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Interview mit Sandra Tissot: „Hochsensible und die berufliche Selbständigkeit“

7. März 2017 2 Comments
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Hochsensible Personen (HSP) stoßen im Angestelltenverhältnis häufig an ihre Grenzen. Nicht selten kommen die Wünsche nach Eigenverantwortung, Flexibilität und einem sinnvollem Tun zu kurz. So spielen zwar viele mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen. Doch die Sorge, das hochsensible Dasein könnte zu den unternehmerischen Herausforderungen im Widerspruch stehen, hält sie oft davon ab. Sandra Tissot macht in ihrem im Januar 2017 erschienenen Buch „Hochsensibilität und die berufliche Selbständigkeit“ deutlich, dass diese Sorgen oft unberechtigt sind. Sie zeigt die Chancen anhand ihrer eigenen Lebensgeschichte auf und liefert zahlreiche Praxistipps. Im Interview spricht Sandra Tissot über die wichtigsten Erfolgsfaktoren und Herausforderungen für HSP auf dem Weg in die Selbständigkeit.

Frau Tissot, wie erkenne ich, ob ich eine hochsensible Person (HSP) bin?

Tissot: Angeborene Hochsensibilität zeigt sich meist schon in frühester Kindheit. Von ihrem Umfeld werden diese Kinder häufig als introvertiert oder schüchtern wahrgenommen. Sie haben eine ausgeprägte Fantasie, können mit ihren engsten Vertrauten außergewöhnlich gut kommunizieren und nehmen Gefühlsregungen besonders deutlich war. In fremder Umgebung erfahren sie aber schnell eine Reizüberflutung.

HSP fühlen sich oft ihr Leben lang irgendwie anders und häufig missverstanden. Insbesondere, wenn sie noch nicht mit dem Thema Hochsensibilität in Berührung gekommen sind. HSP besitzen besonders feine Antennen und eine ausgeprägte Intuition. So können sie etwa bereits beim Betreten eines Raumes die Stimmung der anwesenden Personen wahrnehmen, ohne auch nur ein einziges Wort mit ihnen gewechselt zu haben. Solche Situationen machen es ihnen von der Kindergartenzeit bis ins Berufsleben schwer und wecken häufig den Wunsch nach „Flucht“.

Natürlich gibt es auch unter den Hochsensiblen unterschiedliche Ausprägungen. HSP wissen meist instinktiv, dass alle Merkmale der Hochsensibilität wie Puzzleteile zur eigenen Persönlichkeit passen. Ihr Drang nach Regeneration, Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und kreativer Entfaltung begleitet sie ein Leben lang. Für alle Hochsensiblen, die es gern schwarz auf weiß haben wollen, gibt es online eine Reihe von mehr oder weniger guten Tests, die die Hochsensibilität sozusagen „belegen“ können.

Auf welche Probleme treffen HSP meist im Angestelltenverhältnis?

Tissot: Das Angestelltenverhältnis suggeriert zunächst Sicherheit. Es kann aber für HSP zu einer Art Gefängnis werden, insbesondere wenn sie nicht die Möglichkeit zur Selbstentfaltung haben oder keine Entscheidungsgewalt besitzen. Manche HSP sind ihr ganzes Leben lang nicht in der Lage, diesem Gefängnis zu entfliehen, weil sie von Selbstzweifeln geplagt werden.

In der heutigen Gesellschaft zählt der Leistungsgedanke. Diesem enormen Druck können HSP aber oft nicht Stand halten. Je mehr sie sich bemühen, im Hamsterrad mithalten zu können, desto größer wird der eigene empfundene Identitätsverlust.

Insbesondere das vordefinierte Arbeitsumfeld, fremdgesteuerter Leistungsdruck und die stille Abhängigkeit von Vorgesetzen, Kollegen oder Kunden führen HSP an ihre körperlichen und schließlich auch an ihre gesundheitlichen Grenzen. Ein Grund dafür sind mangelnde Regenerationsphasen, die Hochsensible besonders brauchen, um wieder frisch und kreativ ans Werk zu gehen.

Moderne Großraumbüros etwa sind für HSP auf Dauer Gift. Denn so praktisch sie aus Unternehmenssicht auch sein mögen, für das hochsensible Naturell sorgen Dauerbeschallung und ein ständiger, erzwungener Umgang mit anderen Menschen für enormen Stress. Deswegen führt ein klassisches Angestelltenverhältnis bei HSP nicht selten früher oder später zu einer tiefen Sinnkrise.

Bild5 Hochsensible im Job

 

Welche Vorteile und Chancen liegen für Hochsensible in der Selbständigkeit? Welche besonderen Stärken können sie dort einsetzen?

Tissot: HSP sind im Grunde ihres Herzens meist Freigeister. Sie lieben die Unabhängigkeit, treffen gern selbstbestimmte Entscheidungen und entfalten sich erst dann wirklich kreativ, wenn sie keinen starren Strukturen oder Hierarchien unterworfen sind. Außerdem besitzen Hochsensible ein ausgeprägtes Harmoniebedürfnis.

In der beruflichen Eigenständigkeit entscheiden sie an vielen Stellen selbst, wann sie mit welchen Menschen unter welchen Bedingungen zusammenarbeiten. Das beginnt mit den Arbeitsräumen, geht weiter über die freie Zeiteinteilung, die Auswahl der Projekte bis hin zu den individuell auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmten Regenerationsphasen.

Die Vorteile und Chancen liegen auf der Hand. Mit ihrer ausgeprägten Wahrnehmung wissen HSP oft instinktiv, was richtig ist und was nicht funktioniert. Sie sind in der Lage, in komplexen Zusammenhängen zu denken und Geschäftspartner in der jeweiligen Stimmung und Emotion, in der sie sich gerade befinden, abzuholen.

Haben HSP ihre Hochsensibilität als Gabe erkannt, lassen sich besondere Stärken wie Intuition, Empathie, Kreativität, vernetztes Denken, Ideenreichtum oder die Fähigkeit, Probleme auch auf ungewöhnliche Weise zu lösen, optimal in der beruflichen Selbstständigkeit einsetzen.

Welche wichtigen Fragen sollte man sich bei der Entscheidung stellen, ob man wirklichen seinen Job aufgeben und in die Selbständigkeit wechseln sollte?

Tissot: Die wichtigste Frage überhaupt lautet: Tue ich es für mich selbst? HSP neigen dazu, ihre eigenen Bedürfnisse denen der Familie, der Vorgesetzten, etc. unterzuordnen. In ihrer Aufopferung tun sie vieles, um ihr Umfeld zufriedenzustellen oder für eine finanzielle Absicherung zu sorgen.

Bis sie eines Tages bemerken, dass sie sich selbst verloren haben. Sogar an diesem Punkt angekommen, tragen HSP häufig noch Selbstzweifel in sich und sind unsicher, ob ihr hochsensibles Dasein den unternehmerischen Herausforderungen überhaupt gewachsen ist.

Ein Paradoxon – denn dagegen wird die Sinnhaftigkeit des bestehenden Arbeitsverhältnisses kaum hinterfragt. Gerade hier müsste man sich folgende grundlegenden Fragen stellen:

  • Wie wird Sicherheit definiert und was beinhaltet sie?
  • Wie sicher ist der aktuelle Job wirklich?
  • Welche persönlichen Einschränkungen müssen täglich in Kauf genommen werden?
  • Werden persönlich wichtige Dinge immer wieder auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben?
  • Wurde die innere Kündigung vielleicht schon vor Jahren ausgesprochen?
  • Worin ist das eigene hochsensible Naturell besonders gut?
  • Mit welcher Geschäftsidee werden die Grenzen zwischen Arbeit und persönlichen Interessen fließend?
  • Wie werden persönliche Freiräume geschaffen?
  • Was bedeutet Selbstverwirklichung für mich?

 

Der Sprung in die Selbständigkeit ist eine große Herausforderung. Die Unsicherheit, ob sich das Geschäftsmodell wirklich realisieren lässt und Existenzängste spielen dabei eine große Rolle. Was raten Sie hochsensiblen Menschen, um diese Ängste in den Griff zu kriegen und die Risiken richtig einzuschätzen?

Tissot: Entscheidend ist ein geplantes Vorgehen. Eine Kündigung des Angestelltenverhältnisses sollte nicht überstürzt oder aus einer Kurzschlussreaktion heraus erfolgen. Gesunde Zweifel sind gut, denn sie bewahren Hochsensible davor, vorschnell mit zu großer Begeisterung zu agieren und falsche Entscheidungen zu treffen.

Die berufliche Selbstständigkeit bedarf immer einer guten Vorbereitung. Dazu gehören insbesondere Recherchearbeit, Behördengänge und ein gut organisierter Businessplan. Steht die geplante Selbstständigkeit auf einem soliden Fundament, nimmt das hochsensiblen Menschen übertriebene Existenzängste. Denn so entsteht ein sehr realistisches Bild und Risiken können entsprechend richtig eingeschätzt werden.

Besonders wertvoll sind auch Gespräche mit anderen Selbstständigen, die von ihren Erfahrungen berichten und die ein oder andere Hilfestellung leisten können. Zudem kann man bei Coaches Unterstützung finden, die sich auf die Beratung von hochsensiblen Unternehmensgründern spezialisiert haben. Gerade in Zusammenarbeit mit anderen Hochsensiblen, die den Sprung in die Selbstständigkeit schon gemeistert und über Jahre andere HSP bei der Existenzgründung begleitet haben, lassen sich viele Ängste Schritt für Schritt bewältigen.

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Ein wichtiger Punkt der Selbständigkeit ist die Akquise, die extrovertierten Menschen oft leichter fällt als introvertierten. Wie kommen HSP damit zurecht?

Tissot: Zugegeben – ein wunder Punkt. HSP fühlen sich in ihrer selbstgeschaffenen Komfortzone besonders wohl. Insbesondere diejenigen, die sich dank ihrer beruflichen Selbstständigkeit sozusagen ein eigenes kleines „Komfortzonenreich“ geschaffen haben. Da passiert es schnell, dass nur der bestehende Kundenstamm gepflegt wird, weil die Akquise neuer Kunden immer eine eher unangenehme Aufgabe darstellt.

So sehr HSP ihre Komfortzone auch lieben, sie sollten sich immer wieder bewusst machen, wie wichtig ein regelmäßig geplanter Ausbruch ist. Denn die berufliche Selbstständigkeit erfordert eben einen gewissen Umgang mit anderen, auch mit bisher fremden Menschen.

Das muss nicht zwingend gleich die persönliche Kaltakquise oder ein Vortrag vor Tausenden Menschen sein. Gerade das Internet und Businessnetzwerke wie XING oder LinkedIn bieten heute tolle Möglichkeiten, das eigene Profil zu schärfen und täglich vollkommen fremde Menschen kennenzulernen. Ist der Online-Kontakt erst einmal geknüpft, fällt es viel leichter, einen Telefontermin oder ein persönliches Treffen zu vereinbaren.

HSP wachsen auch hier mit ihren Aufgaben. Haben sie den Sprung ins kalte Wasser erst einmal gewagt und ein persönliches Akquisegespräch gemeistert, dann stellt sich schnell ein Erfolgsgefühl ein, das sie bei der nächsten Akquise beflügelt und leichter neue Türen öffnet.

Gerade für Freiberufler gehören Termindruck und Arbeitsspitzen häufig zum Arbeitsalltag. Wie sollte man damit umgehen?

Tissot: Mit einer guten Planung können Termindruck und Arbeitsspitzen meist ganz gut abgefangen werden. Hilfreich ist es, feste Zeiten für Aufträge einzuplanen und – für HSP besonders wichtig – gleich großzügige Pufferzeiten mit einzukalkulieren. Denn geraten Hochsensible unter Druck, beginnen sie vermehrt Fehler zu machen, die sich natürlich negativ auf das Ergebnis auswirken.

Die tägliche Priorisierung der Aufgaben und die Vermeidung von Störfaktoren – wie etwa das minütliche Lesen und Beantworten von Mails – helfen dabei, die Arbeitsergebnisse zum vereinbarten Termin abzuliefern. Zum echten Problem kann jedoch der Hang der HSP zum Perfektionismus werden. Um die Arbeit so perfekt wie möglich abzuliefern, verzetteln sie sich schnell und das kostet Zeit.

Wenn wieder einmal so ein Punkt erreicht ist, dann hilft nur der kritische Blick auf sich selbst. Denn dann wird es Zeit für Regeneration oder auch einfach nur dafür, dem eigenen Perfektionismus mit einem Schmunzeln zu begegnen.

Auch im Kundenkreis gibt es ja Menschen ähnlich wie im Angestelltenverhältnis, die unsensibel auf HSP reagieren. Was empfehlen Sie in dieser Hinsicht?

Tissot: Dazu passt Einsteins Spruch: „Der Hauptgrund von Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten.“ Leider lässt es sich nicht vermeiden, dass andere Menschen – ganz gleich ob im Privatleben, im Angestelltendasein oder in der Selbstständigkeit – unsensibel auf HSP reagieren. Ich persönlich gehe mit meiner Hochsensibilität nicht hausieren.

Im passenden Rahmen spreche ich gern offen darüber. Es gibt aber gerade in der Geschäftswelt viele Menschen, die noch nie von Hochsensibilität gehört haben. Und einige bewerten diese Eigenschaft sogar negativ. Doch lassen sich die Merkmale der Hochsensibilität auch unausgesprochen nutzen, um langfristige Kundenbeziehungen aufzubauen, die auf Empathie sowie Vertrauen basieren und bei denen Loyalität, kreatives Denken und Zuverlässigkeit eine große Rolle spielen.

Wie können HSP Rückschläge in den Griff kriegen, die eine Selbstständigkeit häufig mit sich bringt? Diese nehmen Hochsensible ja meist härter wahr, als andere.

Tissot: Die unternehmerische Realität bringt immer Rückschläge mit sich. Diese treffen HSP besonders hart und manchmal muss etwas Zeit ins Land gehen, ehe sie verdaut sind. Hier hilft es, sich bewusst zu machen, dass Rückschläge einfach in der Natur der Sache liegen. Dass es auch einmal zu einem umsatzschwachen Monat, der Beendigung einer Geschäftsbeziehung und anderen Dingen kommen kann.

Erwachen in so einer Situation alte Existenzängste zu neuem Leben, verfallen HSP schnell ins Grübeln und stellen sich quälende Fragen. Wichtig ist dabei, die Ängste zunächst zuzulassen, aber sie dann auch irgendwann wieder loszulassen. Möglich wird das, indem sich HSP je nach erlebtem Rückschlag neu fokussieren und sich etwa beim Verlust eines wichtigen Kunden auf die gezielte Akquise von Neukunden konzentrieren.

 

Sandra Tissot: „Hochsensible und die berufliche Selbständigkeit“

 

 

 

Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Buch zu schreiben und für wen ist es am besten geeignet?

Tissot: Die Idee war eines Morgens plötzlich da und ich konnte nicht mehr aufhören zu schreiben, bis ich alles zusammengetragen hatte. Das Buch eignet sich für alle, die auf Sinnsuche im Berufsleben sind und sich fragen, wie sie es schaffen können, dass sie der Job mit echter Lebensfreude erfüllt.

Ihr Buch ist Ratgeber und persönlicher Erfahrungsbericht in einem. Wie stellt sich diese Mischung dar?

Tissot: Die Mischung aus Ratgeber und persönlichen Erfahrungsbericht habe ich bewusst gewählt, weil es in meinem Buch nicht um den Ratschlag mit erhobenem Zeigefinger geht. Vielmehr möchte ich die Facetten der Hochsensibilität und auch die damit verbundenen Zweifel sowie die Probleme im Berufsalltag reflektieren, die ich selbst durchlebt habe. Besonders am Herzen liegen mir aber die außergewöhnlichen Möglichkeiten, die sich für HSP gerade in der Selbstständigkeit eröffnen, denn die kommen in den meisten Publikationen bislang noch zu kurz.

Wie hat sich die Hochsensibilität in Ihrem Angestelltenverhältnis bemerkbar gemacht? Was waren die Hauptschwierigkeiten in Ihrem Arbeitsumfeld?

Tissot: Im Angestelltenverhältnis habe ich mich oft eingeengt und fremdbestimmt gefühlt. Das damalige Arbeitsumfeld, der Leistungsdruck, aber insbesondere der raue Umgang zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern haben mich irgendwann an meine Grenzen gebracht. Im Buch beschreibe ich diese Zeit detailliert, allerdings auch immer mit einem Augenzwinkern.

Interview mit Sandra Tissot: „Hochsensible und die berufliche Selbständigkeit“

Wie reifte der Entschluss bei Ihnen, sich selbständig zu machen?

Tissot: Es war ein Prozess. Der Gedanke an eine mögliche Selbstständigkeit hat mich immer begleitet, allerdings waren die Zweifel anfangs groß. Ein sehr persönlicher Moment war die Diagnose Morbus Basedow. Spätestens an diesem Punkt wurde mir bewusst, dass das Leben endlich ist und das ewige Verschieben der beruflichen Selbstständigkeit auf einen späteren Zeitpunkt nur meinem Selbstschutz gedient hatte.

Was ist Ihr Geschäftsmodell?

Tissot: Ich betreibe eine Agentur für Marketing und Kommunikation, die sich mit den Schwerpunkten Markenkommunikation, Content Marketing, Social Media Marketing sowie Online PR beschäftigt.

Welches Zwischenfazit ziehen Sie für Ihre Selbständigkeit?

Tissot: Ich fühle mich sehr wohl in meiner beruflichen Selbstständigkeit und habe den Schritt nie bereut, ganz im Gegenteil. Ich frage mich heute, wie ich so lange im Angestelltendasein verharren konnte.

Meine Selbstständigkeit bietet mir Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, sowohl beruflich, als auch privat. Die Übergänge sind fließend und trotz diverser Projekte kommt auch meine Familie nicht zu kurz. Ich finde genügend Zeit, um meine Tochter aufwachsen zu sehen. Eine sehr komfortable Situation.

Was sind die wichtigsten Ratschläge, die Sie HSP abschließend mit auf den Weg geben, um erfolgreich selbständig zu sein?

Tissot: Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht, weder privat noch beruflich. Für eine erfolgreiche Selbstständigkeit sind eine gute Vorbereitung und eine schrittweise Umsetzung empfehlenswert. Dazu gehören ein detaillierter Businessplan und Kontakte zu Existenzgründerberatern, insbesondere solche, die sich auf HSP spezialisiert haben.

Die größte Hürde für HSP liegt aber im Zweifel, ob sie den Herausforderungen der beruflichen Selbstständigkeit denn überhaupt gewachsen sind. Diesem Zweifel sollten sich HSP stellen und die Risiken genau hinterfragen. Oft sind es nur „Alibi Risiken“. Die selbstständige Tätigkeit bietet viele Chancen und ist mit dem hochsensiblen Wesen gut zu vereinbaren. HSP, die sich ihrer Potentiale bewusst werden, erleben die Selbstständigkeit als Befreiungsschlag.

Was ist Ihr persönlicher Sinn des Lebens?

Tissot: In meinem Buch gehe ich detailliert auf die unerträgliche Sinnlosigkeit ein, in der die Jahre gleichbleibend im alltäglichen Rhythmus vergehen und alles was bleibt die unbeantwortete Frage nach der Sinnhaftigkeit ist. Meinen persönlichen Lebenssinn sehe ich in der Lebensfreude und der Liebe, die ich täglich selbstbestimmt generieren kann. Die Grenzen zwischen dem, was mich privat und beruflich antreibt, sind fließend geworden – und das macht mich sehr glücklich.

Das Interview führte Markus Hofelich.

Kontaktieren Sie Sandra Tissot hier auf Xing.

Bilder: Sandra Tissot / Verlag dielus edition / Avopix / Pixabay

 

 

 

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2 Comments

Monika Richrath 7. März 2017 at 10:01

Guten Tag,

ich bin zufällig hier gelandet, eine sehr spannende Seite und ein äußerst interessantes Interview. Mich haben an dem Buch am meisten die Gedanken über die vermeintliche Sicherheit beeindruckt, die sich immer mehr als Illusionen entpuppen – weil alles andere so wenig stimmt, dass die Situation insgesamt keine Sicherheit mehr bietet … Herzliche Grüße, Monika Richrath

Reply
Selpie 15. März 2017 at 10:21

Grundsätzlich finde ich super das Thema Selbständigkeit mit HSP zu verbinden (ich selbst bin einer). Jedoch halte den Weg in die Selbständigkeit für zweischneidig. Erstens herrscht in der Ökonomie nicht so sehr der Leistungsgedanke, sondern primär das Geld (wer genug hat, verspürt keinen Leistungsdruck); zweitens kann man auch in großen Firmen selbständig arbeiten – es gibt zum Glück ein paar (wenn auch wenige) ArbeitgerInnen, die das erkannt haben..
Für mich ist es eher eine Art „innere“ Selbständigkeit die erforderlich ist. Vielleicht kommt das auch in dem Buch irgendwo vor….
Aber wie gesagt: Eine sehr spannende Verbindung. Prima Idee.

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