Empathie und Mitgefühl geraten in Deutschland offenbar zunehmend unter Druck. Der Empathie-Report 2026 der Zurich Versicherung zeigt: Eine große Mehrheit der Bevölkerung nimmt einen raueren Umgang miteinander wahr. Vor allem soziale Medien, gesellschaftliche Spaltung und Egoismus gelten als Treiber dieser Entwicklung. Doch die Studie zeigt auch, wo Empathie weiterhin gelebt wird und was den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken könnte.
Wie empathisch gehen die Menschen in Deutschland noch miteinander um? Die Antwort fällt laut dem aktuellen Empathie-Report 2026 ernüchternd aus. 83 Prozent der Befragten geben an, in den vergangenen fünf Jahren einen Rückgang empathischen Verhaltens im Alltag wahrgenommen zu haben. Gleichzeitig sind neun von zehn Befragten der Ansicht, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland geschwächt ist. Die Folgen zeigen sich im täglichen Miteinander. 41 Prozent erleben mindestens einmal pro Woche Respektlosigkeit im direkten Kontakt mit anderen Menschen. 45 Prozent berichten regelmäßig von rücksichtslosem Verhalten, 35 Prozent nehmen häufig einen aggressiven Ton in Diskussionen wahr.
Soziale Medien als Treiber für weniger Empathie
Besonders kritisch fällt das Urteil über soziale Netzwerke aus. 53 Prozent der Befragten nennen Plattformen wie TikTok, Instagram, Facebook oder X als Orte, an denen ihnen mangelndes Einfühlungsvermögen besonders häufig begegnet. Sechs von zehn Befragten glauben, dass soziale Medien die Empathiefähigkeit in der Gesellschaft negativ beeinflussen. Als wesentliche Gründe gelten Anonymität und fehlender persönlicher Kontakt: 65 Prozent sehen darin einen entscheidenden Faktor. 53 Prozent nennen mangelnde Empathie in der Online-Kommunikation, 41 Prozent die zunehmende gesellschaftliche Lagerbildung. Doch das Problem reicht über die digitale Welt hinaus. Als zentrale Hindernisse für empathisches Verhalten nennen die Befragten gesellschaftliche Spaltung (39 Prozent), Egoismus (38 Prozent), Stress (32 Prozent) und Vorurteile (28 Prozent).
Persönliche Begegnungen stärken das Mitgefühl
Der Empathie-Report liefert jedoch auch Hinweise darauf, wie sich der Trend umkehren lässt. Empathie wird besonders dort erlebt, wo Menschen sich persönlich begegnen, Beziehungen aufbauen und Verantwortung füreinander übernehmen. Vereine, Kirchen, Familien und Freundeskreise gehören ebenso zu diesen Orten wie Schulen und Pflegeeinrichtungen. Damit deutet die Untersuchung auf einen wichtigen Zusammenhang hin: Persönlicher Kontakt kann helfen, Verständnis für die Perspektive anderer Menschen zu entwickeln. Gerade Gemeinschaften und soziale Beziehungen könnten deshalb eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Mehrheit erwartet weiteren Empathieverlust
Der Blick in die Zukunft fällt dennoch pessimistisch aus. 54 Prozent rechnen damit, dass die Empathie in Deutschland innerhalb der kommenden fünf Jahre weiter abnehmen wird. Lediglich 13 Prozent erwarten eine positive Entwicklung, während 27 Prozent keine wesentliche Veränderung prognostizieren. Gleichzeitig besteht offenbar eine ausgeprägte Sehnsucht nach einem anderen gesellschaftlichen Umgang. Rund die Hälfte der Bevölkerung ist laut Report überzeugt, dass mehr Empathie Deutschland insgesamt verbessern würde. Weitere 15 Prozent betrachten sie als wichtigen Faktor für die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft.
Fazit
Der Empathie-Report macht damit ein Spannungsfeld sichtbar. Während viele Menschen Mitgefühl und gegenseitiges Verständnis schwinden sehen, halten sie genau diese Fähigkeiten für besonders wichtig. Die Ergebnisse legen nahe, dass Empathie vor allem dort wachsen kann, wo Menschen einander nicht nur als Profile, Meinungen oder gesellschaftliche Gruppen wahrnehmen, sondern sich persönlich begegnen und miteinander ins Gespräch kommen. Für den Empathie-Report befragte Civey im Auftrag der Zurich Gruppe Deutschland vom 8. bis 12. Juli 2026 insgesamt 2.500 Menschen ab 18 Jahren online.
Foto: © Annie Spratt / Unsplash


