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Interview mit Christian Uhle: „Wozu das alles? – Eine philosophische Reise zum Sinn des Lebens“

20. Mai 2022 0 comments
Interview mit Christian Uhle: „Wozu das alles? – Eine philosophische Reise zum Sinn des Lebens“

„Sinn ist möglich – für jeden von uns!“ sagt Philosoph Christian Uhle. In seinem Buch „Wozu das alles? – Eine philosophische Reise zum Sinn des Lebens“ geht der Autor der Frage nach, worum es wirklich im Leben geht. Christian Uhle zeigt, wie uns Philosophie als Kompass dienen kann. Auf der Suche nach Sinn und Orientierung begibt sich der Philosoph auf eine Reise zu den Dingen, die wirklich zählen und liefert philosophische Antworten auf die ganz großen Fragen. Im Interview spricht er über seine neuen Perspektiven zum Sinn des Lebens, die bedeutendsten Sinnquellen und seinen Antrieb.

Herr Uhle, was hat Sie dazu bewogen, das Buch „Wozu das alles? – Eine philosophische Reise zum Sinn des Lebens“ zu schreiben?

Uhle: Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist uralt und eine Kernfrage der Philosophie, aktuell ist sie jedoch drängender denn je. Es gibt viele Faktoren, weshalb es heute schwieriger ist, einen tragfähigen Lebenssinn zu finden. Um drei Beispiele zu nennen: Die Steigerungslogik unserer Gesellschaften verführt uns, den Blick in die Zukunft zu richten.

Darunter kann die mentale Präsenz in der Gegenwart leiden. Die fortschreitende Technisierung drängt leibliche, sinnliche Erfahrungen teilweise in den Hintergrund – das begünstigt Gefühle innerer Entfremdung. Und drittens brechen soziale Rollengefüge auf. Das ist einerseits wichtig und mit großen Chancen verbunden, erhöht aber auch die persönliche Orientierungsaufgabe.

Obwohl Sinnfragen heute also so verbreitet sind, beschäftigen sich Philosophinnen und Philosophen nur selten damit. Das ist bedauerlich, weil gerade die Philosophie helfen kann, uns Orientierung im Leben zu geben. Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben. Ich hatte das Gefühl, es ist noch längst nicht alles gesagt, zu diesem wichtigen Thema!

In Ihrem Buch haben Sie eine neue Perspektive auf die Frage nach dem Sinn des Lebens entwickelt. Welchen neuen Ansatz verfolgen Sie, wodurch unterscheidet er sich vor allem von bisherigen Vorgehensweisen und was ist der Kern Ihrer Theorie?

Uhle: Uff, eine große Frage! Also, der Leitfaden für meine Gedankenreise ist die Überzeugung: Um Antworten auf die Sinnfrage zu finden, müssen wir zuerst einmal die Frage besser verstehen. Und das ist gar nicht so einfach. Die Sinnfrage selbst entsteht ja nicht aus dem Elfenbeinturm heraus, sondern mitten im Leben, wenn einem plötzlich etwas fehlt. Wenn da ein unbestimmtes Bedürfnis nach mehr Tiefe im Leben ist oder sogar handfeste Zweifel.

Wenn wir dies bedenken, dann ist die Frage „Was ist der Sinn des Lebens?“ ziemlich trügerisch. Durch ihre grammatikalische Struktur lockt sie uns auf falsche Fährten. Sie klingt ja so, als könnte man darauf in einem Satz antworten. Tatsächlich aber ist die Frage ebenso vielschichtig, wie die Sehnsüchte und Zweifel, die in ihr zum Ausdruck kommen. Deshalb ist auch meine Theorie vielschichtig, oder um es philosophisch auszudrücken: sie ist pluralistisch. Es gibt nicht den einen Sinn im Leben, sondern verschiedene Arten von Sinn.

Außerdem war es mir wichtig, mich von rein persönlichen Theorien abzugrenzen. Ja, Sinn hat etwas mit der eigenen Lebensführung zu tun, aber auch mit gesellschaftlichen Umständen. Denn Sinn entsteht wesentlich durch unsere Einbettung in zwischenmenschliche Beziehungen und Kontexte. Das bedeutet, äußere Umstände können es uns erleichtern oder erschweren, Sinn im Leben zu erfahren. Und es ist eben keine reine Privatsache, Sinn zu ermöglichen, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe.

 

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Interview mit Christian Uhle: „Wozu das alles? – Eine philosophische Reise zum Sinn des Lebens“

 

Die Sinnfrage stellt sich besonders in Krisenzeiten. Was sind die vier zentralen Auslöser für Sinnkrisen?

Uhle: Das ist erstens Ziellosigkeit. Das Gefühl, alles sei egal, nichts sei wirklich wichtig. Dann fehlt ein Kompass, an dem man sein Leben und Handeln ausrichten kann. Zweitens kann die Vergänglichkeit einen Lebenssinn ins Wanken bringen. Drittens die Erfahrung von Gleichgültigkeit.

Wenn man keine Bedeutsamkeit erfährt und das Gefühl hat, es ist völlig egal, wie man sich fühlt. Viertens können Erfahrungen von Getrenntheit und Entfremdung den eigenen Sinn ins Wanken bringen. Wenn man den Eindruck hat, als stünde eine Glasscheibe zwischen dem eigenen Ich und der Welt. Als wäre man kein Teil des Ganzen und würde nicht wirklich hierhin gehören, auf diesen Planeten.

Spannend ist, dass all diese Erfahrungen sowohl eine übergeordnete, existentielle Ebene betreffen können, wie auch ganz alltagsbezogen auftreten können. Etwa in persönlichen Gesprächen oder am Arbeitsplatz. Mir war es wichtig, beide Ebenen in den Blick zu nehmen.

Einen wissenschaftlich haltbaren objektiven Sinn des Lebens scheint es nicht zu geben. Sie schreiben, einen solchen Zweck, der unserer Existenz vorausgeht, könnte es nur geben, wenn uns ein göttliches Wesen mit einer bestimmten Absicht erschaffen hätte. Wer also an einen Gott glaubt, der scheint einen objektiven Sinn zu haben. Erklären wir die Welt hingegen rein wissenschaftlich, müssen wir sie als zwecklos begreifen. Ohne Grund kommen wir in diese Welt, kommen aus dem Nichts und sterben schließlich, gehen ohne Grund zurück ins Nichts. Wie können wir angesichts der Zufälligkeit und Sinnlosigkeit des Daseins dem Leben einen Sinn abgewinnen? Wozu das alles?

Uhle: Wichtig ist, sich darüber bewusst zu werden, dass auch hinter solch imposanten, kosmologischen Betrachtungen ganz konkrete Bedürfnisse stehen. Nach Orientierung im Leben und nach dem Gefühl, im eigenen Dasein aufgehoben zu sein. Dies ist die eigentliche Suche, die in der Sinnfrage zum Ausdruck kommt. Und darauf gibt es Antworten.

Ich möchte auf einen konkreten Punkt eingehen, der mir wichtig erscheint. In ihrer Frage greifen Sie die häufige Unterscheidung zwischen einem „objektiven“ und einem „subjektiven“ Lebenssinn auf. Ich glaube, es gibt außerdem noch eine dritte Möglichkeit – und diese ist entscheidend.

Sinn ist weder etwas von außen Festgesetztes noch ist Sinn rein subjektiv eine persönliche Ansichtssache oder in mir drin zu finden. Sinn entsteht im Dazwischen – ist weder in mir noch in der Welt, sondern besteht gerade in der Beziehung zwischen mir und der Welt.

Wenn es also keinen vorgegebenen Sinn gibt und eine allgemeine Antwort auf die Frage, „wozu das alles?“, unmöglich ist – muss sich dann folglich jeder Mensch selbst seine eigene individuelle Antwort darauf geben?

Uhle: Jein. Es sind durchaus allgemeine Antworten möglich! So unterschiedlich jeder Mensch sein mag, unsere individuellen Sinnsuchen haben sehr viele Gemeinsamkeiten. Und es ist wichtig, Sinn nicht als rein persönliche – und insofern völlig beliebige – Ansichtssache zu verstehen. Überall werden wir mit Sinnmärchen konfrontiert.

Wenn man der Sinnfrage auf den Grund geht, kann man tatsächlich Antworten finden und feststellen, dass sehr viele Sinnangebote letztlich illusorisch und oft sogar gefährlich sind. Es ist nicht alles sinnvoll, was als Sinn angepriesen wird. Gleichzeitig bewegen sich die konkreten Antworten, die ich in meinem Buch entwickle, auf einer so basalen Ebene. Es geht viel um Grundhaltungen, mit denen wir durchs Leben gehen können. Dass jede Person diese Grundhaltungen individuell ausbuchstabieren und auf das eigene Leben übertragen kann.

Auch hier gilt also wieder: die Dinge sind nicht schwarz-weiß! Sinn kann weder so konkret definiert werden, dass er uns auf eine bestimmte Lebensweise festlegen würde, noch ist Sinn so beliebig und vage, dass alles Mögliche als sinnvoll gelten kann.

Wie kann man seinen eigenen Sinn finden oder schaffen (und was ist der Unterschied)? Wie sollte man auf der Suche nach seinem individuellen Zweck der Existenz und einem persönlich als sinnvoll erfahrbaren Leben am besten ganz praktisch vorgehen?

Uhle: Das ist eine riesige Frage, die eine lange Antwort erfordern würde. In meinem Buch entwickle ich ja einen mehrschichtigen Rahmen, was eigentlich Lebenssinn ausmacht. Ich greife mal einen einzigen konkreten Punkt heraus. Es gibt eine Art von Sinn, die entsteht, wenn wir ganz in der Gegenwart präsent sind. Wenn wir eben nicht nach vorne streben oder irgendwelche Zwecke erfüllen.

Diese Art von Sinn nenne ich einen „spielerischen Sinn“. Besonders deutlich können wir ihn bei Kindern beobachten. Da sind Menschen aktiv, treten in eine intensive Beziehung zur Welt, schaffen etwas Neues, Gemeinsames im Moment des Spielens. Vielleicht haben sie auch Ziele, etwa ein Baumhaus fertigzustellen, aber diese Ziele zu erreichen ist eben nicht Sinn der Sache. Vielmehr strukturieren die Ziele lediglich die Tätigkeiten, geben ihnen eine Richtung. Der Sinn aber liegt im Prozess selbst.

Einen spielerischen Sinn im Leben zu entwickeln, bedeutet nicht, die ganze Zeit im wörtlichen Sinne zu spielen. Es ist vielmehr eine Grundhaltung gegenüber dem Leben und der eigenen Zeitlichkeit. Aber Spiele können durchaus ein Übungsfeld sein, um eine solche Grundhaltung zu stärken.

Gibt es neben diesem spielerischen Sinn noch andere Arten von Sinn?

Uhle: Ja genau. Ich greife nochmal drei konkrete Fälle heraus. Es gibt einen Sinn durch Hoffnung, der vor allem in Krisen wichtig ist. Er kann uns Kraft geben durchzuhalten, auch wenn das Hier und Jetzt schwierig ist. Zweitens hat Sinn auch viel mit Sinnlichkeit zu tun. Hier entsteht eine ganz eigene Art von Sinn, die ich als „leiblichen Sinn“ bezeichne.

Wenn wir die Welt mit unseren Sinnen spüren, uns innerlich berühren lassen, zum Beispiel durch Musik, dann kann eine Erfahrung von Verbundenheit entstehen, die im Moment der Sinnkrise abhandengekommen ist. Ein dritter Fall ist ein narrativer Sinn, der durch die Geschichten entsteht, mit denen wir unserer Welt und Rolle darin einen Sinn abgewinnen.

Dieser Sinn kann gefährdet werden, wenn wir das Gefühl haben, die Geschehnisse um uns herum nicht einordnen zu können. Dann wird die Welt für uns „unlesbar“ wie Hans Blumenberg es ausdrückte, wir fühlen uns fremd darin.

Welche Rolle spielt für den persönlichen Sinn des Lebens die Selbstverwirklichung, also seine eigenen, individuellen Stärken, Talente und Anlagen zu erkennen und im Leben zu entfalten, besonders auch im Beruf? Nach Aristoteles trägt jedes Lebewesen ursprünglich ein Ziel und einen Zweck in sich selbst, der danach strebt, sich im Umkreis seiner Möglichkeiten zu verwirklichen. Wie der Keim dazu drängt, Pflanze zu werden. Natürlich nicht narzisstisch, sondern eingebettet in ein Wertesystem und zum Wohl der Gesellschaft.

Uhle: Aristoteles würde ich in dieser Form nicht zustimmen. Wir tragen kein Ziel und keinen Zweck in uns selbst. Das ist eben der Punkt: in uns ist kein Sinn versteckt, den wir finden könnten. Wir können Sinn nur herstellen in den Beziehungen, die wir zu anderen Menschen und zu unserer Welt insgesamt einnehmen. Das Einbringen der eigenen Fähigkeiten zum Wohl anderer halte ich dabei aber für einen ganz wichtigen Aspekt.

Hier setzt man sich konstruktiv zu anderen in Beziehung und schafft Sinnbeziehungen. Es kommen darin mehrere Facetten zum Vorschein. Erstens erfährt man Selbstwirksamkeit, ist also nicht überflüssig, sondern kann etwas in der Welt bewegen. Zweitens bewegt man nicht irgendetwas, sondern etwas Gutes und das kann auch einen Kompass im Leben geben. Drittens setzt man sich als Person, als Individuum in Beziehung, wenn die eigenen Fähigkeiten gefragt sind und von anderen auch wahrgenommen werden.

 

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Welche Rolle kommt vor diesem Hintergrund dem Sinn im Arbeitsleben zu, aus Sicht des Arbeitnehmers?

Uhle: Eigentlich eine ganz zentrale. Denn neben unseren privaten Beziehungen ist dies ein Feld, wo wir einen Beitrag für andere Menschen leisten können. Heute müssen wir aber feststellen, dass über ein Drittel aller Erwerbstätigen in Deutschland keinen Sinn in ihrer Arbeit sieht. Das wird durch eine repräsentative Umfrage des Instituts YouGov gezeigt.

In vielen Bereichen ist der Sinn des eigenen Tuns nicht mehr erfahrbar oder schlicht auch nicht vorhanden. Daran wird der allgemeinere Punkt nochmal deutlich, über den ich vorhin sprach. Sinnkrisen haben nicht immer persönliche Gründe, sondern können auch gesellschaftliche Ursachen haben. Und ein sinnerfülltes Leben zu ermöglichen, ist nicht bloß eine individuelle Aufgabe, sondern auch eine gesellschaftliche.

Der Sinn hält auch immer mehr in der Wirtschaft Einzug, Stichpunkt Purpose Economy. Doch was genau ist eigentlich ein Unternehmenspurpose, wie ist er definiert? Was macht ihn im Kern aus? Welches Ziel verfolgen die Unternehmen?

Uhle: Es ist prinzipiell eine positive und wünschenswerte Entwicklung, dass die Frage nach dem Sinn des Ganzen auch von Unternehmen nun explizit gestellt wird. Dies ist ein Symptom für ein bisher existierendes Sinnvakuum. Vor ein paar Hundert Jahren haben die meisten Menschen in der Landwirtschaft gearbeitet, da musste niemand den Purpose definieren, der lag auf der Hand. In einem Prozess, der in der Soziologie als „Entbettung“ bezeichnet wird, hat sich das wirtschaftliche Handeln teilweise aus der Wertesphäre herausgelöst und damit auch teilweise an Sinn verloren. Dem entgegenzusteuern, ist gut.

Das Problem ist allerdings, dass sehr viel Purpose-Orientierung derzeit hauptsächlich Marketing ist. Das eigentliche Ziel bleibt der Profit. In solchen Fällen geht der Schuss nach hinten los. Das verbreitete Gefühl, einem „Bullshit-Job“ nachzugehen, wird nicht aufgelöst, sondern eher verschärft.

Insofern geht es meines Erachtens nicht darum, den Grundansatz der Purpose Economy zu kritisieren, sondern ganz im Gegenteil, ihn sehr viel konsequenter und ehrlicher als bisher weiterzuverfolgen.

Wie kam es zu Ihrem Interesse für Philosophie und den Sinn des Lebens? Was waren die wichtigsten Meilensteine auf Ihrem Weg?

Uhle: Zur Philosophie insgesamt und auch zu dieser konkreten Fragestellung kam ich schon recht früh. Die Pubertät war für mich, wie für viele Menschen, eine Zeit ganz intensiven Entdeckens. Das war einerseits ein äußeres Entdecken, die ersten Partys, der erste Kuss. Aber auch ein inneres Entdecken neuer Gedankenwelten. Philosophie war für mich einfach aufregend, man findet immer etwas Neues, und so geht es mir auch bis heute.

Was das Thema Sinn des Lebens angeht, hatte ich bereits mit 16 Jahren die ersten Seiten dazu geschrieben. Lange Zeit gärten diese Überlegungen im Hintergrund. Nach sieben Jahren Philosophiestudium habe ich schließlich meine Masterarbeit über das Thema geschrieben, hatte aber immer noch nicht das Gefühl, umfassende Antworten gefunden zu haben. Es folgte die lange Reise dieses Buchs. Mehr als sechs Jahre habe ich daran gearbeitet.

Wie sieht Ihr Arbeitsleben als Philosoph aus, womit verdienen Sie Ihr Geld? Welche Angebote haben Sie? Was treibt Sie an?

Uhle: Ich bin überzeugt, dass Philosophie stärker als bisher in der Öffentlichkeit verankert werden könnte und dass darin eine große Chance liegt. Sowohl um sich privat im Leben zu orientieren, als auch um gesellschaftlich die großen Grundsatzfragen unserer Zeit vielseitiger zu beleuchten.

Ich selbst halte Vorträge, gebe Seminare und Workshops, das alles für ganz unterschiedliche Akteure sowohl aus der Privatwirtschaft wie auch im Kulturbereich, bei NGOs oder in der Verwaltung. Manchmal berate ich auch Kreativformate oder Unternehmen in längeren Prozessen. Und in ein paar Fällen habe ich auch eine persönliche, philosophische Beratung gemacht.

Trotz all dem war meine Hauptbeschäftigung in den letzten Jahren, das Buch zu schreiben. Und deshalb bin ich auch gespannt, wie es nun weitergeht, jetzt, wo diese Aufgabe abgeschlossen ist.

Sie selbst möchten Philosophie mitten in der Gesellschaft und für die Gesellschaft betreiben. Dabei kommt es vor allem darauf an, einen Brückenschlag zwischen Philosophie und Praxis zu schaffen. Wie kann das gelingen? Wie setzen Sie das in Ihrer Arbeit um? Können Sie ein paar Beispiele dafür geben?

Uhle: Abgesehen von den konkreten Tätigkeiten, die ich gerade aufgeführt habe, ist mein Grundansatz immer, Fragen aufzugreifen, die von Menschen und der Gesellschaft an die Philosophie herangetragen werden – und nicht umgekehrt. Ich forsche nicht jahrelang über Kant und überlege dann, was man davon fruchtbar machen kann für andere Menschen, sondern mein Startpunkt sind die verbreiteten Fragen unserer Zeit. Und diesen nähere ich mich dann philosophisch.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist natürlich die Sprachebene. Ich habe sehr lange daran gearbeitet, in meinem Buch eine zugängliche, lebensnahe Sprache zu finden, ohne dabei Inhalte zu verflachen. Am Anfang wirkte das auf mich wie eine Quadratur des Kreises, nun bin ich überzeugt, es ist möglich.

Was ist für Sie ganz persönlich der individuelle Sinn Ihres eigenen Lebens?

Uhle: Also, wie ich vorhin schon meinte, ist es eine meiner Grundüberzeugungen, dass Sinn nie im Singular auftritt. Es gibt keinen einen Sinn meines Lebens, den ich auf den Punkt bringen könnte. Sinn ist ebenso vielschichtig wie unser Leben selbst; wir haben verschiedene Sinnquellen und erleben verschiedene Arten von Sinn.

Das klingt jetzt nicht sehr knackig, aber ich glaube, wir haben auch in der Philosophie viel mehr davon, der Komplexität unseres Lebens gerecht zu werden. Wie für die meisten anderen Personen liegt aber auch für mich eine zentrale Sinnquelle in meinen persönlichen Beziehungen zu anderen Menschen.

Weitere Informationen unter: christian-uhle.de

 

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