzitiert: Die Geschichte mit dem Hammer

Die Geschichte mit dem Hammer zählt zu den bekanntesten Gleichnissen und Anekdoten Watzlawicks. Darin will ein Mann ein Bild aufhängen, ihm fehlt aber ein Hammer, den er sich von seinem Nachbarn ausleihen möchte. Plötzlich befallen ihn Zweifel: „Was, wenn der Nachbar ihm den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er ihn nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen ihn. Und was? Er hat ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von ihm ein Werkzeug borgen wollte, er gäbe es ihm sofort. Und warum sein Nachbar nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen ausschlagen? Leute wie der Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet der Nachbar sich noch ein, er sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s ihm aber wirklich. Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er „Guten Morgen“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!“

Fazit: Empfehlenswerter Klassiker, „must read“

Paul Watzlawicks origineller Klassiker, der sich nicht umsonst bis heute auf den Bestsellerlisten findet, ist auf jeden Fall empfehlenswert. Humorvoll und ironisch öffnet er uns die Augen dafür, wie wir ungewollt unseren Alltag unerträglich machen was wir täglich gegen unser mögliches Glück tun. Seine pointierten Geschichten und Lebensweisheiten sollen dem Leser helfen, sich von falschen Vorstellungen und Glaubenssätzen zu befreien. Die Anleitungen des Philosophen und Psychotherapeuten nicht zu befolgen, ist der erste Schritt zum Glück. „Anleitung zum Unglücklichsein“ ist 1983 im Piper Verlag erschienen. 2012 wurde das Buch mit Johanna Wokalek, Iris Berben und Richy Müller in den Hauptrollen verfilmt, erhielt jedoch sehr gemischte Kritiken.

Zum Autor: Paul Watzlawick

Paul Watzlawick wurde am 25. Juli 1921 in Villach, Österreich geboren. Nach der Matura in Villach studierte er Philologie und Philosophie an der Universität Venedig und promovierte 1949 in Philosophie. Von 1951 bis 1954 absolvierte er am Carl-Gustav-Jung-Institut in Zürich eine Ausbildung in Psychotherapie und übernahm 1957-1960 den Lehrstuhl für Psychotherapie an der Universität El Salvador in San Salvador. 1960 ging Watzlawick ins kalifornische Palo Alto und war als Mitarbeiter in der Palo-Alto-Gruppe und als Forschungsbeauftragter am Mental Research Institute tätig. Darüber hinaus erhielt er 1976 einen Lehrauftrag im Fachbereich Psychiatrie an der Stanford University. Watzlawick veröffentlichte 18 Bücher, die in 85 Sprachen übersetzt wurden. Der österreichisch-amerikanische Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut, Philosoph und Autor starb am 31. März 2007 im Alter von 85 Jahren an einer schweren Krankheit in Palo Alto.

Bilder: Unsplash, Amazon

 

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