Glück & Lebensfreude

Das Flow-Erlebnis: Wege zum intensiven Glücksgefühl

4. Januar 2017 0 comments
Flow-Erlebnis

Das Flow-Erlebnis beschreibt ein starkes Glücksgefühl, das Menschen in intensiven, Momenten ihres Lebens empfinden. Im Flow ist, wer völlig in seiner Tätigkeit aufgeht, ganz im Hier und Jetzt ist und das Gefühl hat, dass alles stimmig ist: Kinder beim Spiel, Sportler beim Klettern, Segeln, Laufen („Runner‘s High“) oder Musiker im Rockkonzert. Andere finden das intensive Glückserlebnis beim Tanzen, Singen, Malen, Klavierspielen, in der Liebe oder anderen Dingen, die ihnen Spaß machen. Das Gefühl der glücklichen Weltvergessenheit kennen aber auch Wissenschaftler, Programmierer („Hack Mode“) oder Bastler, die in langen Nachtarbeiten fasziniert und fast fanatisch an ihren Problemen tüfteln. Extremsportler können im Glücksrausch sogar auch extreme Strapazen und Schmerzen vergessen. In seiner Intensität kann sich das Flow-Gefühl bis hin zur Extase oder Trance steigern, wie ein Rausch ohne Drogen.

Flow Paar

Was ist der Flow?

Geprägt hat den Begriff „Flow“ (englisch: fließen, strömen) der ungarisch-amerikanische Psychologieprofessor Mihály Csíkszentmihályi in den 1970er Jahren. Damit beschreibt er das Glücks-Gefühl einer völligen Vertiefung und eines restlosen Aufgehens in ein Tun, das wie von selbst vor sich geht. Der Flow kann bei einem komplexen, schnell ablaufenden Geschehen entstehen, in einem Bereich zwischen Überforderung (Angst) und Unterforderung (Langeweile). Dabei sind der Zugang zum Flow und die Intensität des Erlebens für die Menschen sehr individuell und unterschiedlich. Das Erreichen dieses Glückszustandes ist also an keine bestimmte Tätigkeit gebunden und kann auch nicht erzwungen werden. Der Flow-Zustand kann für jeden selbst, aber auch gemeinsam mit anderen erlebt werden. Der Mensch im Flow vergisst die Zeit, denkt nicht mehr an seine Sorgen. Er weiß, was und wie er es zu tun hat, lässt sich ganz auf sein Tun ein, schenkt ihm seine ganze Aufmerksamkeit und geht darin auf. Er konzentriert sich ausschließlich auf seine Aufgabe und entfaltet ein Tun, in dem die äußeren Anforderungen und seine inneren Wünsche und Ziele in hohem Maß übereinstimmen. Flow-Erlebnisse gehen einher mit einer Selbst- und Zeitvergessenheit.

Flow Arbeit

Das intensive Glückserlebnis finden

Um in den Flow-Zustand zu gelangen, sind nach Csíkszentmihályi verschiedene Voraussetzungen nötig: ein klares Ziel vor Augen, volle Konzentration auf das Tun, das Gefühl der Kontrolle über die Tätigkeit, der Einklang von Anforderung und Fähigkeit in scheinbarer Mühelosigkeit – ohne Überforderung, Angst und Langeweile. Man muss sich dem Tun voll hingeben, es muss die volle Konzentration beanspruchen. Die Anforderungen dürfen jedoch nicht so hoch sein, dass man überfordert ist. Und nicht zu niedrig, damit man sich nicht langweilt. Ein wichtiger Punkt ist die richtige Motivation dahinter. Die Tätigkeit muss um ihrer selbst willen ausgeführt werden, etwa weil sie einfach Spaß macht, weil man sie einfach tun möchte, weil sie einen reizt. Und nicht, weil man dadurch ein besseres Gehalt, mehr Ansehen bei anderen oder Ähnliches erreichen will.

Wichtig in Flow-Handlungen ist auch der spielerische Aspekt – indem der Mensch, kreativ und gestalterisch wirkt, darin aufgeht und darin seinen freien Ausdruck findet. Dabei muss man die Erwartung eines Erfolgs der Handlung loslassen und frei sein von Sorge und Angst um sich selbst oder das eigene Ansehen. Im Flow gibt es gleichzeitig ein Streben nach Kontrolle, andererseits das Bewusstsein, dass die Situation unvorhersehbar und unberechenbar ist.

Flow Maler

Das Spiel – Glücksgefühl des völligen Eins-Seins mit sich und der Welt

Mit dem glückhaften Gefühl des völligen Eins-Seins mit sich und der Welt hat sich bereits vor Csíkszentmihályi die Spielwissenschaft beschäftigt. So gehörten für den Spieltheoretiker Hans Scheuerl schon in den 1950er Jahren u.a. folgende Kriterien zum Wesen des Spiels: das Entrücktsein vom aktuellen Tagesgeschehen, das völlige Aufgehen in der momentanen Tätigkeit oder das Verweilen in einem Zustand des glücklichen Unendlichkeitsgefühls.

Flow, Spiel, Kinder

Das „Urbild des Menschen im Flow ist das spielende Kind, das sich im glückseligen Zustand des Bei-sich-Seins befindet“. Zu diesem Ergebnis kommt der Psychologe Siegbert A. Warwitz. Demnach spielt das in seinem Spiel voll aufgehende Kind nicht nur eine Figur wie Robinson, sondern es ist Robinson. Es identifiziert sich völlig mit der gespielten Figur und geht in ihr auf. Nach Warwitz erfüllt das Spiel bereits alle wesentlichen Kriterien, die das Flow-Erlebnis auszeichnen. Er beschreibt sie in seinem 2001 erschienenen Buch „Sinnsuche im Wagnis“:

 

  • Das Kind fühlt sich den selbst gestellten Anforderungen gewachsen (Schwierigkeit der Aufgabe und Lösungskompetenz befinden sich im Gleichgewicht)
  • Es konzentriert die Aufmerksamkeit auf ein begrenztes, überschaubares Handlungsfeld (die Tätigkeit läuft im Nahbereich ab)
  • Auf die Aktivitäten erfolgen klare Rückmeldungen (der Handlungserfolg wird sofort erkennbar)
  • Handeln und Bewusstsein verschmelzen miteinander (eine Außenwelt existiert nicht)
  • Das Kind geht voll in seiner Tätigkeit auf (es überhört das Rufen der Mutter)
  • Das Zeitgefühl verändert sich (es lebt ganz im Hier und Jetzt)
  • Die Tätigkeit belohnt sich selbst (es bedarf keines Lobes von außen)

Grenzgänger und Extremsportler: besonders intensive Flow-Erlebnisse

Besonders intensive Flow-Erlebnisse hat Warwitz bei Grenzgängern wie Extremsportlern oder Artisten entdeckt: Menschen, die sich bis an ihre physischen und psychischen Grenzen hin verausgaben. Dabei bewirkt die extreme Herausforderung eine intensive Ausschüttung von Glückshormonen – quasi als Belohnung für die Bereitschaft, unglaublich schwierige Aufgabe zu lösen. Nach Warwitz kommt das extreme Flow-Erleben insgesamt eher unter asketischen Bedingungen zustande, die eine hohe Eigenleistungen erfordern, als im bequemen Luxusmilieu.Flow Natur

 

Fazit: Die Suche nach dem Flow-Erlebnis

Alles in allem bietet die Flow-Theorie eine gutes Erklärungsmuster für intensive Glückserlebnisse, die wohl jeder Mensch schon einmal erlebt hat, wenngleich in unterschiedlicher Intensität und Häufigkeit. Das starke Glücksempfinden kann man nicht erzwingen, jedoch ein Umfeld dafür schaffen, indem die Wahrscheinlichkeit dafür steigt. Man muss sich nur darüber klar werden, was einem Spaß macht und dann bewusst diesen Tätigkeiten nachgehen – in der Freizeit oder idealerweise auch im Job. Aber auch Neues suchen und ausprobieren, was seinen Interessen entspricht. Eine neue Sportart entdecken, seine künstlerische Ader ausleben oder auf Reisen intensive Naturerlebnisse suchen. Der Vielfalt auf der Suche nach dem persönlichen, intensiven Flow-Erlebnis sind keine Grenzen gesetzt.

Sehen Sie hier ein TED Talk Video von Flow-„Erfinder“ Mihály Csíkszentmihályi aus dem Jahr 2004:

Bilder: Unsplash, Pixabay, Amazon / Video: Youtube

 

 

 

Das könnte Sie auch interessieren ...

Hinterlassen Sie einen Kommentar