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„Die philosophische Hintertreppe“ von Wilhelm Weischedel

14. April 2016 0 comments
„Die philosophische Hintertreppe“ von Wilhelm Weischedel

Mit seinem Buch „Die philosophische Hintertreppe“ hat Wilhelm Weischedel 1966 eine literarische Pioniertat vollbracht: Als einer der ersten Experten hat er den Elfenbeinturm der Wissenschaft verlassen und ein populärwissenschaftliches Sachbuch geschrieben, das der breiten Öffentlichkeit einen leicht verständlichen Zugang in die komplexe Welt der Philosophie ermöglicht. Auf rund 300 Seiten destilliert und verdichtet der den Stoff von zweieinhalbtausend Jahren Philosophiegeschichte. Treffend und konzentriert beschreibt er Leben und Denken von 34 bedeutenden Denkern unserer Kultur, angefangen vom Griechen Thales von Milet aus dem 6. Jahrhundert vor Christus bis hin zu Ludwig Wittgenstein im 20. Jahrhundert – und das „ohne wissenschaftliche Arroganz und lehrmeisterhafte Attitüde“, wie der Rheinische Merkur schreibt. Inzwischen ist der „Einstieg in die Philosphie Klassiker“ in der 43. Auflage erhältlich.

Ohne Gepränge und vornehmes Getue umso eher zum Ziel

Dem deutschen Philosophen und Professor an der Freien Universität Berlin, der bei Heidegger promovierte, ist es gelungen, auch philosophische Laien für das bis dahin schwer zugängliche Thema zu begeistern. Dazu wählt Weischedel, wie er im „Prolog oder die zwei Aufgänge zur Philosophie“ schreibt, bewusst das Bild der Hintertreppe, den nicht üblichen Zugang zu einer Wohnung, die nüchtern und kahl und nicht feierlich wie die Vordertreppe ist. Auch den Philosophen könne man sich ohne festliches Gepränge und ohne vornehmes Getue über die philosophische Hintertreppe nähern. Sie „…ist schmucklos und ohne jede Ablenkung. Zuweilen führt sie deshalb umso eher zum Ziel“, so Weischedel.

 

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Fazit:

Weischedel bringt die Quintessenz und zentralen Elemente des Lebenswerkes bedeutender Philosophen des Abendlandes auf den Punkt: Die Reihe der Denker reicht von Thales, Sokrates, Platon und Aristoteles, über Augustinus, Thomas von Aquin Descartes, Spinoza, Voltaire, Rousseau, Kant, Hegel, Schopenhauer, Feuerbach, Marx, Nietzsche bis hin zu Heidegger, Russell und Wittgenstein, um nur einige zu nennen. Alles in allem ein empfehlenswertes Buch für den Philosophie-Einsteiger. Die Originalausgabe ist 1966 und 1973 in der Nymphenburger Verlagshandlung erschienen, heute ist das Buch in 43. Auflage im Deutschen Taschenbuchverlag dtv erhältlich.

Zum Autor: Wilhelm Weischedel

Der Philosoph Wilhelm Weischedel wurde am 11. April 1905 in Frankfurt am Main als Sohn eines Pfarrers geboren. Er studierte an der Universität Marburg evangelische Theologie und Philosophie und promovierte 1933 bei Martin Heidegger in Freiburg, einem der einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Während des Zweiten Weltkrieges war Weischedel Mitglied der Résistance in Paris, danach lehrte er als Professor Philosophie in Tübingen, ab 1953 an der Freien Universität Berlin. Außerdem war er Mitgründer der Studienstiftung des Deutschen Volkes und der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft. Als Philosoph setzte er sich vor allem mit dem Skeptizismus und dem Nihilismus auseinander, in seinem Hauptwerk „Der Gott der Philosophen“ entwickelte er eine philosophische Theologie im Zeitalter des Nihilismus. Weischedel war verheiratet, hatte zwei Töchter. Er starb am 20. August 1975 in Berlin.

Bild: Pixabay, Amazon

 

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