InterviewsSinn des Lebens

Interview mit John Strelecky: „Sinn finden mit den Big Five for Life”

6. März 2018 0 comments
Interview mit John Strelecky: „Sinn finden mit den Big Five for Life”

Die Philosophie der „Big Five for Life“ steht im Zentrum der Bücher und Seminare des amerikanischen Bestsellerautors John Strelecky. Ziel ist es, den persönlichen Zweck der Existenz und den Sinn seines Lebens herauszufinden, um am Ende auf ein nach eigenen Maßstäben glückliches, erfülltes und erfolgreiches Leben zurückblicken zu können. Seine Bücher wie „Das Café am Rande der Welt – Eine Erzählung über den Sinn des Lebens“ oder „The Big Five for Life: Was wirklich zählt im Leben“ wurden in über 30 Sprachen übersetzt und weltweit über zwei Millionen mal verkauft. Im Interview spricht der Autor und Coach über das Konzept der „Big Five for Life“, wie man seinen wahren Lebenstraum entdecken und verwirklichen kann, sein Kursangebot in Deutschland sowie über seinen persönlichen Sinn des Lebens.

Herr Strelecky, wie wichtig ist es für die Menschen, einen echten Sinn im Leben zu haben?

Strelecky: Diese Frage ist sehr wichtig und entscheidend für unser Leben. Denn den Sinn unseres Lebens zu kennen ist das, was uns jeden Morgen aufstehen lässt. Es gab eine Zeit in meinem Leben, da war mir das selbst nicht bewusst. Jeden Tag ging ich zur Arbeit und tat die gleichen Sachen. Ich hatte eine Reihe von Jobs – einige liebte ich, einige hasste ich. Aber ich fragte mich: Kann das wirklich alles sein im Leben? Werde ich das die nächsten Jahrzehnte tun, dann sterben und das soll es dann gewesen sein? Schließlich inspirierten mich diese Erfahrungen und Gedanken dazu, mir die wirklich wichtigen Fragen zu stellen: Was ist der Sinn meines Lebens? Was ist mein Lebenszweck? Wenn wir uns darüber klar werden, dann ändert das alles. Dann fangen wir an, uns jeden Morgen auf den neuen Tag zu freuen, anstatt zu versuchen, es nur irgendwie durch den Tag zu schaffen. Und das ist ein großer Unterschied.

Zahlreiche Menschen sind heute mit ihrem Beruf oder ihrem Leben im Allgemeinen unzufrieden, wie Umfragen sowie die wachsende Zahl der Burnout-Fälle und psychischen Erkrankungen zeigen. Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptgründe dafür?

Strelecky: Die meisten Menschen – ich schätze es sind zwischen 80 bis 90 Prozent –, üben eine Arbeit aus, die nicht mit ihren „Big Five for Life“ verbunden ist. Das heißt, sie gehen keinem Job nach, den sie mit Herz und Leidenschaft ausüben oder der mit ihren Kerninteressen verbunden ist. Wenn man darüber nachdenkt, wie viel Zeit die meisten Menschen mit der Arbeit verbringen, dann ist das alles andere als ein erfülltes Leben.

Die meisten Leute stehen jeden Morgen um sieben Uhr auf, frühstücken eine Kleinigkeit, während sie bereits die ersten Nachrichten auf ihren Smartphones checken, pendeln zur Arbeit und verbringen acht oder neun Stunden im Büro. Dann pendeln sie zurück nach Hause, checken wieder die Nachrichten auf ihren Smartphones. Und wenn sie abends müde nach Hause kommen, haben sie gerade noch etwas Zeit für ein kleines Abendessen mit der Familie, sehen etwas fern und gehen ins Bett. Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen sie in der Arbeit, von Montag bis Freitag. Aufgrund der ständigen Erreichbarkeit durch die Smartphones mischt sich auch an den Wochenenden immer mehr Arbeit unter die Freizeit. Deswegen können die meisten Menschen kaum noch abschalten und sind unzufrieden mit ihrem Job, wenn sie nicht etwas tun, das sie wirklich erfüllt.

 

Buchcover, John Strelecky: „Big Five for Life”

 

Welches Konzept steckt hinter den „Big Five for Life“?

Strelecky: Dieses Konzept ist eigentlich ganz einfach. Es geht darum die fünf Dinge herauszufinden, die man in seinem Leben unbedingt machen möchte. Am Ende des Lebens sollte man zurückblicken und sagen können: Ich habe meine „Big Five for Life“ verwirklicht und das ist mein persönlicher Erfolg, nach meiner ganz eigenen Definition.

Es geht nicht darum, die Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen, wie wir zu leben haben. Nicht um die Erwartungen unserer Eltern, Freunde oder unserer Vorgesetzten, sondern darum, was wir selbst in unserem Leben tun wollen, um das eigene Leben zu unserem persönlichen Erfolg zu machen. Ziel des „Big Five for Life“-Konzeptes ist es, die fünf Dinge herauszufinden, die das eigene Herz zum Singen bringen.

Wie wichtig ist es, ab und zu ganz im Hier und jetzt zu leben?

Strelecky: Als meine Tochter geboren wurde, war ich sehr erstaunt, wie schnell die Zeit verging bis sie zwei Jahre alt war. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, zwei feste Vater-Tochter-Tage in der Woche einzuführen, in denen wir eine schöne Zeit zusammen verbringen – im Park, im Zoo oder bei Spaziergängen in der Natur. Wir machen das bis heute so, nur auf einen Tag reduziert. Jeder Dienstag ist Abenteuer-Tag und ich achte strikt darauf, dass keine beruflichen Termine dazwischenkommen.

Dabei ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist, in diesen Momenten ganz präsent im Augenblick zu sein und nicht daran zu denken, wie sich das in der Zukunft einmal auszahlen könnte. Es ist wichtig, einfach die Momente zu genießen wenn sie da sind, im Hier und Jetzt. Als man noch ein Kind war, war das so einfach. Man ging raus spielen, genoss den Moment und dachte nicht daran, wie sich das später im Leben einmal auszahlen könnte. Man dachte dabei weder an Geld noch an künftigen Erfolg. Kinder spielen einfach nur um zu spielen, weil es ihnen Spaß macht und dabei gehen sie ganz im Augenblick auf.

Was sind Ihre persönlichen „Big Five for Life“? Welche davon konnten Sie bisher realisieren? An welchen arbeiten Sie noch?

Strelecky: Meine persönlichen „Big Five for Life“ sind folgende:

  1. Liebevolle Beziehungen: Es ist für mich sehr entscheidend im Leben, eine liebevolle Beziehung zu Menschen zu pflegen, die mir etwas bedeuten. Das heißt, ihnen Zeit und Energie zu widmen und wirklich für sie da zu sein. Wenn man abends Zeit mit seinen Kindern verbringt oder Freunde zum Essen einlädt, kann man zwar physisch anwesend, aber nicht wirklich präsent sein – man denkt an die Arbeit oder etwas anderes. Doch es geht darum, wirklich präsent zu sein in diesen wunderbaren Momenten mit anderen Menschen und zwar auf allen Ebenen.

 

  1. Die Welt bereisen: Ich glaube ich bin auch hier, um die Welt zu bereisen. Es ist mir sehr wichtig, immer wieder neue, fantastische Plätze auf unserer Erde zu entdecken und Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen. Das bedeutet natürlich auch, etwas anderes dafür aufzugeben. Denn wenn ich auf Reisen unterwegs bin, dann kann ich keine Bücher schreiben oder Veranstaltungen durchführen. Aber das ist okay für mich, denn das Reisen hat einen festen Platz in meinem Leben.

 

  1. Selbsterkenntnis und Authentizität: Für jeden Menschen ist es sehr wichtig, sich wirklich selbst zu erkennen und sich darüber klar zu werden, was wirklich zählt. Das heißt, sich seiner Gedanken bewusst zu werden und sich zu hinterfragen: Warum denke ich eigentlich so? Warum handle ich so? Woher kommt diese besondere Überzeugung oder Einstellung? Es ist eine große Herausforderung, sich diese Fragen zu stellen: Tue ich das aus eigener Überzeugung oder deswegen, weil jemand anders mich davon überzeugt hat? Es ist so einfach, Verhaltensweisen von anderen Menschen zu imitieren. Viele haben wir auch als Kind von unseren Eltern übernommen. Man muss sich diese Dinge bewusst machen und erkennen, um schließlich wirklich authentisch und man selbst sein zu können. Das ist eine sehr befreiende Erfahrung. Den Kern dessen, was man ist zu erkennen. Es ist ein Gefühl, als stünde man ganz oben auf dem Felsen von Gibraltar und niemand hätte die Macht, einen davon herunterzustoßen.

 

  1. Andere Menschen inspirieren: Ich möchte so viele Menschen wie möglich durch meine Arbeit dazu inspirieren, ihre eigenen „Big Five for Live“ zu erkennen und diese in ihrem Leben zu verwirklichen. Das passiert täglich durch meine Bücher, Kurse und andere Aktivitäten. Gerade arbeite ich auch an einem Filmprojekt über das Café am Rande der Welt, um dadurch weitere Leute zu erreichen.

 

  1. Einen Song zu schreiben, der es in die Top Ten der Pop-Charts schafft. Es wäre eine gute Gelegenheit, ein Lied für den Soundtrack des Films zu machen.

 

Interview mit John Strelecky: „Sinn finden mit den Big Five for Life”

 

Wie kann ich herausfinden, wo meine Berufung liegt, wenn ich es bisher noch nicht weiß?

Strelecky: Diese Frage wurde mir im Laufe der Jahre immer wieder gestellt. Die Menschen lesen meine Bücher wie „Das Café am Rande der Welt“, „Big Five for Live“ oder „Safari des Lebens“ und sagen: „Das hat mich so beeindruckt und inspiriert, aber wie finde ich meine eigenen Big Five for Life?“ Deswegen habe ich mir Gedanken darüber gemacht und einen Prozess entwickelt, der Menschen dabei hilft, genau das herauszufinden. So wurden die „Big Five for Live Discovery Seminare“ ins Leben gerufen.

In Wahrheit kennt jeder Mensch tief in sich selbst schon die Antworten auf diese Fragen, doch sie befinden sich meist noch im Unterbewusstsein. Das Problem ist, dass diese Antworten im Laufe der Zeit immer mehr verdrängt werden. Während wir aufwachsen, geben uns andere Leute oder kulturelle Normen vor, wie wir zu leben haben, was wir tun und was wir nicht tun sollen.

Das Ziel der Seminare ist es, diese Informationen, die jeder bereits in sich trägt, ins Bewusstsein zu bringen. Es ist ein sehr heikler Prozess, denn unser Gehirn steuert zuerst dagegen. Es verfolgt das Hauptziel, das eigene Überleben zu sichern und deswegen sagt es uns, wir sollen heute die gleichen Dinge tun, die wir gestern getan haben. Und weil wir noch auf der Welt sind, scheint das ja gut zu funktionieren. Sicher mag das in grauer Vorzeit mal eine gute Überlebens-Strategie gewesen sein, doch heute schränkt uns das ein. Wenn wir unser Leben anders gestalten wollen, dann brauchen wir Veränderungen und können nicht immer nur die gleichen Dinge tun.

Im Laufe des Kurses führe ich die Teilnehmer durch eine Reihe von Übungen, die es ihnen ermöglichen, diese Informationen aus ihrem Unterbewusstsein ins Bewusstsein zu holen. Ein Beispiel: Ich stelle zunächst sehr einfache Fragen, wie etwa: „Was sind Deine Lieblingsgeschäfte? Was gefällt Dir an diesen besonders gut?“ Im ersten Moment scheinen die Fragen sehr simpel zu sein und nichts mit den „Big Five for Live“ zu tun zu haben. Doch im Gespräch höre ich dann interessante Dinge, wie: Es gibt dort viel Platz, immer neue Dinge, Sportartikel oder Zubehör für Künstler. Es ist erstaunlich, was dabei herauskommt und jeder Mensch ist anders. In unseren Zwei-Tages-Kursen fördern wir bei den Teilnehmern Schritt für Schritt immer mehr Hinweise aus dem Unterbewusstsein zutage. Daraus ergibt sich dann ein klares Muster und am Ende können die Teilnehmer ihre Big Five for Live identifizieren.

Natürlich ist die Teilnahme an einem meiner Kurse nicht der einzige Weg, seine „Big Five for Life“ herauszufinden. Eine gute Möglichkeit ist es, ein Jahr lang als Backpacker auf Weltreise zu gehen. Das ist der Weg, den ich früher selbst gegangen bin und der mir völlig neue Perspektiven für mein Leben aufgezeigt hat. Allerdings ist das Leben der meisten Menschen zeitlich eng getacktet und verplant, ihr Alltag ist straff durchorganisiert. Für die meisten ist es nicht möglich, einfach mal ein Jahr auf Weltreise zu gehen. Deswegen haben wir diese Kurse entwickelt.

Was häufig fehlt ist ein zeitlicher Freiraum, um nachzudenken. Deswegen sollte man sich ganz bewusst und regelmäßig etwas Zeit für sich selbst nehmen. Die Natur bietet eine hervorragende Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen. Gehen Sie eine knappe Stunde alleine im Wald spazieren, laufen Sie um einen See oder suchen Sie sich eine andere schöne Gegend, in der sich nicht so viele Menschen aufhalten. Natürlich sollte man dabei sein Smartphone ausschalten, keine eMails checken und sich auch nicht ständig ablenken lassen. Und dann laufen Sie einfach eine knappe Stunde – mit der Absicht im Kopf, ihre „Big Five for Live“ zu finden. Es mag eine Woche dauern, bis die ersten Hinweise aus dem Unterbewusstsein auftauchen. Diese Hinweise können unterschiedlichster Art sein, vielleicht eine bestimmte Farbe oder eine schöne Erinnerung aus der Kindheit, an die man lange nicht mehr gedacht hat.

Gerade in der Midlife Crisis stellen Männer und Frauen ihr bisheriges Leben auf den Prüfstand. Meist scheuen sie jedoch das Risiko, die Komfortzone eines sicheren, aber ungeliebten Jobs oder Lebens zu verlassen und noch einmal neu durchzustarten. Was raten Sie diesen Menschen?

Strelecky: Der erste Schritt ist sich darüber klar zu werden, was man wirklich möchte. Ansonsten ist es so, als würde man nachts in der Mitte eines dunklen Ozeans auf einer Rettungsinsel treiben: Ohne ein Ziel, das man ansteuern könnte. Wenn die Sonne aufgeht und man eine Insel sieht, dann hat man die Motivation, mit dem Paddeln zu starten und darauf zuzusteuern.

Die „Big Five for Live“ schaffen diese Inseln in unserem Leben. Und dann fängt man an, Energie, Zeit und Anstrengung hineinzustecken, um diese zu erreichen. Ansonsten fehlt die Motivation. Warum sollte man sich anstrengen, wenn man nicht weiß, wofür? Deswegen ist der erste entscheidende Schritt: Ein Ziel zu finden, das man ansteuern kann.

Der zweite Schritt, den ich empfehle, ist nicht zu fragen „Wie komme ich dorthin?“, sondern „Wer ist bereits dort?“, „Wer hat dieses Ziel bereits erreicht?“ und „Wer lebt das Leben bereits, das ich leben möchte?“ – und sich dann von der Energie dieser Vorbilder anstecken zu lassen. Denn diese haben ihre Ziele bereits erreicht, sie waren erfolgreich, sie haben ihre „Big Five for Life“ bereits verwirklicht. Je mehr man über diese Menschen lernen kann, desto mehr macht sich das Gehirn mit dieser potentiellen Realität vertraut. Wenn Sie sechs Monate mit Ihren Kindern durch Afrika reisen möchten? Wunderbar! Gehen Sie ins Internet, finden Sie heraus, wer das schon gemacht hat und lassen Sie sich von diesem Vorbild inspirieren!

Wie kann man die Angst vor dem Scheitern in den Griff bekommen? Wie geht man mit Niederlagen um? Und vor allem: Wie kann man den Zielkonflikt zwischen Verwirklichung seines Lebenstraumes und Geldverdienen lösen?

Strelecky: Diese Angst resultiert daraus, dass in unserer Wahrnehmung die Beispiele von Menschen, die gescheitert sind, sichtbarer sind als die Erfolgsgeschichten. Wenn es mein Traum ist, eine Bäckerei zu eröffnen, dann muss ich nach Leuten suchen, die das bereits erfolgreich gemacht haben und mich an diesen orientieren. Und herausfinden, was die Leute konkret getan haben, um ihr Ziel zu erreichen.

Wenn man genügend Zeit und Energie in die Success Stories steckt, dann wird auch die Angst vor dem Scheitern nachlassen. Am besten wäre es, pro Woche einige Stunden als Praktikant in einer erfolgreichen Bäckerei zu arbeiten, sodass man aus erster Hand sehen kann, was sie so erfolgreich macht. Auf diese Weise wird man nach einem halben Jahr sehr viel darüber wissen, wie man eine erfolgreiche Bäckerei führt. Gleichzeitig werden die größten Ängste vor dem Scheitern verschwinden. Aber die meisten Leute tun das nicht. Sie halten an den Negativ-Beispielen fest, die sie kennen und beschäftigen sich nicht damit, wie sie trotzdem erfolgreich sein können.

Wichtig ist auch der richtige Umgang mit Niederlagen, die jeder Mensch einstecken muss. Man darf nicht aufgeben und nicht den Mut verlieren. Ein Beispiel aus meinem Leben: Das Manuskript meines allerersten Buches „Das Café am Rande der Welt“ wurde von sage und schreibe 18 Verlagen abgelehnt. Können Sie sich das aus heutiger Sicht vorstellen? Aktuell wurden weltweit bereits über zwei Millionen Exemplare verkauft. Doch damals waren 18 Lektoren, Experten auf ihrem Gebiet, der Meinung, das interessiert keinen und das wird auch niemandem gefallen.  Fast jeder erfolgreiche Buchautor wird eine ähnliche Geschichte erzählen können. Wenn man die Einstellung hat, jeden Kampf gewinnen zu müssen, dann wird man schnell enttäuscht. Aber hier ist eine wichtige Empfehlung von mir: Wenn jemand „nein“ zu Ihnen sagt, dann sagen Sie nicht, es wird nicht funktionieren. Was derjenige wirklich meint ist: „Ich weiß nicht, wie ich das zum Erfolg führen kann“. Das bedeutet, ich muss zum nächsten Ansprechpartner gehen, bis ich jemanden finde, der „ja“ sagt.

Zurück zum Bäckerei-Beispiel. Wenn man Familienmitglieder fragt, was haltet ihr davon, wenn ich eine Bäckerei eröffne? Dann lautet die Antwort wahrscheinlich: „Das ist eine schreckliche Idee“. Aber wenn man diese Frage jemandem stellt, der selbst seit 30 Jahren eine erfolgreiche Bäckerei betreibt, dann wird sein Feedback völlig anders ausfallen.

Heute macht mir ein „Nein“ nichts mehr aus. Ich mache mir immer bewusst, auf welcher Wissensbasis mir die Antwort gegeben wurde. Niederlagen sind nur ein Schritt im Prozess, darüber sollte man sich keine Sorgen machen. Noch nie in der Geschichte waren die Möglichkeiten und Voraussetzungen besser als heute, seine „Big Five for Life“ zu verwirklichen. Durch das Internet kann jeder sehr schnell an die richtigen Informationen kommen und mit den richtigen Personen in Kontakt treten. Heute gibt es für jedes Thema einen leichten Zugang zu einer Vielzahl von hilfreichen Artikeln und Videos, die einem helfen, seine Vision zu realisieren.

Sie selbst haben einst Ihr Leben komplett verändert und 2002 Ihren Job als Strategieberater für große Unternehmen aufgegeben. Was waren die wichtigsten Gründe dafür?

Strelecky: Von außen betrachtet schien damals zunächst alles in Ordnung zu sein. Ich war sehr erfolgreich in meinem Beruf als Strategieberater, habe gut verdient, arbeitete in einem angesehenen Unternehmen und ich wurde gut behandelt. Ich stand montags um vier Uhr morgens auf, fuhr zum Flughafen und flog zu einem Kunden, arbeitete die Woche über hart, manchmal bis zehn, elf Uhr abends und freitags flog ich zurück nach Hause. Am Montag startete alles von neuem.

Doch als ich mir meine Kollegen, die fünf bis 10 Jahre älter waren als ich, genauer ansah, stellte ich fest, dass sie eigentlich nicht glücklich waren. Und ich fragte mich: „Wie wird es mir in fünf bis zehn Jahren gehen, wenn ich in diesem Beruf bleibe?“ – Wahrscheinlich genauso. Im Alter von 32 Jahren hatte ich auf einmal das Gefühl, dass ich alt werde und dass mein Leben sehr schnell an mir vorbeizieht.

Da erinnerte ich mich plötzlich wieder an die fantastische Reise, die ich mit 27 Jahren nach dem Abschluss der Kellogg Graduate School of Management unternommen hatte. Damals reiste ich einen Monat lang als Backpacker durch Costa Rica, und wusste: Das war definitiv der beste Monat meines Lebens! Ich hatte lange Zeit nicht mehr daran gedacht, aber dann wurde es mir wieder bewusst. Ich überlegte, vielleicht sollte ich so etwas noch einmal machen, nur für eine längere Zeit. Und dann sagte ich zu mir, „genug ist genug“ und ich entschied mich dafür, eine Auszeit zu nehmen. Jeder sagte mir, ich sei absolut verrückt. Aber heute weiß ich: Das war die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe.

Um sich darüber klar zu werden, was Sie wirklich im Leben wollen, sind Sie mit Ihrer Frau neun Monate lang auf Weltreise gegangen. Was wurde Ihnen dabei bewusst?

Strelecky: Ich habe die Weltreise gestartet, weil ich mehr Spaß in meinem Leben haben wollte – 70 Stunden pro Woche zu arbeiten brachte mir zwar eine Menge Geld, aber keine Freude. Während des Backpacking-Trips wurden mir auch verschiedene Dinge klar. Mir wurde meine große Freude am Reisen bewusst. Ich liebe es bis heute, neue Leute aus verschiedenen Kulturen kennenzulernen und neue wundervolle Orte zu entdecken. Im Kern bin ich ein Abenteurer – und denselben Job Tag für Tag zu machen ist einfach kein Abenteuer. In diesen neun Monaten sah und erlebte ich mehr, als die meisten Menschen in fünf Leben.

 

 

Nach Ihrer Rückkehr von der großen Reise schrieben Sie Ihr erstes Buch „Das Café am Rande der Welt“, das zum Bestseller wurde. Was sind die zentralen Aussagen? Wie viel Autobiografisches steckt darin?

Strelecky: Das Buch „Das Café am Rande der Welt – Eine Erzählung über den Sinn des Lebens“ erzählt in etwas abgewandelter Form meine eigene Geschichte. Die Hauptfigur John, 41 Jahre alt, ist ein erfolgreicher Werbemanager, der sich auf einer Hawaii-Reise verirrt und durch Zufall im „Why Café“ landet. Auf der Speisekarte sieht er neben dem Menü des Tages drei Fragen: „Warum bist du hier? Hast du Angst vor dem Tod? Führst du ein erfülltes Leben?“. Zuerst fragt er sich, was das soll und dann kommt er mit den Leuten im Café ins Gespräch und unterhält sich die ganze Nacht lang mit ihnen. Am nächsten Morgen hat er eine neue Einstellung darüber, worum es im Leben wirklich geht. Das ist für ihn ein neuer Startpunkt, ein Aufbruch.

Auch mein Leben wurde durch die Reise stark verändert. Wenn ich mich damals nicht für die Auszeit entschieden hätte, dann hätte ich auch das Buch nicht geschrieben. Ich war kein ausgebildeter Schriftsteller und hatte am Anfang gar nicht den Vorsatz, ein Buch zu schreiben – die Reise hat das in mir ausgelöst, weil ich offen für neue Ideen war.

Ihr ursprünglicher Traumberuf war Flugzeugpilot, aber aufgrund eines Herzfehlers konnten Sie diesen nicht realisieren. Wie sind Sie damit umgegangen? Was raten Sie anderen Menschen, wenn ein Lebenstraum an unüberwindbare Grenzen stößt?

Strelecky: Als ich zwölf Jahre alt, hatte ich den Traum, Pilot zu werden. In den nächsten Jahren habe ich mein ganzes Geld, dass ich in Nebenjobs verdient habe und einen Großteil meiner Zeit in dieses Ziel gesteckt. Nach der erfolgreichen Ausbildung zum Verkehrspiloten bewarb ich mich bei United Airlines. Doch bei einem Gesundheitstest wurde ein Herzfehler festgestellt und damit endete meine Flugkarriere, bevor sie begonnen hatte. Plötzlich ist mein Lebenstraum geplatzt, auf den ich jahrelang hingearbeitet hatte – aus einem Grund, den ich nicht kontrollieren konnte. Das war ein emotionaler Tiefpunkt für mich und ich fühlte mich vom Schicksal unfair behandelt.

Aber wenn ich mich aus heutiger Sicht frage, was mein großer Traum wirklich war, dann war es nicht Pilot zu werden, sondern etwas anderes. Ich wusste, dass man als Pilot relativ viel Freizeit hat und Gratis-Flüge bekommt, sodass man viel reisen kann. Was ich wirklich wollte, war die Welt zu bereisen und ein Abenteurer zu sein. Der einzige Weg, das zu verwirklichen, war für mich damals Pilot zu werden.

Heute bin ich mir darüber im Klaren, dass es 1.000 verschiedene Wege gibt, um dieses Ziel zu erreichen. Und außerdem: Die Tage, die man als Pilot zwischen den Flügen frei nehmen kann, sind nichts im Vergleich zu den neun Monaten auf meiner Weltreise. Mein Weg brachte mich meinem wahren Ziel schließlich näher, als es der Beruf als Airline Pilot getan hätte.

Wenn einem ein langgehegter Traum plötzlich platzt, dann ist es sehr wichtig, sich zu fragen: Was bedeutet der ursprüngliche Traum im Kern wirklich? Und dann sollte man die Essenz, den wahren Hintergrund des Traumes herausfinden. Der wahre Grund unterscheidet sich oft von dem konkreten Ziel, das wir verfolgen.

In Ihren Seminaren bieten Sie Menschen die Möglichkeit, ihre „Big Five for Life“ zu entdecken. Welche Seminare bieten Sie in Deutschland und der Schweiz an?

Strelecky: Seit Jahren gibt es auch in Deutschland das Tochterunternehmen „John Strelecky and Friends“, das unterschiedliche Seminare durchführt – inzwischen mit acht ausgebildeten Coaches, oder wie wir sagen „Reisebegleitern“. Darin geben wir den Menschen einen Prozess an die Hand, der ihnen Klarheit über ihre wahren Wünsche und Lebensziele gibt. In Deutschland finden regelmäßig Seminare in Hamburg und München statt, in der Schweiz in Zürich und Basel. Es gibt als Einführung die eintägigen „Big Five for Live-Intro“-Seminare sowie die intensiveren „Discovery-“ sowie „Do-it!-Seminare“, die jeweils an zwei Tagen stattfinden.

 

Interview mit John Strelecky: „Sinn finden mit den Big Five for Life”

 

Welche Angebote haben Sie für Unternehmen – Big Five for Company?

Strelecky: Auch dazu gibt es eine kleine Vorgeschichte. In meinem Buch „Das Leben gestalten mit den Big Five for Life: Das Abenteuer geht weiter“, die Fortsetzung von „The Big Five for Life: Was wirklich zählt im Leben“, gebe ich Einblicke in das erstaunliche kanadische Unternehmen DLGL, Human Resources Software, das seit über 30 Jahren erfolgreich auf dem Markt ist und regelmäßig Auszeichnungen erhält. Wie kam es dazu? Der Präsident der Firma kontaktierte mich, nachdem er mein erstes „Big Five for Life“-Buch gelesen hatte und sagte, er führe seine Firma seit 30 Jahren genauso wie in meinem Buch beschrieben. Ich wurde neugierig, besuchte ihn und die Ähnlichkeiten zwischen der Art und Weise, wie er seine Firma führte und dem Konzept das ich in meinem ersten Buch beschrieben habe, waren in der Tat verblüffend.

Schließlich habe ich zwei Jahre mit ihm zusammengearbeitet und daraus entstand dieses zweite Buch, das die konkreten Maßnahmen aufzeigt, die DLGL so erfolgreich machen. Danach sind schließlich immer mehr Unternehmer nach der Lektüre auf mich zugekommen und sagten: „Ja, genauso möchte ich meine Firma führen. Doch wie kann ich das realisieren?“ Also haben wir unter dem Namen „Big Five for Company“ ein Beratungskonzept entwickelt, um die Unternehmen dabei zu unterstützen. Die Seminare werden speziell auf die Bedürfnisse der einzelnen Firmen zugeschnitten.

Was ist für Sie persönlich der Sinn des Lebens?

Strelecky: Die Prioritäten haben sich im Laufe meines Lebens etwas verschoben. Früher standen für mich Reisen und Abenteuer etwas stärker im Vordergrund als heute. Dann hat es mich sehr erfüllt, anderen Menschen durch meine Bücher und Seminare zu helfen. Wenn ich heute sterben würde, wüsste ich, dass ich die Welt ein kleines bisschen besser verlasse, als ich sie vorgefunden habe. Seit meine Tochter auf der Welt ist, ist sie ein wichtiger Teil meines Lebens. Es ist sehr wichtig für mich, für sie da zu sein, sie zu unterstützen, zu ermutigen und ihr die Freiheit zu geben herauszufinden, wer sie ist.

Doch was ist wirklich der Sinn von allem? Am Ende des Tages ist der Sinn des Lebens, Spaß und Lebensfreude zu haben und das Leben zu genießen, davon bin ich fest überzeugt. Schließlich dauert das Leben nicht sehr lange. Wenn wir uns diese Frage stellen, haben wir meist schon ein Drittel unserer Lebenszeit hinter uns –als Kinder wissen wir das noch intuitiv. Ein Erwachsener zu sein bedeutet für die meisten Menschen, einfach seine Aufgaben erledigen zu müssen und dabei ist bei so vielen die Freude am Leben verlorengegangen. Also genießen Sie ihr Leben und haben Sie Spaß!

Das Interview führte Markus Hofelich.

Weitere Informationen unter: www.jsandfriends.com
Fotos: John Strelecky / Cover: dtv

 

– Anzeige / Datenschutz – 

         

 

Das könnte Sie auch interessieren ...

Hinterlassen Sie einen Kommentar