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Interview mit Ulrike Bergmann: „Mutig dem eigenen Weg folgen“

30. Juni 2017 1 Comment
Interview mit Ulrike Bergmann: „Mit Leichtigkeit zum Ziel: Mutig dem eigenen Weg folgen“

Ulrike Bergmann möchte Menschen Mut machen, ihre eigenen Ziele und Wünsche zu erkennen und ihre Vorstellungen von einem sinnerfüllten Leben zu verwirklichen. In Ihrem Buch „Mit Leichtigkeit zum Ziel: Mutig dem eigenen Weg folgen“ beschreibt die Autorin, Trainerin und Erfinderin des „Mutmacherprinzips“, wie jeder seinen eigenen Weg zu mehr Erfolg und Zufriedenheit im Leben finden kann. Im Interview mit SinndesLebens24.de zeigt Ulrike Bergmann, wie man seine wahren Wünsche erkennen und seine Ziele mit Leichtigkeit und Lebensfreude erreichen kann und erläutert die wichtigsten Elemente des „MutmacherPrinzips“.

Frau Bergmann, viele Menschen sind mit ihrem Leben und ihrem Beruf unzufrieden. Woran liegt das und was können wir dagegen tun?

Bergmann: Viele Menschen leben „an sich vorbei“, nämlich an dem, was sie wirklich ausmacht und worin sie besonders gut sind. Im Laufe der Zeit fühlen sie sich wie in einem fremden Leben, das sie so nie wollten. Eine Ursache dafür liegt in der Konditionierung aus dem Umfeld, in dem wir aufgewachsen sind. Wir haben vielfach in unserer Kindheit erfahren, dass unsere Wünschen nicht zählen. So haben wir uns an unsere Umgebung und deren An-Forderungen angepasst, um dazu zu gehören. Das ist vollkommen natürlich, denn Zugehörigkeit ist eine bedeutende Triebkraft unseres Handelns und wichtig für unser Überleben.

Eine weitere Ursache ist der Faktor Geld. Dies bedeutet für viele Menschen Sicherheit und daher stellen sie dies über alles andere. Sie befürchten – oder haben es eingetrichtert bekommen –, dass mit dem, was sie erfüllt und ihnen Freude bereitet, kein Geld zu verdienen ist. Und so steht Sicherheit immer vor Zufriedenheit oder Erfüllung im Beruf. Das rächt sich mit der Zeit und kann schließlich zu Burnout und Depression führen, die größte „Seuche“ unserer Zeit.

Persönlich bin ich davon überzeugt, dass es genau andersrum richtig ist: Je erfüllter wir in unserer beruflichen Tätigkeit sind, desto zufriedener werden wir und umso leichter fließt uns auch das Geld zu, das uns Sicherheit beschert. Vielleicht kommt nicht immer so viel, wie wir meinen, für unser „Glück“ haben zu müssen. Doch in jedem Fall so viel, um zufrieden leben zu können. Am Ende ist dies auch eine Frage von persönlichen Prioritäten. Und vor allem des „Preises“, den wir dafür bezahlen, wenn wir gegen unsere Neigungen leben.

Viel wichtiger, als die Suche nach dem richtigen Beruf in einem bestimmten Fachgebiet oder einer bestimmten Branche ist es, zu erkennen, welche Art der Tätigkeit uns wirklich Freude und Zufriedenheit bereitet. Denn letztlich geht es in unserem Leben doch vorrangig darum, dauerhafte Zufriedenheit zu erlangen und nicht darum, den letztlich seltenen Glücksmomenten nachzujagen. Diese bilden lediglich die Höhepunkte in unserem Alltag und sind kein Dauerzustand.

 

Interview mit Ulrike Bergmann: „Mit Leichtigkeit zum Ziel: Mutig dem eigenen Weg folgen“

 

Die vorherrschende Meinung bei vielen Menschen ist, dass man nur etwas erreichen kann, wenn man hart und entbehrungsreich dafür arbeitet. Etwas mit Leichtigkeit zu erreichen, klingt wie ein Widerspruch. Was sagen Sie dazu?

Bergmann: Die meisten von uns wurden in ihrer Erziehung von der Vorstellung geprägt, dass uns nichts im Leben geschenkt wird und dass nur das, was wir uns hart erarbeiten, einen Wert hat. Diese Vorstellungen gehen weitgehend auf religiöse Überzeugungen zurück, die vor etwa 500 Jahren mit der Reformation entstanden sind. Sie halten sich bis heute. Damals herrschte der Glauben vor, dass der Lohn für ein hartes und entbehrungsreiches Leben im Himmel auf uns wartet. Und je härter man arbeitet, desto größer würde dieser Lohn ausfallen.

Doch meiner Meinung nach ist das der falsche Weg. Ich bin davon überzeugt, dass sich Ziele mit einem inneren Zustand der Leichtigkeit wesentlich besser erreichen lassen, als mit einem Zustand der Schwere. Das hat nichts damit zu tun, sich einfach in die Hängematte zu legen, ein paar „Wünsche ans Universum“ zu richten und darauf zu warten, dass uns die Ergebnisse in den Schoß fallen.

Für mich ist Leichtigkeit eine Haltung, mit der wir an die Arbeit gehen, unseren Wünschen einen Raum geben und letztlich unsere Träume verwirklichen. Leichtigkeit ist eine Wahl – und fordert von uns eine Entscheidung. Leichtigkeit entsteht, wenn wir wahrnehmen, was gerade passiert, und darauf achten, was wir denken und wie wir handeln. Und wenn wir grundsätzlich Freude an unserer Arbeit haben, erreichen wir auch unsere Ziele mit einem Gefühl der Leichtigkeit – trotz aller Hindernisse und Widerstände, die immer wieder auftauchen und denen wir uns auch stellen müssen.

Eine wichtige Voraussetzung für ein erfülltes Berufs- und Privatleben ist es, sich Ziele zu setzen, die zu einem passen und einem auf dem persönlichen Weg zur Selbstverwirklichung weiterhelfen. Wie erkenne ich meine wahren Wünsche und Träume?

Bergmann: Viele Menschen kennen ihre ureigenen Wünsche und Träume gar nicht und übernehmen unbewusst fremde Ziele. Sie verfolgen die Träume von anderen Menschen, auch wenn diese Träume ihnen selbst nicht entsprechen und sie andere Vorstellungen von einem erfüllten Leben haben. Deswegen ist es wichtig, seine eigenen Wünsche und Träume zu erkennen. Manchmal dauert es einige Zeit, bis wir Zugang zu dem finden, was wir selbst wirklich wollen.

Es gibt einige Techniken, die uns dabei unterstützen können. Wahre Wünsche und Träume lassen sich zum einen strukturiert über Fragen erkennen. Am Anfang der Suche steht meist der Wunsch, etwas zu verändern und das eigene Leben anders zu gestalten. Deswegen sollten wir mit einer Bestandsaufnahme unserer aktuellen Situation starten und uns dann überlegen, was wir ändern und was wir erreichen wollen.

Am besten nehmen Sie ein Blatt Papier zur Hand und schreiben Ihre Antworten zu folgenden Fragen auf: Wie zufrieden bin ich in den wichtigsten Bereichen meines Lebens (Beruf, Beziehungen, Finanzen, Gesundheit)? In welchen Bereichen ist meine Unzufriedenheit am größten? Was stört mich konkret? Was hat höchste Priorität? Was möchte ich als Erstes verändern?

Aber es gibt auch intuitive Möglichkeiten, um unsere Wünsche zu entdecken. Sehr effektiv ist es etwa, ein persönliches „Träume-Buch“ zu starten und darin alles zu sammeln, was uns an Anregungen und Ideen begegnet, was uns begeistert und fasziniert. Dabei spielen vor allem unsere Gefühle und das Unterbewusstsein eine große Rolle.

 

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Egal, welche Methode wir wählen, wichtig ist dabei immer eine absolute Ehrlichkeit uns selbst gegenüber. Dazu gehört es auch, zu allem zu stehen, was intuitiv vor unserem inneren Auge auftaucht. Es nicht sofort zu bewerten und damit zu verwerfen. Sondern sich eine Zeit lang damit zu beschäftigen, den vielleicht noch verrückten Ideen einen Raum zu geben und darauf zu achten, was passiert. Je besser wir auf unsere Gefühle achten, desto schneller erkennen wir die Signale in Richtung „Aha, das ist etwas!“ und mit der Zeit entsteht vor dem inneren Auge ein klares Zukunftsbild.

Das größte Hindernis auf dem Weg dorthin ist übrigens die Frage „Wie soll das gehen?“ Sie tötet unsere Träume, ehe sie sich zu einer kraftvollen Vision entwickeln können. Denn am Anfang steht das „was“, nicht das „wie“. Steht ein kraftvolles Ziel für uns fest, hinter dem wir hundertprozentig stehen, dann werden sich die Wege dahin finden.

Unsere Ziele sollten in uns so viel Begeisterung entfachen, dass sie unsere Handlungen immer wieder befeuern. Kraftvolle Ziele passen zu unseren Lebensumständen und sind im Einklang mit dem, was uns wichtig ist: im Leben, im Beruf und in den Beziehungen zu anderen Menschen. Dann spornen sie an und tragen uns auch, wenn Hindernisse oder Herausforderungen auftauchen. Weil wir bereit sind, dranzubleiben und vorübergehend auch Unbequemlichkeiten in Kauf zu nehmen.

 

Im Zentrum Ihres Buches „Mit Leichtigkeit zum Ziel“ steht das von Ihnen entwickelte „MutmacherPrinzip“. Was sind die wichtigsten Kernelemente?

Bergmann: Das „MutmacherPrinzip“ besteht aus insgesamt acht Elementen, die uns dabei helfen können, unsere wahren Ziele und Träume zu erreichen. Die folgenden vier Elemente daraus sind auch entscheidend für mehr Leichtigkeit im Leben:

  • Entschiedenheit: Erst wenn wir uns zu 100 Prozent oder voll und ganz für ein bestimmtes Ziel entschieden haben, ist die Bereitschaft vorhanden, ohne Wenn und Aber zu handeln. Damit bleiben keine Hintertüren offen und es steht uns die volle Energie für die Umsetzung zur Verfügung.
  • Ausrichtung (oder Intention): Damit nehmen wir die gewünschten Ergebnisse gedanklich vorweg. Hier geht es darum, das beste vorstellbare Ergebnis zu formulieren und die Qualität, die wir uns für den Weg dorthin wünschen.
  • In die Neutralität gehen: Es mag paradox klingen, doch müssen wir unser Ziel auch immer wieder loslassen und in eine Haltung der Neutralität zu gelangen. Denn durch die enge emotionale Verbindung zu unserem Vorhaben laufen wir Gefahr, die Unbeschwertheit zu verlieren, mit der wir leichter ans Ziel gelangen. Damit öffnen sich auch Möglichkeiten, die zuvor unvorstellbar schienen.
  • Dem inneren Ratgeber vertrauen: Über unsere Intuition erhalten wir Hinweise darauf, auf welchem Weg es am leichtesten gelingt, unsere Wünsche und Träume zu verwirklichen.

Hinzu kommen weitere Elemente, wie Vorstellungskraft – eine starke innere Verbindung zu unserem Vorhaben aufzubauen, der als Magnet für Zufälle wirkt –, verbindliches Engagement – die Bereitschaft, auftauchende Impulse auch wirklich umzusetzen –, Vertrauen in unsere Schöpferkraft und der starke Glaube an den Erfolg.

 

Interview mit Ulrike Bergmann: „Mit Leichtigkeit zum Ziel: Mutig dem eigenen Weg folgen“   

 

 

Wenn wir über unsere Ziele nachdenken, gibt es häufig einen inneren Konflikt zwischen dem rationalen Denken und den Gefühlen. Worauf sollten wir eher hören?

Bergmann: Für mich gehört beides zusammen, Herz und Verstand. Doch die Prioritäten müssen stimmen: Das Herz gibt die Richtung vor, während der Verstand der Diener sein sollte, der uns darin unterstützt, den Weg unseres Herzens zu gehen. Leider ist es meistens umgekehrt: Wir folgen unserem Verstand, der uns einflüstert, was das Herz sagt, sei Spinnerei und nicht so wichtig.

Sie sagen, die Zukunftsvision zieht das Ergebnis an. Was steckt dahinter und wie sollte man dabei vorgehen? Wie wichtig ist dabei ein starkes Commitment zu sich selbst und zu den eigenen Zielen?

Bergmann: Jedes Ergebnis in der materiellen Welt entsteht zweimal, zunächst in unserer Vorstellung und danach in der Wirklichkeit. Daher ist es wichtig, dass Sie eine Vorstellung davon haben, wohin Sie wollen. Und dabei spielen Ihre Gefühle eine besondere Rolle. Entwickeln Sie eine klare Vorstellung davon, welche Qualität Sie sich für Ihr Leben wünschen. Dieser Aspekt ist viel wichtiger als Quantität oder andere messbare Ergebnisse. Erst wenn Sie Bilder Ihres Zieles mit Ihrem inneren Gefühl verbinden, entsteht eine kraftvolle Zukunftsvision. Wie von einem Gummiband werden Sie dann von Ihrer heutigen Wirklichkeit zu dieser Zukunftsvision gezogen.

Beim Commitment geht es darum, sich verbindlich für das einzusetzen, was Sie wirklich wollen. Erst daraus entsteht die Entschiedenheit, mit der Sie Ihre Ziele verfolgen. Beides bedingt sich gegenseitig: nur wer zu 100 Prozent entschieden ist, wird sich auch wirklich verbindlich für sein Vorhaben engagieren.

 

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Den Weg zu seinen Zielen sollte man Ihrer Meinung nach nicht verkrampft und verbissen gehen, sondern Vertrauen haben und sich führen lassen. Was bedeutet das?

Bergmann: Lange Zeit wurde uns vermittelt, dass sich Ziele nur mit exakter Planung, Meilensteinen und klaren Schritten erreichen lassen. Doch das kann nur in einem gewissen Maß gelingen. In einer sich immer schneller wandelnden Welt verändern sich auch die Rahmenbedingungen und Gegebenheiten immer rascher.

Um unsere Ziele zu erreichen ist es erforderlich, flexibel zu sein. Das heißt einerseits, innerlich in Verbindung mit dem zu bleiben, was wir uns wünschen. Und andererseits bereit zu sein, den geplanten Weg dorthin „loszulassen und wie zuvor angesprochen in die Neutralität zu gehen. Somit spielt es überhaupt keine Rolle mehr, auf welchem Weg wir an unser Ziel gelangen. Hauptsache, wir erreichen es.

Um dabei nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten, ist Vertrauen in eine andere Instanz gefordert. Für die einen ist es göttliche Führung, für die anderen ihre Intuition – oder wie ich es nenne, die Verbindung mit unserem „inneren Ratgeber“. Dafür empfehle ich das folgende tägliche Ritual. Verbinden Sie sich innerlich mit Ihrem wichtigsten Vorhaben und stellen Sie sich dann die Frage: Was ist heute der nächste Schritt? Schreiben Sie alles auf, was in Ihnen auftaucht und setzen Sie diese Schritte dann auch tatsächlich um.

Wer seine Ziele erkannt und seinen Weg dorthin eingeschlagen hat, wird früher oder später auch mit Rückschlägen konfrontiert. Wie kann man am besten damit umgehen, um sich nicht entmutigen zu lassen?

Bergmann: Natürlich erleben wir auf dem Weg zu unseren Zielen immer wieder Hindernissen und Herausforderungen. Wir dürfen uns davon nicht entmutigen lassen. Hierfür empfehle ich, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und sich das Wasser als Vorbild zu nehmen. Wenn Wasser an ein Hindernis gelangt, sucht und findet es einen anderen Weg. Wir Menschen hingegen versuchen oft, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen anstatt erst mal einen Schritt zurückzutreten. Dies kann dazu dienen, einen anderen Weg zu finden oder sich auch zunächst einer anderen Aufgabe zu widmen.

Was in solchen Situationen auch hilft, ist, sich Unterstützung von anderen zu holen. Nur etwa 20 Prozent aller Menschen sind als „Selbststarter“ in der Lage, aus eigener Kraft ihre Vorhaben umzusetzen. Daher profitieren die meisten Menschen von regelmäßigem Austausch und Bestärkung auf ihrem Weg zum Ziel. Wenn die passenden Menschen zusammenkommen, entstehen viele magische Momente und eine Energie, die alle vorwärts bringt. Schneller, als es jemals alleine möglich wäre.

Gemeinsam ist es auch sehr viel leichter, Phasen durchzustehen, in denen scheinbar nichts mehr vorwärts geht oder sich laufend neue Hindernisse und Widerstände auftun. Wir erkennen, dass auch andere Zweifel haben oder den Mut verlieren. Das Schöne an einer Gruppe ist, dass nicht alle gleichzeitig an diesem Punkt stehen und sich daher gegenseitig bei der Stange halten und aufmuntern können.

 

 

Sie selbst haben Ihrem zunächst nach außen äußerst erfolgreichen Leben eine völlig neue Richtung gegeben und den Sprung in die Selbständigkeit gewagt. Nach Jura-Studium und steiler Karriere in einem internationalen Unternehmen mussten Sie 1989 krankheitsbedingt eine mehrwöchige Pause einlegen. Was ist Ihnen damals über Ihr bisheriges Leben bewusst geworden?

Bergmann: In meiner Zwangspause erkannte ich, dass ich in meinem Leben lange den Ideen anderer gefolgt war, die mir nicht entsprachen. Durch einen internen Wechsel auf eine Stabsstelle wurde mir bewusst, wie wichtig es im Beruf ist, dass sowohl das Umfeld, als auch die Aufgabe zur Person passen. Das war in dieser neuen Position für mich nicht mehr der Fall.

Nach einer Tätigkeit, die mich jahrelang mit Freude und Begeisterung erfüllt hatte, war ich in eine Position gewechselt, die ich zwar ausfüllen konnte, jedoch wesentliche Aspekte meiner Persönlichkeit vertrocknen ließ. Mir wurde dadurch eines klar: Erfolg entsteht nur dann, wenn ich dem, was ich kann und worin ich gut bin, auch tatsächlich folge. Alles andere kostet zu viel Kraft.

Ende 1992 haben Sie Ihren sichern Job gekündigt und sich schließlich im Sommer 1995 als Beraterin, Autorin und „Mutmacherin“ selbständig gemacht. Wie sind Sie sich über ihre persönlichen Wünsche und Ziele klar geworden, die zu diesem Schritt führten? 

Bergmann: Als mit klar wurde, dass es so wie bislang nicht weiterging, wusste ich zunächst nicht, was eine Alternative sein könnte. Also habe ich in meiner Tätigkeit kleinere Anpassungen vorgenommen und nach einem privaten Ausgleich gesucht. Zugleich habe ich darauf vertraut, dass zum richtigen Zeitpunkt ein klarer Impuls entstehen und das Passende auftauchen würde. Das war 18 Monate später der Fall und damit begann meine Vorbereitung auf den Ausstieg.

So wusste ich bei meiner Kündigung, dass ich mich als Beraterin und Trainerin selbständig machen wollte. Doch das Thema fehlte noch. Um Abstand zu gewinnen, bin ich in die USA gegangen. Dort habe ich viele Erfahrungen gesammelt, Methoden kennengelernt und schließlich mein Thema gefunden: Menschen darin zu ermutigen, ihre Wünsche und Träume ernst zu nehmen. Und ihnen zu zeigen, wie sie diese auf ihre eigene Art und Weise verwirklichen können. Zwar hat sich der Schwerpunkt meiner Arbeit in den letzten Jahren in Richtung Begleitung von Solo-Unternehmern verlagert. Im Kern geht es immer noch darum, was Menschen darin bestärkt, über sich hinauszuwachsen und mutig und leicht ihren eigenen Weg zu gehen.

Sie bieten regelmäßig Seminare und Workshops an. Welche Themen stehen dabei im Vordergrund und für wen sind Sie diese geeignet?

Bergmann: Ich konzentriere mich heute vor allem auf Gruppenangebote für Solo-Entrepreneure, wie etwa das „GründerErfolgsTraining“ an der IHK-Akademie München/Oberbayern. Diese Coachinggruppe für angehende Dienstleister, die es inzwischen seit über zehn Jahren gibt, bietet in drei Modulen von jeweils drei Tagen eine Begleitung auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung zur Unternehmerpersönlichkeit auf Basis der eigenen Geschäftsidee. Gerade für Solo-Unternehmer ist es wichtig, dass Person und Idee zusammenpassen, denn nur dadurch entstehen Glaubwürdigkeit und Erfolg im Außen.

Darüber hinaus biete ich Workshops für „Suchende“ an, wie etwa den „Wachstumstag“, der hauptsächlich in der Natur stattfindet. Im „Visions-Labyrinth“ finden diese Menschen Zugang zu ihrer eigenen Vision, entwickeln dazu Umsetzungsideen und legen ihre Wachstumsschritte fest.

Meinen Workshop „Den eigenen Wünschen auf der Spur“ gibt es bereits seit 15 Jahren. Er ist zu einem Klassiker am Jahresanfang geworden. Jährlich am 6. Januar gestalten die Teilnehmenden ein Poster ihrer Wünsche für die nächsten 12-18 Monate.

Was ist Ihr ganz persönlicher Sinn des Lebens?

Bergmann: Der Sinn des Lebens ist für mich, meine Erfahrungen, Fähigkeiten und Interessen zum Ausdruck zu bringen. Ich erkenne und lebe ihn, wenn ich andere Menschen begleite und darin bestärke, ein Leben in Leichtigkeit, Lebendigkeit und anhaltender Zufriedenheit zu führen.

Das Interview führte Markus Hofelich.

Ulrike Bergmann

Zur Person: Ulrike Bergmann

Die gebürtige Münchenerin Ulrike Bergmann ist in Oberbayern aufgewachsen, hat in Portugal, Kanada und New York Auslandsluft geschnuppert und lebt heute in Prien am Chiemsee. Seit 1993 begleitet sie als Coach und Beraterin Menschen, die ihre Wünsche und Träume erkennen und ihre Vorstellungen von einem erfüllten Leben verwirklichen wollen. Zu ihren Veranstaltungen zählen u.a. das „GründerErfolgsTraining“, der „Wachstumstag“ oder der Workshop „Den eigenen Wünschen auf der Spur“. 2008 startete sie ihren eigenen Blog www.mutmacher-magazin.de mit Anregungen, Beispielen und Werkzeugen aus ihrer Arbeit. Im März 2014 ist ihr letztes Buch „Mit Leichtigkeit zum Ziel: Mutig dem eigenen Weg folgen“ im C.H.Beck Verlag erschienen.

Weitere Informationen unter: www.die-mutmacherin.de

Bilder: Pixabay / Unsplash / Ulrike Bergmann

 

 

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1 Comment

Gerald Pichler 3. September 2017 at 17:46

Ich kann den Ansichten der Fr.Bergmann so einiges abgewinnen und finde das Interview sehr gelungen. Danke. Ich erlebe oft das die angesprochenen Thematik, zu unterscheiden was jetzt aus dem Verstand kommt und was das Herz eigentlich will, vielen(mir einschließlich) gar nicht so leicht fällt. Dazu ist meiner Ansicht nach eine gewisse Übung und ein achtsamer Umgang mit sich selber notwendig, um diese Unterscheidungskraft zu „entwickeln“. Eine reflektiere Innenwahrnehmung zu erlangen ist durch die erwähnten Konditionierung bei vielen auch nicht alltäglich. Aber es ist ein notwendiger „Prozess“ um glücklicher und selbstbestimmter zu leben. Die Stärkung der eigenen Individualität die damit einhergeht(bei gleichzeitiger Offenheit), ist aus meiner Sicht eine Grundvoraussetzung um uns weiterzubewegen und sozusagen immer mehr integrieren zu können und unser Potential zu entfalten.
ligrü Gerald

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