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„Sorge dich nicht – lebe!“ von Dale Carnegie

14. März 2021 0 comments
„Sorge dich nicht – lebe!“ von Dale Carnegie

Wer motivierende, spannend lesbare und praktisch anwendbare Literatur zum Thema positives Denken sucht, kommt an Dale Carnegie nicht vorbei. Auch 80 Jahre nach der Erstveröffentlichung seines Buches „Sorge dich nicht – lebe!“ sticht es wie ein Leuchtturm aus der Flut zahlreicher Neuerscheinungen zu diesem Thema hervor. Ohne Zweifel gilt es als zeitloser Klassiker und Standardwerk für positives Denken und mehr Erfolg im Leben. Auch Dale Carnegie selbst ist das Musterbeispiel eines erfolgreichen amerikanischen „Selfmade-Man“: aus ärmlichen Verhältnissen stammend, hat er sich aller widrigen Umstände zum Trotz aus eigener Kraft zum internationalen Bestseller Autor hochgearbeitet. Bis heute wurden Carnegies Bücher in 38 Sprachen übersetzt und weltweit über 50 Millionen Exemplare verkauft.

Vom Rhetorik-Trainer zum erfolgreichen Schriftsteller

„Als junger Mann in New York war ich sehr unglücklich“ – mit diesem harten Satz beginnt Dale Carnegie sein Buch im Vorwort „Wie dieses Buch entstand und warum“. Damals hauste er in einem billigen Zimmer, „in dem es vor Kakerlaken nur so wimmelte“ und hasste seinen Job als Lastwagenverkäufer. Die Träume seiner Studienzeit hatten sich in Alpträume verwandelt. Dann fasste er eine Entschluss, der sein Leben massiv verändern sollte: Er gab den verhassten Job auf, um an der Abendschule Erwachsene zu unterrichten – so hatte er tagsüber frei, konnte lesen, seine Vorträge vorbereiten und Schreiben. Er wollte „leben, um zu schreiben und schreiben um zu leben“. Das Thema seiner Kurse: freie Rede, Training und die Erfahrung im Sprechen in der Öffentlichkeit, später wie man Freunde gewinnt und Menschen beeinflusst. Zielgruppe: Erwachsene, die Mehrzahl davon Geschäftsleute aus unterschiedlichsten Branchen, die lernen wollten, wie sie mit Ihren Problemen fertig werden, Ausgeglichenheit und Selbstvertrauen entwickeln und erfolgreicher in Beruf und Leben werden können. Da er zu diesen Themen jedoch keine passenden Unterrichtsbücher finden konnte, begann er, diese selbst zu schreiben.

Das Problem ist nicht Unwissenheit, sondern Tatenlosigkeit

Bei der Recherche für „Sorge dich nicht, lebe!“ las er nach eigenen Angaben, „was die Philosophen aller Zeiten zum Thema zu sagen hatten“, „Hunderte von Biografien von Konfuzius bis Churchill“ und interviewte zahlreiche Prominente aus unterschiedlichsten Kreisen. Eingeflossen sind auch Erfahrungen seiner Kursteilnehmer, wie sie Angst und Sorgen loswurden. Schließlich entstand „eine Sammlung wirksamer und nachgeprüfter Rezepte, wie man das Leben sorgenfrei gestalten kann“. Allerdings weist Carnegie den Leser darauf hin, dass er nichts Neues entdecken werde, aber vieles, das nicht allgemein befolgt wird. Der Knackpunkt: „Unser Problem ist nicht Unwissenheit, sondern Tatenlosigkeit. Der Zweck dieses Buches ist es, eine Menge alter und fundamentaler Wahrheiten neu zu formulieren, sie zu verdeutlichen, sie den modernen Verhältnissen anzupassen.“

 

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Voraussetzung einer wirksamen Lektüre: tiefes Verlangen zu lernen und wilde Entschlossenheit

So nimmt das didaktisch gut gemachte Werk den Leser motivierend und fordernd an die Hand: Zu Beginn gibt Carnegie „Neun Ratschläge, wie Sie das meiste aus Buch herausholen können“, jedes Kapitel schließt mit einer Zusammenfassung, die die wichtigsten Regeln kurz und prägnant auf den Punkt bringt. Das Buch ist systematisch gegliedert in sieben Teile, darunter die Kapitel „Was Sie über Ihre Sorgen und Ängste wissen sollten“, „Die wichtigsten Methoden zum Analysieren von Angst“, „Sieben Möglichkeiten zur Entwicklung einer geistigen Haltung, die Ihnen Glück und Frieden bringt“. Im anschließenden achten Teil folgen 30 Erlebnisberichte („Wie ich meine Sorgen besiegte“). Ganz von selbst stellt sich der Erfolg freilich nicht ein. Wichtigste fundamentale Voraussetzung einer wirksamen Lektüre, mahnt Carnegie den Leser, sei „ein tiefes, großes Verlangen zu lernen, eine wilde Entschlossenheit, alle Sorgen bekämpfen und Leben zu wollen.“

6 zentrale Erfolgs-Tipps von Dale Carnegie

 

1. Das Leben in Einheiten von Tagen gliedern

Eine effektive Lösung gegen das lähmende und ständige Grübeln über Probleme liegt für Dale Carnegie darin, den Fokus auf die Gegenwart zu lenken. Und das Leben in Einheiten von Tagen zu gliedern.

Dazu zitiert er Thomas Carlyle: „Unsere Hauptaufgabe ist nicht, zu sehen, was in vager Ferne liegt, sondern nur das zu tun, was das Nächstliegende ist.“ Denn schließlich wankt auch der Stärkste, wenn die Bürde von morgen mit der von gestern heute getragen werden muss. Deswegen sollte der kluge Mann jeden Tag wie ein neues Leben anfangen.

„Jeder Mensch kann kann freundlich sein, geduldig, mitfühlend, rein, bis die Sonne untergeht. Und das ist alles, was im Leben wirklich zählt.“

Robert Louis Stevenson

Dass das Leben, in jedem Augenblick des Tages und der Stunde gelebt werden muss, macht Dale Carnegie auch an einem treffenden Zitat aus dem Kinderbuch „Alice im Wunderland“ deutlich. Hier sagt die weiße Königin zu Alice: „In der Regel gibt es morgen Marmelade, und gestern gab es welche, bloß heute gibt es nie Marmelade.“

Den Appell zu mehr Carpe Diem in der Lebenseinstellung verstärkt Carnegie noch weiter mit dem wundervollen „Gruß an die Morgendämmerung“ des indischen Dramatikers Kalidasa:

„Sieh diesen Tag! Denn er ist Leben, ja das Leben selbst. In seinem kurzen Lauf liegt alle Wahrheit, alles Wesen deines Seins: Die Seligkeit zu wachsen, die Freude zu handeln, die Pracht der Schönheit, denn gestern ist nur noch ein Traum, und morgen ist nur ein Bild der Phantasie, doch heute, richtig gelebt, verwandelt jedes Gestern in einen glückseligen Traum und jedes Morgen in ein Bild der Hoffnung. So sieh‘ denn diesen Tag genau! Das ist der Gruß der Morgendämmerung.“

Kalisada

Dabei belässt es Dale Carnegie nicht bei reiner Theorie, sondern fordert den Leser durch die folgenden fünf aktivierenden Fragen selbst dazu auf, konkret ins Tun zu kommen:

  1. Neige ich dazu, das Leben in der Gegenwart auf später zu verschieben, mir über die Zukunft Sorgen zu machen und mich nach einem verzauberten Rosengarten hinter dem Horizont zu sehnen?
  2. Mache ich mir manchmal die Gegenwart schwer, weil ich Dinge bedaure, die in der Vergangenheit geschehen sind und die längst vorbei und erledigt sind?
  3. Stehe ich morgens auf mit dem Vorsatz, den Tag zu nützen, das heißt das meiste aus diesen vierundzwanzig Stunden herauszuholen?
  4. Kann ich mehr aus meinem Leben machen, wenn ich es in Einheiten von Tagen gliedere?
  5. Wann soll ich damit anfangen? Nächste Woche, morgen, heute?

2. Eine Zauberformel für Situationen, die Angst erzeugen

Konkrete Handlungsanweisungen ziehen sich wie ein roter Faden durch Dale Cremiges Werk „Sorge dich nicht – lebe!“. Auch im Kapitel „Eine Zauberformel für Situationen, die Angst erzeugen“, gibt er konkrete Tipps und aktiviert die Leser durch gezielte Fragen, um durch Selbstreflexion zu Lösungen zu kommen, wenn sie vor schier unlösbar scheidenden Problemen stehen:

  1. Fragen sie sich: Was kann mir als Schlimmstes passieren, wenn ich es nicht schaffe, mein Problem zu lösen?
  2. Bereiten sie sich in Gedanken darauf vor, das Schlimmste zu akzeptieren, falls nötig.
  3. Nun versuchen sie ruhig und gelassen, das Schlimmste – mit dem sie sich im Geiste bereits abgefunden haben – abzuwenden.

3. Wie man durch Angst und Sorgen geschaffene Probleme analysiert und löst

Um sich aus dem negativen Gedanken-Karussell zu befreien, hilft nur, sich möglichst nüchtern und rational mit seinen Herausforderungen auseinanderzusetzen und diese strukturiert aufs Papier zu bringen. Im Kapitel „Wie man durch Angst und Sorgen geschaffene Probleme analysiert und löst“ gibt er zahlreiche konkrete Übungen, die dabei helfen. So einfach die Tipps auf den ersten Blick auch scheinen mögen, so effektiv sind sie bei der Umsetzung.

Problemanalyse:

  1. Tatsachen sammeln.
  2. Die Tatsachen analysieren.
  3. Eine Entscheidung treffen – und danach handeln.

Auf ein Blatt Papier schreiben und beantworten:

  1. Worüber mache ich mir Sorgen?
  2. Was kann ich tun?
  3. Wie entscheide ich mich?
  4. Wann setze ich meine Entscheidung in die Tat um?

Wie Sie 50 % Ihrer geschäftlichen Sorgen streichen:

  1. Was ist das Problem?
  2. Was ist die Ursache des Problems?
  3. Welche Lösungen sind möglich?
  4. Welche Lösung schlagen sie vor/wähle ich?

4. Wie man mit der Gewohnheit bricht, sich Sorgen zu machen, ehe man selbst daran zerbricht

„Man ist nur unglücklich, weil man Zeit hat, zu überlegen, ob man unglücklich ist oder nicht“ sagte Bernard Shaw. Damit zeigt Carnegie wie wichtig es ist, ins Tun und Handeln zu kommen, statt ständig über seine Probleme und Sorgen nachzugrübeln.

Er ist der Meinung: Ein Mensch, der sich Sorgen macht, muss sich beschäftigen, oder er stirbt an Verzweiflung. Deswegen rät Dale Carnegie eindringlich: „Grübeln sie nicht nach! Spucken sie in die Hände und machen sie sich ans Werk!“

5. Lassen Sie sich von Käfern nicht besiegen

Die wahren Probleme der Menschen liegen häufig nicht nur in den großen, zentralen Herausforderungen des Lebens, sondern an der großen Summe an Kleinigkeiten, über die wir uns ständig aufregen. Und diese Sorgen und negativen Gedanken bei kleinen, unwesentlichen Dingen rauben uns schließlich die Kraft und Energie, uns mit den wichtigen und zentralen Aufgaben auseinanderzusetzen. Mit folgendem Beispiel öffnet Dale Carnegie dem Leser die Augen:

„Auf einem Hang am Long’s Peak in Colorado liegt der verwitterte Stamm eines riesigen Baumes. Fachleute behaupten, dass er weit mehr als vierhundert Jahre alt ist. Vierzehn mal in seinem langen Leben schlug der Blitz in ihn ein, und zahllose Lawinen und Stürme schüttelten ihn. Doch schließlich kam eine Armee von Käfern und fällte ihn. Ein Riese des Waldes, den weder Alter noch Blitze oder Stürme hatten fällen können, stürzte unter den Angriffen von Käfern, so klein, dass ein Mensch sie zwischen Daumen und Zeigefinger zerdrücken könnte“, schreibt Dale Carnegie.

Sein Fazit: „Lassen wir es nicht zu, dass wir uns über Nebensächlichkeiten aufregen, die wir nicht beachten, sondern schnellstens vergessen sollten. Denken sie immer daran: Das Leben ist zu kurz für Kleinigkeiten!“

6. Akzeptieren Sie das Unvermeidliche

Auf der einen Seite ermutigt Dale Carnegie die Menschen natürlich in erster Linie dazu, ihre Probleme zu lösen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Lebensumstände, denen wir nichts entgegensetzen können. Deswegen empfiehlt er: „Akzeptieren Sie das Unvermeidliche!“. Und untermauert seinen Appell mit äußerst treffenden Zitaten.

„Nehmt die Dinge, wie sie sind! Sich mit den Gegebenheiten abzufinden, ist der erste Schritt, um mit den Folgen eines Unglücks fertig zu werden.“

William James

„Gott gebe mir Gelassenheit, hinzunehmen, was nicht zu ändern ist. Mut zu ändern, was ich ändern kann. Und Weisheit, zwischen beidem zu unterscheiden.“

Dr. Reinhold Niebuhr

Fazit:

Die Anleitung Dale Carnegies für ein sorgenfreies und erfülltes Leben ist auf jeden Fall empfehlenswert. Zwar sind die Lebensweisheiten, wie er selbst schreibt, den meisten bekannt, doch kommt es gerade auf deren praktische Umsetzung im Alltag an. Mit einem didaktisch gut strukturierten Aufbau, einfachen Worten und geschliffener Rhetorik schafft er es, den Leser immer wieder aufs Neue zu motivieren. Pointierte Anekdoten und Erfolgsbeispiele sollen die Praxistauglichkeit seiner Thesen untermauern und machen die Lektüre unterhaltsam. Das Buch wird heute vom Verlag Fischer bzw. Fischer Scherz herausgegeben.

Zum Autor: Dale Carnegie

Dale Carnegie kam am 24. November 1888 als Dale Carnagey in Maryville im US-Bundesstaat Missouri zur Welt. Später änderte er die Schreibweise seines Namens von Carnagey in Carnegie um – ein verwandtschaftliches Verhältnis zu Andrew Carnegie, amerikanischer Stahl-Tycoon und ehedem reichster Mensch seiner Zeit, gab es nicht, im Gegenteil: Dale wuchs auf der Farm seiner Eltern in bescheidenen Verhältnissen auf. Er studierte vier Jahre am Staatlichen Lehrerkolleg von Warrensburg in Missouri, um Lehrer zu werden. Allerdings wurden seine Bewerbungen an der Columbia-Universität und an der Universität von New York, an denen er Abendkurse in freier Rede geben wollte, abgelehnt. Schließlich begann Carnegie 1912 im Christlicher Verein Junger Menschen in New York Weiterbildungskurse in freier Rede zu geben.

Neben Rhetorik versuchte er den Teilnehmern immer mehr auch Selbstvertrauen und eine positive Lebenseinstellung zu vermitteln. Aus Mangel an passenden Lehrbüchern für seine „Studenten“ beschloss er, diese selbst zu schreiben. 1926 veröffentlichte er sein erstes Buch mit dem Titel „Public Speaking and Influencing Men In Business: a Practical Course for Business Men”. Sein erfolgreichstes Buch ist bis heute „Wie man Freunde gewinnt“, das 1937 erschien und sofort zum Bestseller avancierte. 1948 folgte „Sorge dich nicht – lebe!” („How to Stop Worrying and Start Living. A self-help book about stress management“). Dale Carnegie starb am 1. November 1955 an Urämie mit Hodgkin-Lymphom in Forest Hills, New York im Alter von 66 Jahren. Bis heute wurden weltweit über 50 Millionen Exemplare seiner Bücher in 38 Sprachen verkauft. Außerdem zählt Dale Carnegie Training mit mehr als acht Millionen Teilnehmern heute weltweit zu den führenden Trainingsunternehmen. www.dalecarnegie.com

Bilder: Pixabay, Amazon

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