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Interview mit Jörn Hendrik Ast, Superheldentraining: „Entdecke Dein Karrierepotenzial“

17. Dezember 2016 0 comments
Jörn Hendrik Ast Superheldentraining 2

Menschen dabei zu unterstützen, ihre Kompetenzen zu erkennen und ihr Karriere-Potenzial auszuschöpfen ist das Ziel des Superheldentrainings. 2013 hat Start-up-Unternehmer Jörn Hendrik Ast das Karriereinstitut für die Zukunft der Arbeit gegründet, um Menschen zu helfen, ihre passende Rolle im Berufsleben zu finden und sie zu motivieren, das zu tun, was sie wirklich tun wollen. Sein Credo: „Wir helfen Dir Deine Karrieresuperkräfte zu finden, damit Du Deine Kompetenzen besser einsetzen kannst. Gewinne den Kampf gegen Deinen inneren Schweinehund und entwickle kraftvolle Ziele für Deine Zukunft.“ Zum Superheldentraining finden regelmäßig Seminare und Workshops in Hamburg, München und Berlin statt. Im Interview mit SinndesLebens24 spricht Jörn Hendrik Ast über die Philosophie hinter dem Superheldentraining, wie man seine Berufung finden kann und über sein neuestes Projekt das „Superheldenjournal“.

Herr Ast, wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Superheldentraining ins Leben zu rufen?

Ast: 2013 habe ich zusammen mit Inken Arntzen das Superheldentraining gegründet aktuell sind wir ein dreiköpfiges Team aus freien Trainern und Psychologen. Unsere Motivation: Menschen dahin zu führen, ihr Karrierepotenzial zu erschließen, damit sie erfolgreich und vor allem glücklicher in ihrem Berufsleben werden. Die Arbeitswelt befindet sich seit einigen Jahren in einem starken Wandel: Alles wird immer internationaler, digitalisierter und flexibilisierter. Doch statt davon zu profitieren, sind leider viele Menschen unzufrieden in ihrem Job. Und niemand sollte bei der Arbeit einfach nur vor sich hinvegetieren oder frustriert sein. Ich finde hier gilt der Spruch: „Love it, Change it or Leave it”. Es geht darum, dass jeder seine Stärken erkennt, weiterentwickelt und in einem Umfeld arbeitet, in dem er diese Stärken einbringen kann. Genau da setzen wir an. Wir wollen den Menschen Mut machen, ihre passende Rolle zu finden und sie dazu motivieren, das zu tun, was sie wirklich tun wollen.

Superheldentraining Superhelden Uebersicht

Warum sind so viele Menschen unglücklich in ihrem Arbeitsumfeld?

Ast: Die State of the Workplace Studie von Gallup besagt, dass jeder vierte Deutsche akut unzufrieden mit seinem Job ist und sogar bereits innerlich gekündigt hat. Dadurch entsteht ein enormer gesamtwirtschaftlicher Schaden für unsere Gesellschaft. Viele Unternehmen klagen darüber und fragen sich, wie sie die Mitarbeiter besser motivieren können. Hinzu kommt, dass die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit von Mitarbeitern unter 30 mittlerweile auf unter zwei Jahre gesunken ist. Immer mehr Menschen suchen im Jobwechsel eine Verbesserung der Arbeitssituation oder einen Aufstieg. Doch damit ist das Problem der Unzufriedenheit meist nicht gelöst. Es liegt tiefer. Wir gehen zu stark ins Außen und vergessen, welche Stärken wir in uns haben, also welche Karrieresuperkräfte in uns schlummern. Welche Arbeit uns wirklich Freude macht und uns erfüllt. Wir haben nicht gelernt, unsere eigenen Talente zu entwickeln. Die Gründe dafür liegen in der deutschen Mentalität und dem Druck, es unseren Eltern recht machen zu wollen, die uns sagten: „Kind, mach was richtiges, mach eine Banklehre, werde Anwalt oder Arzt“. Egal, ob es unseren Kompetenzen entspricht oder nicht. Und wir bleiben dabei auf der Strecke und landen in einem Job, der nicht zu uns passt. Ein Schlüsselerlebnis in den Workshops ist für mich, dass die Menschen sich selbst nicht erlauben, derjenige zu sein, der sie im Kern ihres Wesens eigentlich sind.

Welche Philosophie steckt hinter dem Superheldentraining? Was ist Ihr USP?

Ast: Das Superheldentraining hilft Menschen das zu tun, was sie wirklich tun wollen und gibt Antworten und Unterstützung bei folgenden Fragen: Was kann ich und was will ich? Was hält mich davon ab und wie komme ich ins Tun? Wie kann ich mich selbstbewusst präsentieren? Wir helfen Menschen dabei, sich selbst zu finden, zu entdecken, welche Superkräfte in ihnen schlummern und diese zu wecken – in öffentlichen und gebuchten Workshops für Gruppen, Unternehmen und Hochschulen.

Basis des Konzeptes ist der von uns entwickelte Superheldentest, der sehr transparent darstellt, was die eigenen Kompetenzen sind und in welchem beruflichen Umfeld man sich mich bewegen soll. Es ist ein Matching der berufliche Kompetenzen mit den verschiedensten flexiblen Arbeitsformen. Rund 2.000 Menschen haben diesen Test bisher durchgeführt, wir bieten ihn für jeden kostenlos auf unserer Website an. Er besteht aus 40 zu bewertenden Aussagen und am Ende erhält man die persönlichen Ergebnisse per E-Mail zugeschickt. So kann jeder sehen, welchem der 16 unterschiedlichen Karriere-Superheldentypen er entspricht. Ziel ist es im ersten Schritt die Erkenntnis, was ich wirklich will. Und im zweiten Schritt muss jeder daran arbeiten, diese Erkenntnis der eigenen Stärken, Ziele und Wünsche dann ganz konkret in seinem eigenen Berufsleben umzusetzen.

Was charakterisiert die unterschiedlichen Superhelden-Typen?

Ast: Es gibt die vier Superheldenfamilien: „Unternehmer“,„Maker“, „Kämpfer“ und „Helfer“. DieUnternehmer“ wollen in erster Linie ihre eigenen Ideen und Projekte verwirklichen und groß machen. Dagegen fühlen sich „Maker“ – wie etwa Handwerker, Designer oder Programmierer – eher ihrem Wissen, Können und ihren Fähigkeiten verpflichtet und wollen mit ihren Händen oder ihrem Verstand Dinge erschaffen. Die Bestimmung der „Kämpfer“ – darunter finden sich beispielsweise Berater, Psychologen oder Therapeuten – ist es, außergewöhnliche Herausforderungen anzunehmen, an die sich andere kaum heranwagen und große Probleme zu lösen. „Helfer“ sind Idealisten, die sich gerne in den Dienst anderer Menschen oder einer Idee stellen und die Welt ein bisschen besser machen wollen. Diese Charaktere sind höchst unterschiedlich und klar voneinander getrennt. Jede dieser vier Superheldenfamilien kann dann weiter unterteilt werden in eine von vier Arbeitsdimensionen: als Führungskraft, Selbständiger, Angestellter oder Teilzeitkraft.

Die vier Superheldenfamilien im Überblick

So ergeben sich aus der Typologie und den Arbeitsdimensionen insgesamt 16 verschiedene moderne Karriere-Superhelden. Die persönliche Zuordnung zu einem bestimmten Typ zeigt den Teilnehmern, welche „Superkräfte“ bei ihnen am stärksten ausgeprägt sind, welche Talente in ihnen schlummern und welche Möglichkeiten ihnen dadurch offen stehen. Genauso hilfreich ist es zu wissen, was einem gar nicht liegt. Ich selbst ordne mich ganz klar dem Typ des „Unternehmers“ zu und lege dabei großen Wert auf Freiheit und Selbstständigkeit. Daraus entsteht der Typ des „Solopreneurs“.

Welchen beruflichen Background bringen Sie in diesem Umfeld mit?

Ast: Die Themen Soziographie, Social Recruiting, Personalmarketing und New Work haben mich schon immer fasziniert. Ich fing an der Universität Hamburg an, Soziologie zu studieren. Nach zwei Semestern habe ich mich dann jedoch für die Praxis entschieden und eine Managerkarriere bei einem Personaldienstleister begonnen, bis ich mich mit meiner Geschäftsidee ffluid selbständig gemacht habe – ein Netzwerk aus freiberuflichen Experten, quasi eine Agentur ohne Agentur. Doch nachdem die Geschäftsidee leider scheiterte, musste ich mich umorientieren und in eine Festanstellung gehen. Darüber war ich nicht glücklich, weil ich als Unternehmer meine eigenen Ideen voranbringen möchte. Da stellte ich mir die Frage: Wie kann ich meine Superkräfte als Unternehmer ausleben? So ist die Idee zum Superheldentraining entstanden: Menschen dabei zu unterstützen, ihre Stärken zu erkennen und ihr Potenzial auszuschöpfen. Hier konnte ich mein Know-how aus dem Studium und der Arbeit aus dem Recruiting in ein eigenes Projekt einbringen.

Welche Zielgruppe sprechen Sie an? Für wen ist das Superheldentraining vor allem geeignet?

Ast: Grundsätzlich sprechen wir jeden an, der sich ernsthaft für dieses Thema interessiert und dem es wichtig ist, sich beruflich an den eigenen Stärken zu orientieren. Unsere bisherigen Kursteilnehmer sind schwerpunktmäßig Medienschaffende, Start-up-Unternehmer, Kreative und Manager – im Alter von Mitte 30 bis Ende 40 Jahren. Wir haben auch einen hohen Frauenanteil, der bei 65 % liegt. Darunter sind viele Frauen, die familienbedingt für einige Jahre ausgestiegen sind und nun Ihren Weg zurück in den Job suchen. Für sie spielt eine ausgewogene Work-Life-Balance zwischen Beruf und Familie eine besonders wichtige Rolle. Darüber hinaus sprechen wir auch junge Leute an und haben spezielle Programme mit Universitäten aufgelegt, mit denen wir Studierende im ersten Semester bei der beruflichen Orientierung unterstützen.

Sie bieten eine Reihe unterschiedlicher Workshops und Bücher an. Was raten Sie zum Einstieg in die Superhelden-Welt?

Ast: Der erste Schritt ist der kostenlose Test auf der Website. Tiefere Einblicke in die komplette Superheldenwelt und die Beschreibung der 16 Typologien bietet das e-Book „Die fluide Karriere“. Dann gibt es regelmäßig Eintagesworkshops in Berlin, München und Hamburg. Dabei ist auch der Austausch in der Gruppe ganz wichtig.

Superheldenjournal Cover

Ihr neuestes Projekt ist das „Superheldenjournal“. Was hat es damit auf sich?

Ast: In dem „Superheldenjournal“, das ich im November 2016 im Eigenverlag herausgebracht habe, ist das gesamte Know-how aus über 2.000 Einzelberatungen und 100 Workshoptagen zusammengefasst. Es ist Karrieretest, Arbeitsbuch und 12-wöchiger Online-Karrierekurs in einem. Nach dem Test und der Einführung in die Superhelden-Typologie startet mit der Anmeldung zur E-Mail-Liste ein 12-wöchiger Karrierekurs, der sich an den 12 Kapiteln des Arbeitsbuches orientiert und diese ergänzt. So entführen wir die Leser auf eine 90 tägige Reise mit 12 Superheldenaufgaben. Die Dramaturgie orientiert sich neben den Grundlagen der griechischen Mythologie auch an dem Konzept der Heldenreise nach Joseph Campbell und durchläuft folgende vier Phasen:

  • Zuerst erkennen unsere Leser in Teil 1: Abyssos, dass der Status quo sie nicht glücklich macht. Sie hadern mit sich und stoßen an einen Tiefpunkt.
  • Dort beginnt dann Teil 2: Metamorphose, die Leser wollen sich verändern und setzen neue Energien frei. In verschiedenen Prüfungen erkennen die Leser schließlich ihre Superkräfte, akzeptieren sie und wachsen über sich hinaus.
  • Der Höhepunkt der Heldenreise des Superheldenjournals ist in Teil 3: Agon dann der Endkampf gegen den Antagonisten, den Endboss – ein Symbol für den Kampf der Leser gegen sich selbst. Schließlich nehmen die Heldinnen und Helden ihre Superkräfte voll und ganz an und erlauben sich, ihren eigenen Weg zu gehen und die nächsten Schritte zu planen.
  • In Teil 4: Lysis werden unsere Leser zu den Meistern der zwei Welten und sind nie mehr dieselben wie vorher.

Ich wollte immer ein Programm entwickeln, das die Menschen länger als ein paar Tage begleitet. Viele Teilnehmer sind nach einem Tagesseminar zwar voller Energie und motiviert, aber dann holt sie wenige Tage später der Alltag wieder ein und die guten Vorsätze sind schnell vergessen. Studien zeigen, dass wirkliche Veränderungen erst dann stattfinden, wenn man sich mindestens 66 Tage mit einem Thema beschäftigt. Erst dann kann man neue Gewohnheiten und Glaubenssätze wirklich annehmen und sein Leben nachhaltig verändern. Und genau das soll das Superheldenjournal leisten. Ich sehe es als einen persönlichen Ideenvulkan, Zukunftslotsen und Mutmacher für die eigene Heldenreise.

Das Projekt wurde über die Crowdfunding-Plattform Startnext finanziert. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Ast: Wir mussten feststellen, dass Crowdfunding ganz schön hart ist, obwohl wir in der Start-up-Szene sehr gut vernetzt sind. Aber das Thema ist für solche Plattformen auch sehr speziell und spricht eher eine Nische an. Unterm Strich sind wir zufrieden. Unser avisiertes Wunschziel in Höhe von 12.000 Euro haben wirzwar nicht erreicht, aber die Funding-Schwelle mit knapp 5.000 Euro doch deutlich überschritten. Genug, um das Projekt zu realisieren.

Superheldentraining Heldengruppe

Welche wichtigen Projekte stehen demnächst auf Ihrer Agenda?

Ast: Wir möchten unsere Idee deutschlandweit noch wesentlich bekannter machen, unser Trainer-Netzwerk erweitern und weitere Kooperationen mit Schulen und Universitäten eingehen. Außerdem werden wir das Superhelden-Thema stärker in die Corporate Welt überführen und auch spezielle Leadership und Teambuilding Trainings anbieten. Dabei werden wir auch das wichtige Thema Employer Branding aufgreifen: Welche Superhelden-Eigenschaften hat ein Unternehmen und welche Superhelden-Typen sollte es anziehen?

Was ist ihr ganz persönlicher Sinn des Lebens?

Ast: Ich glaube, man sollte seine Vision mit aller Kraft ins Außen bringen, dieses Strahlen aus sich selbst heraus ist für mich unglaublich sinnstiftend. Mein persönlicher Sinn des Lebens liegt darin, mich als selbständiger Unternehmer zu verwirklichen und andere Menschen dabei zu unterstützen, ihre berufliche Bestimmung zu finden und sie zu motivieren, diese auch zu leben. Eines meiner Lieblingszitate ist dieses hier von George Bernard Shaw:

„The reasonable man adapts himself to the world: the unreasonable one persists in trying to adapt the world to himself. Therefore all progress depends on the unreasonable man.”

„Der vernünftige Mensch passt sich der Welt an; der unvernünftige Mensch besteht auf dem Versuch, die Welt an sich anzupassen. Deshalb hängt aller Fortschritt von den unvernünftigen Menschen ab.“

Herr Ast, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.

Weitere Informationen unter: superheldenjournal.de

Bilder: Jörn Hendrik Ast

 

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