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Ergebnisse der Glücksforschung: Was macht uns glücklich?

22. Dezember 2017 0 comments
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Was macht Menschen wirklich glücklich? Dies herauszufinden ist Ziel der Glücksforschung. Diese wissenschaftliche Disziplin geht meist in Form von Studien, Umfagen und Tests der Frage nach, ob, wann und warum sich Menschen glücklich fühlen. Die Wissenschaft vom Glück hat einen humanistischen Anspruch und möchte zur Maximierung des menschlichen Glücks beitragen. Hier die wichtigsten Ergebnisse einer Langzeitstudie der Harvard Universität, Auswertungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und Prof. Jan Delhey von der Universität Magdeburg.

Langzeitstudie der Harvard University: Wie ein glückliches Leben gelingt

Zum Thema „Wie ein glückliches Leben gelingt“ führt die US-amerikanische Harvard University in Cambridge seit dem Jahr 1937 eine der aufwendigsten Langzeitstudien der Geschichte durch. Nach Meinung von Psychiatrieprofessor George Vaillant, dem langjährigen Leiter der Studie, liegt ein glückliches Leben bis ins hohe Alter zum Großteil in unseren Händen. Und das trotz der unkontrollierbaren Faktoren, die wir nicht beeinflussen können wie das familiäre Umfeld, in das wir hineingeboren wurden oder die Genen der Vorfahren. Die Grant-Studie beleuchtet das Leben von 268 männlichen Harvard-Absolventen der Jahrgänge 1939 bis 1945. Sie werden in regelmäßigen Abständen systematisch medizinisch untersucht und intensiv zu Ihrem Leben befragt: Über ihre Kindheit und Jugend, ihre Karrieren und Beziehungen, ihren Erfolg und ihr Scheitern. Erste Ergebnisse der noch laufenden Studie liegen bereits vor. Wie gelingt also ein glückliches Leben? Vor 50 in einer stabilen Beziehung leben, geistig aktiv sein, Sport treiben, nicht zu viel essen und Alkohol trinken sowie nicht rauchen – und auch im Alter aktiv bleiben, so Vaillant. Hier zeigt sich, dass die Gesundheit eine grundlegende Voraussetzung für Glück ist.

Zwischenmenschliche Beziehungen sind das wichtigste im Leben

„Das mit Abstand wichtigste ist die Bindung“, sagt Vaillant in einem Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung. „Dabei geht es nicht unbedingt um die Bindung zum Lebenspartner, sondern eher um die grundsätzliche Beziehung zu anderen Menschen“ – und zwar im Sinne einer menschenliebenden und einfühlsamen Verbindung. Ein wichtiger Faktor für ein gelungenes Leben ist auch die Art und Weise, wie die Menschen mit Schicksalsschlägen umgehen. „Jeder erlebt schwierige Situationen“, sagt Vaillant. Wie man dann damit umgehe, sei wesentlich für die Zukunft. Besonders erfolgreich sind die sogenannten „Adaptierer“, die sich altruistisch verhalten und versuchen, aus schwierigen Situationen für die Zukunft zu lernen. „Sie kanalisieren ihre starken Gefühle oder aufkommenden Aggressionen so, dass sie innerlich keinen Schaden anrichten, beispielsweise mit Sport“, sagt Vaillant. Dagegen ist es unglücklich, Probleme nach innen oder außen zu projizieren, ohne sie zu verarbeiten. Denn dies führe zu psychischen Krankheiten und aggressivem Verhalten.

Glücksfaktoren: gute Partnerschaft, soziales Engagement, Freundschaften

Dass die Zufriedenheit des Menschen weit weniger von den Genen bestimmt wird, als bisher angenommen, geht auch aus einer Datenanalyse der Langzeitstudie Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) unter Mitwirkung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. So kann jeder Mensch sein Glück durch private und berufliche Entscheidungen selbst beeinflussen. Das Wohlbefinden hängt vor allem von den Lebensumständen in fünf zentralen Bereiche ab: Partnerschaft, Lebensziele, soziale Kontakte, Lebensstil, Religiosität und das Verhältnis von Arbeit und Freizeit. Zu den Erfolgsfaktoren eines glücklichen Lebens zählen demnach eine gute Partnerschaft, soziales Engagement und Freundschaften. Außerdem leben uneigennützige Menschen, die sich sozial oder politisch engagieren, glücklicher als Personen, die die eigene Karriere verfolgen und nach materiellen Zielen streben. Menschen sind am zufriedensten, wenn sie von Freunden umgeben sind, zu viel Egoismus und rein ökonomisches Wachstum können einer Gesellschaft nicht guttun. Nicht einfach haben es jedoch depressive Menschen. Ihnen fällt es schwerer, soziale Kontakte zu pflegen und regelmäßig Sport zu treiben.

Die Glücks-Formel: Haben, Lieben, Sein

Der Soziologe Prof. Jan Delhey von der Universität Magdeburg hat zahlreiche Umfragen zur Lebenszufriedenheit designt und ausgewertet. Als Quintessenz seiner Ergebnisse hat er eine Glücks-Formel entwickelt: Glück = 1/3 Haben + 1/3 Lieben + 1/3 Sein. Wer in diesen drei Kategorien gut aufgestellt ist, hat gute Chancen, ein glückliches Leben zu führen, sagt Delhey. Demnach sind Menschen dann glücklich, wenn sie ausreichend Geld zur Existenzsicherung, liebevolle Beziehungen, gesellschaftlichen Zusammenhalt und nicht zuletzt einen Sinn im Leben haben.Deutschland geht es objektiv gesehen gut, legt man Maßstäbe wie Einkommen, Status und gesellschaftlichem Wohlstand an. In den auf Produktion, Konsum und Wachstum ausgerichteten Wohlstands-Gesellschaften wie unserer, sind die Bedürfnisse des Habens im Vergleich zu Entwicklungsländern bereits weitgehend abgedeckt. Doch gute Lebensbedingungen wirken sich nur zum Teil auf das subjektive Wohlbefinden der Menschen aus, sagt Delhey. Hierzulande gibt es Defizite in anderen Bereichen. In Deutschland besteht vor allem Nachholbedarf in den Bereichen Lieben und Sein. Schwächen in einem Bereich kann man nicht unbedingt durch Stärken in einem anderen Bereich ausgleichen. Der einsame Millionär ist nicht sehr glücklich mit seinem Leben, auch wenn er sich alle materiellen Wünsche erfüllen kann. Geld allein macht nicht glücklich.

Bild: Unsplash

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