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Philosophie in „Star Wars“: Die Macht

8. Dezember 2017 0 comments
Philosophie in Star Wars Macht

Das Epos geht weiter: Star Wars 8 „Die letzten Jedi“ startet am 14. Dezember in den deutschen Kinos. Doch was macht die ungebrochene Faszination des Science-Fiction-Heldenepos eigentlich aus, auch 40 Jahre nach Erscheinen des ersten Teils „Krieg der Sterne“? Die Philosophie der Macht („The Force“) spielt eine zentrale Rolle im  Star Wars: ein alles durchdringendes Energiefeld, das das Universum zusammenhält. Die „Krieg der Sterne“-Reihe von George Lucas zählt zu den erfolgreichsten Filmprojekten aller Zeiten. Neben ausgefeilten Special Effects besticht sie durch eine mitreißende, tiefgründige und mystische Handlung. Zentrale Themen sind der Kampf zwischen Gut und Böse, verkörpert durch den Krieg zwischen den Rebellen und dem Imperium, dem Kampf zwischen Vater und Sohn und inneren Konflikten. Dabei schöpft George Lucas Inspiration aus unterschiedlichsten Mythologien. So finden sich Elemente der Macht auch in Platons Idee von der Weltseele und in fernöstlichen Weisheiten wieder.

Der Mythos der Macht in Star Wars

„Möge die Macht mit Dir sein“ („May the Force be with you“) – der Abschiedsgruß der Jedi-Ritter zählt zu den bekanntesten Zitaten der Filmgeschichte. Die Macht ist ein Energiefeld, eine Quelle großer Kraft, die für die Schöpfung des Universums und aller Lebewesen verantwortlich ist. Sie umgibt und durchdringt alle Lebewesen und hält die Galaxis zusammen. In Anlehnung an fernöstliche Prinzipien wie dem „Chi“ ist die Macht etwas, das alles Leben und auch die unbelebte Natur miteinander verbindet.

Zitat aus Episode IV – „Krieg der Sterne – Eine neue Hoffnung“:

Obi-Wan Kenobi zu Luke Skywalker: „Die Macht ist es, die dem Jedi seine Stärke gibt. Es ist ein Energiefeld, das alle lebenden Dinge erzeugen. Es umgibt uns, es durchdringt uns. Es hält die Galaxis zusammen.“

Der Jedi-Kodex

Kontrolle über die Macht haben lediglich Angehörige des Elitezirkels der Jedi und ihre dunklen Gegenspieler, die Sith. Sie verleiht ihnen übermenschliche Fähigkeiten wie Telepathie, Telekinese, Hellsicht oder die geistige Beeinflussung anderer Lebewesen. Während die Jedi auf der Hellen Seite der Macht stehen, haben sich die Sith für die Dunkle Seite entschieden. Die Jedi handeln nach einem Kodex, der ihnen hilft, im Einklang mit der Macht zu leben, nach ihrem Willen zu handeln und sie nicht zu missbrauchen. Die Jedi sehen sich als Friedenswächter der Galaxis und üben die Macht nur zur Verteidigung und zum Schutz anderer aus. Wichtig ist es für die Jedi, ihre Gefühlen zu kontrollieren, insbesondere Aggressionen, Zorn und Trauer, um nicht auf den Pfad der Dunklen Seite der Macht zu gelangen. Die Stärke der Jedi basiert neben der Macht vor allem auch auf Disziplin und Wissen.

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Die Dunkle Seite der Macht: die Sith

Die Dunkle Seite der Macht wird von den Sith angewendet, sie kann ein enormes Kraftpotenzial entfalten. Sie ist äußerst verführerisch, da sie sich im Gegensatz zur hellen Seite schneller erschließen lässt. Wut, Aggression, Hass und böse Gedanken führen auf den Pfad zur Dunklen Seite, wenn man sich diesen Gefühlen hingibt.

Zitate aus Episode V – „Das Imperium schlägt zurück“:

Jedi-Meister Yoda zu seinem Schüler Luke Skywalker bei der Ausbildung zum Jedi:

„Die Macht ist mein Verbündeter, und ein mächtiger Verbündeter ist sie. Das Leben erschafft sie, bringt sie zur Entfaltung. Ihre Energie umgibt uns, verbindet uns mit allem. Erleuchtete Wesen sind wir, nicht diese rohe Materie. Du musst sie fühlen, die Macht, die dich umgibt. Hier, zwischen dir, mir, dem Baum, dem Felsen dort. Überall! Selbst zwischen dem Sumpf und dem Schiff.“

„Ein Jedi benutzt die Macht für das Wissen zur Verteidigung. Niemals zum Angriff.“

„Zorn. Furcht. Aggressivität. Die Dunklen Seiten der Macht sind sie. Besitz ergreifen sie leicht von dir.“

„Unmöglich ist immer alles für dich.“

„Tue es oder tue es nicht. Es gibt kein Versuchen.“

Gleichgewicht der Macht

Die Macht hält das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod, Schöpfung und Zerstörung in der Galaxis aufrecht. Demnach gibt es eine Seite dieses Gleichgewichts, die die Prinzipien von Frieden, Wissen und Hoffnung in sich trägt. Auf der anderen Seite steht dagegen der Hass, die Verdorbenheit und die Angst. Diese beiden Kräfte stehen in andauerndem Konflikt miteinander und häufig herrscht lange Zeit ein Ungleichgewicht.

Midi-Chlorianer als Bindeglied zwischen Macht und Lebewesen

War die Macht in der ersten Star Wars-Triologie noch etwas rein Spirituelles, so bietet die Prequel-Trilogie eine naturwissenschaftlich-rationale Erklärung dafür an. Demnach besitzen alle Lebewesen sogenannte Midi-Chlorianer in ihren Körperzellen: Mikroorganismen, die als kommunikatives Bindeglied zwischen Macht und Lebewesen dienen. Das unterschiedlich hohe Empfinden der Macht hängt von der Konzentration dieser Midi-Chlorianern in den Körperzellen ab. Je mehr Midi-Chlorianern man aufweist, desto deutlicher kann man die Macht spüren. Wer genügend davon in seinen Zellen hat, der kann nach einer langjährigen Ausbildung zum Jedi oder Sith die Midi-Chlorianer beeinflussen und somit die Macht kontrollieren und nutzen.

Die Macht bleibt mystisch und geheimnisvoll

Trotz allem bleibt die Macht im Kern doch etwas Geheimnisvolles. Eine mystische Kraft, die viele anwenden, aber keiner vollständig versteht.

Zitat aus Episode III – „Die Rache der Sith“:

Obi-Wan Kenobi: „Nicht einmal die Jedi wissen alles, was es über die Macht zu wissen gibt. Kein Sterblicher verfügt über ein solches Wissen. Wir sprechen vom „Willen der Macht“ wie jemand, der nichts von Gravitation weiß und meint, es sei der Wille des Flusses, ins Meer zu fließen: Es ist eine Metapher, die unsere Ignoranz beschreibt. Die einfache Wahrheit lautet: Wir wissen nicht, was der Wille der Macht sein könnte. Wir können es nie wissen. Er erstreckt sich so weit jenseits unseres begrenzten Verstehens, dass wir nur vor seinem Mysterium kapitulieren können.“

 

 

Platons „Weltseele“

Die Macht weist ähnliche Merkmale auf wie der philosophische Begriff „Weltseele“, der von Platon geprägt wurde. Was steckt dahinter? Die Weltseele ist ein religiöses und naturphilosophisches Konzept, das auf einer Analogie zwischen der Gesamtheit des Kosmos und dem einzelnen Lebewesen, speziell dem Menschen, beruht. Als Lebens- und Bewegungsprinzip wird für beide eine Seele angenommen. So wie man sich ein einzelnes Lebewesen als beseelt und von seiner Einzelseele belebt vorstellt, so wird der Kosmos als lebendiger, mit einer eigenen Seele ausgestatteter Organismus aufgefasst.

Nach Platons Vorstellung ist die Weltseele selbstbewegt und die Ursache aller Bewegung in der Natur. Der Weltschöpfer hat die Weltseele zusammen mit dem Kosmos erschaffen. Sie enthält Elemente von allem und kann dadurch alles wahrnehmen und erkennen. Ihr steht die Herrschaft über den Weltkörper zu, so wie der Einzelseele des Individuums die Herrschaft über dessen Körper. Die Weltseele durchdringt und umgibt den Körper des Kosmos, seine Materie. Sie ist die vermittelnde Instanz zwischen der rein geistigen Ideenwelt und dem physischen Weltkörper.

Von dem platonischen Konzept abgeleitet, war die Auffassung der Stoiker von der Beseelung der Welt. Sie nahmen ein aktives, den ganzen Kosmos durchdringendes feuriges Prinzip, das Pneuma, an. Sie sahen in der Welt ein beseeltes, unsterbliches, göttliches Lebewesen, dem sie Sinne und Vernunft zuschrieben. Die Einzelseelen betrachteten sie als Teile der Weltseele. Für die Stoiker war die Weltseele jedoch nicht wie im Platonismus eine eigenständig existierende geistige Substanz mit einer besonderen Aufgabe in der Weltordnung, sondern nur ein bestimmter Aspekt einer einheitlichen, körperlich gedachten Welt.

Hinduismus: Brahman – der höchste kosmische Geist

Ähnliche Vorstellungen findet man auch im Hinduismus wieder, der zwar einerseits geprägt ist von einer Vielfalt an Göttern, Halbgöttern und himmlischen Wesen, aber andererseits auch von der Vorstellung eines unpersönlichen Gottes. So ist einer der wichtigsten Begriffe im Hinduismus das Brahman – der höchste kosmische Geist. Brahman ist die unbeschreibbare, unerschöpfliche, allwissende, allmächtige, nicht körperliche, allgegenwärtige, ursprüngliche, erste, ewige und absolute Kraft. Es ist ohne einen Anfang, ohne ein Ende, in allen Dingen enthalten und die Ursache, die Quelle und das Material aller bekannten Schöpfung, rational unfassbar und doch dem gesamten Universum immanent. Die Upanishaden beschreiben es als das Eine und unteilbare ewige Universalselbst, das in allem anwesend ist und in dem alle anwesend sind.

Diese unpersönliche Vorstellung von Gott wird ergänzt oder ersetzt durch die Sichtweise auf einen persönlichen Gott, wie es beispielsweise in der Bhagavadgita geschieht. Hier wird der persönliche Gott über die Welt der Erscheinungen und den „unbeweglichen“ Brahman gestellt. Nach Auffassung des Advaita Vedanta ist der Mensch in seinem innersten Wesenskern mit dem Brahman identisch. Dieser innere Wesenskern wird auch Atman genannt. Diese Identität kann prinzipiell von jedem Menschen erfahren bzw. erkannt werden. Nach Lehre des Vishishtadvaita von Ramanuja dagegen ist Gott alles was existiert, es besteht jedoch ein qualitativer Unterschied zwischen individueller Seele und höchstem Gott

Pantheismus: Ein unpersönlicher Gott ist eins mit dem Kosmos und der Natur

Der Ausdruck Pantheismus bezeichnet die Auffassung, dass Gott eins mit dem Kosmos und der Natur ist. Das Göttliche wird im Aufbau und in der Struktur des Universums gesehen, es existiert in allen Dingen der Welt bzw. ist mit der Welt identisch. Ein personifizierter, allmächtiger Gott ist im Pantheismus also nicht vorhanden.

Joseph Campbell: Der Heros in tausend Gestalten

Sehr stark beeinflusst war George Lucas von den Werken des Mythologen Joseph Campbell und vor allem von dessen Buch „Der Heros in tausend Gestalten“. Darin kam Campbell zu der Feststellung, dass die Mythen verschiedener Kulturen und Zeiten einheitlich aufgebaut seien und bestimmte Leitmotive besäßen. Die einheitliche, archetypische Grundstruktur, die alle Mythen verwenden, nennt er „Monomythos“. Sie wird auch als Heldenreise bezeichnet und folgt dem Aufbau Aufbruch – Initiation – Rückkehr. Vor allem die Original-Trilogie entstand in enger Anlehnung an „Der Heros in tausend Gestalten“ und den Monomythos, wichtige Figuren wie Luke Skywalker und Darth Vader basieren auf Figuren des Buchs.

 

 

Fazit: Faszinierendes intergalaktisches Heldenepos mit mystischen Elementen

Alles in allem hat die Star Wars-Saga bis heute nichts an Faszination verloren. Noch immer zieht das intergalaktische Heldenepos die Zuschauer mit seiner Mischung aus actionreicher Science Fiction, spannender Handlung und mystischen Elementen in ihren Bann, die viele Menschen zum Nachdenken über Gott und die Welt anregt. Auch nach dem Verkauf des Unternehmens Lucasfilm von Star-Wars-Schöpfer George Lucas an die Walt Disney Company im Jahr 2012 und dem Erscheinen des ersten Filmes der Sequel-Trilogie, Episode VII – „Das Erwachen der Macht“ im Dezember 2015 soll die Serie weiter fortgesetzt werden. Die inhaltlichen Höhepunkte der bisherigen Saga stellen wohl Episode V – „Das Imperium schlägt zurück“ und Episode III – „Die Rache der Sith“ dar. Weitere Informationen unter: de.starwars.comwww.jedipedia.net, de.wikipedia.org.

Bilder: Pixabay, Amazon / Video: Lucas Film, KinoCheck Home

 

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