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Das Geheimnis vom glücklichen Leben

20. Juni 2018 0 comments
Das Geheimnis vom glücklichen Leben

Von Christa Spannbauer. Ist das Glück Glückssache? Oder sind wir unseres Glückes Schmied? Können wir es erjagen? Oder fällt es uns wie eine reife Frucht in den Schoß? Schon die antiken Philosophen suchten vor mehr als 2000 Jahren nach den Quellen des Glücks. Heute ist mit der Glücksforschung eine ganze Wissenschaft diesem begehrten Gut auf der Spur. Fest steht: Wir Menschen wollen glücklich sein. Die Frage aber bleibt: Wie gelingt ein glückliches Leben?  

Auf den Spuren des Glücks

Wenn Menschen heute vom Glück sprechen, meinen sie meist ein unbeschwertes und sorgenfreies Leben angefüllt mit angenehmen Gefühlen und schönen Erlebnissen. Der moderne Mythos vom Glück gaukelt uns vor, dass dieses Glück irgendwo dort draußen nur darauf wartet, von uns erjagt zu werden. Und die Werbung liefert hierzu schillernde Bilder frei Haus und kreiert unablässig neue Wünsche, deren Erfüllung das ersehnte Glück in Aussicht stellt.

Wir erhoffen uns von äußeren Bedingungen, dass sie uns dauerhaft glücklich machen: die schöne Wohnung, die Beförderung, der Urlaub in der Karibik, der neue Partner. Nur um schon bald feststellen zu müssen, dass der Glücksschub nicht lange anhält. Denn wir Menschen haben ein erstaunliches Talent darin, uns an Veränderungen zu gewöhnen. Und so wird das, was eben noch Glück versprach, allzu schnell auch wieder fad.

Psychologische Studien belegen dies und förderten die erstaunliche Tatsache zutage, dass die äußeren Bedingungen letztlich nur einen geringen Teil zu unserer Lebenszufriedenheit beitragen. Lediglich zu 10 Prozent beeinflussen die Lebensumstände unser Glücksempfinden. Entscheidend für dieses sind vielmehr zwei andere Faktoren: die eigene Lebensanschauung sowie eine genetische Veranlagung. Es scheint also weit weniger von Bedeutung zu sein, was in unserem Leben geschieht, sondern mit welcher Einstellung und inneren Gestimmtheit wir darauf reagieren.

 

Junger Mann schaut nach oben

 

Wie wir positive Gefühle fördern können

Gerade das mit der positiven Einstellung und der inneren guten Gestimmtheit ist jedoch alles andere als einfach. Forschungen aus der Neurowissenschaft belegen, dass wir Menschen über eine Art „katastrophisches Gehirn“ verfügen. Es reagiert auf negative Ereignisse wie ein Magnet und auf positive wie eine Teflonpfanne, erklärt der Neuropsychologe Rick Hanson anschaulich.

Die Gründe hierfür sind in der frühen Menschheitsgeschichte zu finden, in der unsere Vorfahren beständig nach Gefahren Ausschau halten mussten, um zu überleben. Unser Gehirn tut dies heute noch. Und lässt dabei die vielen schönen Dinge des Lebens unbeachtet an sich abperlen. Im Leben vieler Menschen nehmen daher negative Gedanken viel Raum ein. Kommen dann noch eine erbliche Disposition zum Pessimismus und negative Lebenserfahrungen hinzu, verschärft sich diese Tendenz.

Doch muss das so bleiben? Nein, versichert uns an dieser Stelle die Neurowissenschaft. Denn aufgrund der so genannten Neuroplastizität, der Formbarkeit des Gehirns bis ins hohe Alter, können wir negativen Denkmustern bewusst positive an die Seite stellen und pessimistische Glaubenssätze durch optimistische ersetzen.

Rick Hanson rät, sich bewusst auf die schönen Dinge im Leben zu fokussieren, achtsam den Augenblick auszukosten, Dankbarkeit und Wertschätzung dem Leben gegenüber zu entwickeln und die Intensität angenehmer Gefühle bewusst zu verstärken. Denn genau dadurch, so der Neurowissenschaftler, können wir neue Glücksverschaltungen im Gehirn legen und dauerhaft in diesem verankern. Wir kommen mit belastenden Gedanken und bedrückenden Gefühlen besser klar und stärken gezielt Zuversicht und Zufriedenheit.

 

Party von glücklichen, jungen Leuten am Strand

 

Der Glücksfaktor Widerstandskraft

Auch wenn es uns schwer fällt zu akzeptieren, so ist es doch wahr: Die meisten Geschehnisse im Leben unterliegen nicht unserer Kontrolle. Keine Versicherungspolice und keine noch so gute Lebensstrategie können uns vor Schicksalsschlägen bewahren. Ob wir angesichts dessen jedoch in Verzweiflung verfallen oder unsere Hoffnung bewahren, das liegt ganz in unserer Hand. Zumal es häufig gerade die leidvollen Erfahrungen sind, die uns durchlässiger, weiser und menschlicher machen.

Es ist daher durchaus angebracht, nach einem Verlust zu trauern, angesichts von Ungerechtigkeit wütend zu werden und auf bedrohliche Ereignisse mit Angst zu reagieren. Was widerstandsfähige Menschen auszeichnet, ist, dass sie sich diesen Gefühlen aussetzen, sich von ihnen aber nicht überwältigen oder niederdrücken lassen.

Für die amerikanische Psychologin Barbara Frederickson liegt das Geheimnis der seelischen Widerstandskraft darin, Sorgen und Probleme zuzulassen und ihnen zugleich positive Gefühle an die Seite zu stellen. Wem es gelingt, so belegte sie in umfangreichen Studien, dreimal häufiger positive als negative Gefühle zu erleben, kann Schicksalsschläge leichter bewältigen.

Wenn wir also der Trauer um einen geliebten Menschen ein Gefühl der Dankbarkeit für das gemeinsam Erlebte, die Hoffnung auf eine gute Zukunft und Selbstmitgefühl für uns jetzt an die Seite stellen, können wir dafür Sorge leisten, dass unsere Trauer nicht in Verzweiflung abstürzt oder in Depression versinkt.

 

Buch-Cover „31 Wege, um das Glück zu finden“ von Christa Spannbauer

 

Der Wille zum Sinn

Das höchste Glück, so betonte bereits Aristoteles, besteht aber nicht vorrangig in angenehmen Gefühlen, sondern erwächst uns daraus, dass wir das Beste unseres Wesens zur Erfüllung bringen. Selbstverwirklichung wird dies im modernen Jargon genannt. In der Hingabe an eine Aufgabe, der Begeisterung für eine Sache, dem Engagement für andere Menschen erfahren wir uns als lebendig und verbunden.

Es erfüllt uns mit Zufriedenheit, wenn wir unsere Fertigkeiten und Talente in die Welt einbringen können und ganz in dem aufgehen, was wir tun. Ein glückliches Leben ist somit immer auch ein tätiges, ein engagiertes Leben. Und es führt in ein sinnerfülltes Leben. „Lebenssinn ist das Dringendste, was ein Mensch braucht“, erkannte der österreichische Psychoanalytiker Viktor Frankl. „Erst im Dienst an einer Sache oder in der Liebe zu einer Person wird der Mensch ganz Mensch und verwirklicht sich selbst.“

 „Und lieben, Götter, welch ein Glück!“

 

Das Geheimnis vom glücklichen Leben

 

Schon der junge Goethe wusste um das Glückselixier par excellence: die Liebe. Nichts trägt mehr zu unserer Lebenszufriedenheit bei als geglückte Beziehungen, gute Freundschaften, harmonische Familienbande. Bestätigt wurde dies von Glücksforschern aus 50 Ländern im „World Book of Happiness“. Liebevolle Beziehungen gelten weltweit als der Garant für ein glückliches und zufriedenes Leben.

„Unsere Mitmenschen sind das beste Gegenmittel gegen die Betrübnisse des Lebens und sie sind die verlässlichste aller Aufmunterungen“, bestätigt der Begründer der Positiven Psychologie Martin Seligman. Weshalb das so ist? Wir erhalten Kraft, wenn wir anderen Kraft geben. Und es macht uns glücklich, wenn wir das Glück anderer Menschen fördern. Wusste doch schon der große Humanist Albert Schweitzer:Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt“.

Sind wir vielleicht sogar bessere Menschen, wenn wir glücklich sind? Die eigenen Erfahrungen legen dies nahe: Denn wenn es uns gut geht, begegnen wir anderen Menschen weitaus freundlicher, großzügiger und aufgeschlossener als an den Tagen, an denen unser Stimmungsbarometer im Keller ist. Wir sind auch eher bereit, Fremden unsere Hilfe anzubieten, denen wir an schlechten Tagen misstrauisch gegenüber stehen.

Eine positive Lebenseinstellung, so bestätigten Forschungen aus der Psychologie, trägt zum Gemeinwohl bei. Familie, Freunde, Bekannte und das ganze Umfeld profitieren davon. Und da das Glück ausstrahlt und sich überträgt und vermehrt, je mehr wir es teilen, kann es ganze Gemeinschaften und damit auch die Gesellschaft verändern. Was die Welt also heute dringender denn je braucht, sind glückliche Menschen!

 

Zur Gastautorin: Christa Spannbauer

 

Christa Spannbauer, Portrait

 

Mit ihrem aktuellen Buch „31 Wege, um das Glück zu finden“ machte sich Christa Spannbauer auf die Suche nach dem Geheimnis des Glücks. Die Berliner Autorin widmet sich in ihren Publikationen und Vorträgen der Frage nach dem gelingenden Leben und zeigt die Alltagstauglichkeit der Weisheitswege aus Ost und West auf. Ihre langjährige Zen-Praxis und die Ausbildung zur Lehrerin für Achtsamkeit & Mitgefühl unterstützen sie darin.

Weitere Informationen unter:  www.christa-spannbauer.de
Bilder: Unsplash, Christa Spannbauer (Foto Ulrike Manier), Cover: Herder Verlag

 

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