BuchtippsInterviewsPhilosophie

Interview mit Nina Kalmund: „Meine 5 wichtigsten Lebens- und Erfolgsprinzipien“

19. Juli 2020 0 comments
Interview mit Nina Kalmund: „Meine 5 wichtigsten Lebens- und Erfolgsprinzipien“

Nina Kalmund hat in ihrem Leben einen großen Wandlungsprozess vollzogen. Nach langjähriger Arbeit als international erfolgreiche Architektin hat ein Schicksalsschlag plötzlich alles verändert. Heute ist sie weltweit eine der wenigen zertifizierten High Performance Coaches und international gefragte Speakerin – vor allem bei großen Business-Konferenzen in den USA. Letztes Jahr wurde sie auf dem Women Economic Forum in London mit dem Preis „Iconic Woman – Creating a better World for All“ ausgezeichnet. Im Interview spricht Nina Kalmund über Ihren Veränderungsprozess und ihre 5 wichtigsten Lebens- und Erfolgsprinzipien.

Frau Kalmund, kürzlich haben Sie im Hearthouse München einen inspirierenden Vortrag über Ihre 5 wichtigsten Lebens- und Erfolgsprinzipien gehalten. Das erste Prinzip ist wahrhaftige Freiheit. Sie sagen, es geht nicht darum, sich selbst zu erkennen. Sondern vielmehr darum, selbst zu entscheiden, wer man sein will. Was steckt dahinter?

Kalmund: Die erste Frage der Philosophie lautet: „Wer bin ich?“. Basierend auf dieser Frage haben sich Menschen ewig auf die Suche begeben um herauszufinden, wer sie denn nun sind – immer basierend auf der Delphischen Maxime „Erkenne Dich selbst!“.

Das macht heute den großen Erfolg von Persönlichkeitstests aus: Man soll sich selbst erkennen, um somit sich selbst und die Menschen um sich herum besser einschätzen zu können – und dann mit den besonderen Eigenschaften jedes einzelnen Menschen besser umgehen zu können.

Auf den ersten Blick erscheint das wundervoll: Endlich weiß ich, dass ich „introvertiert“ bin, oder auch, dass ich besonders gut bin, wenn ich „im Rampenlicht“ stehe, dass ich ein „guter Teamplayer“ bin oder auch nicht, dass ich ein „Kontrollfreak“ bin oder immerzu „nach Harmonie strebe“. Doch sagt dies nur aus, wer ich im Moment bin oder wer ich gestern war. Darüber wo ich hin möchte und wer ich in Zukunft werden kann, sagt dies kein Sterbenswörtchen.

Natürlich lieben wir es Dinge zu erkennen und zu wissen, dass wir so oder so sind, denn dies gibt uns ein Gefühl von Sicherheit, von Kontrolle. Wenn wir jedoch Großes schaffen wollen, Großes bewegen wollen, dann steht uns Sicherheit im Weg. Erkenntnis und Sicherheit bedeuten, dass wir aus unseren Umständen heraus agieren, statt uns gezielt in Richtung unserer Vision zu entwickeln.

Wir können alle so viel mehr sein, als wir uns eingestehen. Dafür benötigen wir Klarheit und Mut. Dann können wir uns entschließen wer wir wirklich sein wollen und wie wir wirklich leben wollen. Denn es gibt sie, diese wahrhaftige Freiheit in der alles möglich ist.

 

Coach Nina Kalmund auf der Bühne

 

Ein weiterer wichtiger Punkt für ein erfolgreiches Leben ist für Sie, sich nicht als Opfer, sondern als Gestalter des eigenen Lebens zu sehen. Was heißt es, wahrhaftige Verantwortung für sich zu übernehmen?

 Kalmund: Letztendlich ist dies ein und derselbe Punkt. Denn auch der obigen Gestaltungsfrage liegt die Ethik zugrunde. „Sei, was du scheinen willst“, sagte Sokrates. Dies erfordert eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Werte“ und in welchem Maße ich bereit bin, Verantwortung zu übernehmen.

Zurück also zu den Fragen „Wer möchte ich sein?“, „Was ist mir wichtig?“, „Welchen Werten bin ich durch mein Handeln treu?“, „Wie will ich leben?“.

Weder wer ich in der Vergangenheit war, noch was ich erlebt habe, noch was ich durchgemacht habe, noch was „mir angetan wurde“ – also völlig unabhängig davon, wie schwierig meine Umstände waren oder wie sie derzeit sind – kann ich meine Freiheit im Kopf selbst bestimmen und meine Zukunft selbst gestalten.

Denn meine Zukunft entwickelt sich aus meiner Vision, meinen Zielen, durch mein Sein, mein Bewusstsein, meine Ansichten, meine Werte, meine Handlungen, meine Disziplin, mein Durchhaltevermögen und meinen Willen. Jedoch weder durch meine Vergangenheit, noch durch meine gegenwärtigen Umstände.

Epiktet sagte bekannterweise „Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen die wir von den Dingen haben“. Und das stimmt auch an dieser Stelle: Es sind nicht unsere Umstände die uns zurückhalten, sondern unsere Sichtweise darauf.

Daher auch der so wichtige Leitsatz von Marshall Goldsmith „What brought you here, won’t get you there“. Die Erkenntnisaufgabe ist also nicht die Delphische – „Erkenne Dich selbst!“ -, sondern die viel, viel anspruchsvollere Sokratische – „Ich weiß, dass ich nicht weiß“. Das Ziel ist also ein Haltungsansatz in dem Nichtwissen erkannt wird und erlaubt ist: Der Nullpunkt der wahre Gestaltung erst ermöglicht.

Wenn man bereit ist radikale Verantwortung zu übernehmen, dann ist man auch bereit die eigenen Ausreden zu enttarnen und zu erkennen, dass wir zu jedem Zeitpunkt die Wahl haben Gestalter und nicht Opfer zu sein.

In Ihrem dritten Prinzip geht es um wahrhaftiges Wachstum. Ein zentraler Punkt ist für Sie dabei, dass Wachstum nur außerhalb der Komfortzone möglich ist und letztendlich nur Schmerz die Möglichkeit bietet, besser zu werden. Was bedeutet das genau?

 Kalmund: Dieser Punkt ist am leichtesten zu erklären, wenn wir unseren Körper als Beispiel nehmen. Hier wissen wir alle natürlich, dass Veränderung nur außerhalb der Komfortzone möglich ist. Muskeln baut man durch Widerstand auf. Je größer der Widerstand oder je schwerer das Gewicht, desto stärker das Wachstum, die Veränderung.

Widerstände begegnen uns täglich, und sei es nur beispielsweise so etwas wie ein Missverständnis in der Kommunikation. Wir können in einem solchen Moment unsere Komfortzone verlassen und den Dingen auf den Grund gehen oder wir können uns „wegducken“ und die Aussprache scheuen. In jedem Falle sind wir hier gestalterisch tätig, einmal bewusst in Richtung unserer Ziele, einmal eher unbewusst als Ausdruck unserer Angst.

Wir können uns zu jeder Zeit Herausforderungen suchen, mit der einhergehenden Unsicherheit – eine Form von „Schmerz“, von Unwohlsein – und mit dem Risiko des Scheiterns, also potentieller Schmerz. Oder wir können in unserer bekannten Umgebung weiter agieren, die uns meist weder darin fordert noch fördert, unsere eigenen Grenzen zu erforschen und zu sprengen.

In schmerzhaften Momenten stecken jedoch unsere größten Wachstumschancen. Schmerzen und Hindernisse zwingen uns, uns zu entscheiden wer wir wirklich sind. Nichts regt so sehr das persönliche Wachstum an, wie diese Momente in denen man in außergewöhnlicher Weise gefordert ist.

 

Coach Nina Kalmund mit Hund

 

Warum brauchen wir für ein erfülltes Leben und Erfolg wahrhaftige Offenheit?

 Kalmund:

 Wahrhaftige Offenheit bedeutet für mich eben genau das: Dass wir…

  • …es wagen, nicht alles zu wissen.
  • …es wagen, nicht alles kontrollieren zu können.
  • …bereit sind zu vertrauen.
  • …bereit sind zu entdecken.
  • …bereit sind zu gestalten.
  • …bereit sind, uns dem Leben hinzugeben.

Sie sagen, der Mensch wird erst im Du zum Ich. Wie wichtig sind wahrhaftige Beziehungen und was zeichnet diese aus?

Kalmund: „Der Mensch wird am Du zum Ich“ ist ein Zitat des österreichisch-israelischen Philosophen Martin Buber. Für mich eines der schönsten Sätze überhaupt. Die Begegnung mit anderen Menschen prägt uns und ermöglicht uns, weiter zu wachsen.

Wir können durch andere Menschen andere Perspektiven einnehmen, einen anderen Blick auf die Welt und einen anderen Blick auf uns selbst erfahren, uns reiben und wiederum auch dadurch wachsen. Was wir aus diesen Begegnungen machen, liegt jedoch wieder bei uns. Zurück also zur Verantwortung.

Am besten können wir dem Anspruch an uns selbst – der sich aus diesen Begegnungen und aus unseren Beziehungen ergibt – gerecht werden, indem wir uns stetig bewusst machen, dass wir Vorbilder für andere Menschen sind. Und, dass wir sie durch unser Sein beeinflussen.

Bei aller Selbstoptimierung entsteht häufig der Eindruck, dass die Menschen zu hedonistischen Egoisten werden, die nur ihr eigenes Glück im Visier haben. Was sagen Sie dazu?

Kalmund: Der Hedonismus war in der Antike – anders als in der Moderne – im Grundverständnis nicht von der Ethik abgekoppelt. Wichtig ist es daher immer zum einen, den Definitionen auf den Grund zu gehen und die Dinge aus einer höheren Perspektive zu betrachten.

Wenn Egoismus bedeutet, dass ein gesundes Leben auf Selbstliebe beruht, dann ist dies ein hohes Ziel und ein hohes Gut. Wenn Egoismus und Egozentrik als Selbstsucht falsch verstanden werden, dann ist diese Selbstentwicklung nicht zum Wohle aller und somit nicht nachhaltig.

Sich selbst zu entwickeln und das eigene Leben zu gestalten darf in keinem Fall bedeuten, dass man über Leichen geht, Beziehungen zerstört, sich Ruhm und Ehre verschreibt und im Horizontalen verhaftet bleibt.

Es geht darum, die Dinge aus einer höheren Perspektive zu betrachten. Das heißt, sich auf einer viel tieferen Ebene mit dem Leben auseinanderzusetzen und zu verbinden, ganz andere Möglichkeiten zu erkennen und dadurch kompetenter und selbstbestimmter zu handeln. Wenn wir unsere Potentiale leben, dann können wir der Welt besser dienen und somit ist in diesem Fall das Wachstum immer zum eigenen Wohle und zum Gesamtwohl zugleich.

 

Coach Nina Kalmund mit roten High Heels

 

Sie selbst haben in Ihrem Leben auch einen großen Wandlungsprozess durchlaufen. Wie kam es zum Wechsel von der erfolgreichen Architektin zum internationalen Speaker und Coach?

Kalmund: Ich habe viele große Wandlungsprozesse durchlaufen und dennoch hoffe ich, dass ich erst am Anfang stehe! … 🙂

Bezüglich dieser spezifischen Entwicklung: Ich war schon immer gesegnet mit einer großen Freude am Leben und dem großen Verlangen, noch mehr über das Leben zu erfahren.

Ich lese circa 50 Bücher pro Jahr und bilde mich stetig weiter, sei es in der Philosophie, der Positiven Psychologie, in den Neurowissenschaften, in vielfältigen Gesundheitsthemen und in vielem mehr. Und habe dabei den Anspruch, immer am Puls der Zeit zu sein und von den Allerbesten zu lernen. Dafür reise ich sehr viel um die Welt.

Ich habe irgendwann gemerkt, dass andere Menschen durchaus von meiner Leidenschaft mit profitieren können. Das ist also das was ich als Speaker und Coach mache: Meine Leidenschaft für das gute Leben teilen.

Dass ich stetig von den führenden Persönlichkeiten der Welt ausgebildet und re-zertifiziert werde, hilft dabei sicherzustellen, dass meine Leidenschaft qualitativ auf einem gewissen Niveau angesiedelt ist.

Sie sagen, Sie sind von ihrer Veranlagung her ein introvertierter Mensch. Bei Ihren öffentlichen Auftritten wirken Sie dagegen sehr extrovertiert. Wie gelingt Ihnen dieser Wandel? Was sind Ihre wichtigsten Tipps für introvertierte Menschen, die mehr nach außen gehen wollen, sich bisher aber nicht trauen?

Kalmund: Letztendlich ist alles im Leben ein Entschluss: Ich kann beschließen zu bleiben, wie ich bin. Die Frage ist nur, ob mich dies meinen Zielen näher bringt oder nicht.

Mein natürlicher Drang ist vielleicht mich eher zurückzuziehen, alleine zu sein und das Außen zu scheuen. Ich bin schüchtern und auf Andere zuzugehen, kostet mich Kraft. Das ist im Ursprung meine Veranlagung.

Doch wichtiger als diese Scheu ist mein dringender Wunsch, dem Geschenk des Lebens die richtige Ehre zu erweisen. Dies mache ich aus meiner Sicht nur, wenn ich meine Möglichkeiten nutze, um einen Beitrag in dieser Welt zu leisten. Indem ich meine Erkenntnisse und Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen anderen Menschen zur Verfügung stelle.

Dieses Bewusstsein und dieses Gefühl der Verantwortung hilft mir an vielen Stellen, meine inneren Widerstände zu überwinden. Und wie immer, wenn man mutig ist, wird man vom Leben reich beschenkt.

Ich liebe die Ruhe und das Alleinsein. Und dennoch liebe ich den Austausch mit anderen Menschen und fühle mich beglückt, beseelt, bereichert und beschenkt, nach einem anregenden Gespräch.

 

– Anzeige / Datenschutz – 

„The anagram of god is dog – Die sieben Geheimnisse für ein wahrhaftig gutes Leben“ von Nina Kalmund

 

2016 haben Sie Ihr Buch „The anagram of god is dog – Die sieben Geheimnisse für ein wahrhaftig gutes Leben“ veröffentlicht. Was war der Anlass dafür, worum geht es?

Kalmund: Meine Familie wurde vor einigen Jahren von einem schweren Schicksalsschlag getroffen. Dies hat mir komplett den Boden unter den Füßen weggezogen und ich hatte damals das verloren, was mich im Grunde meines Seins ausmacht: Meine Liebe zum Leben.

Schließlich hat mich ein Hund aus diesem „dunklen Tunnel“ gerettet und mich langsam Schritt für Schritt an die Geheimnisse des Lebens erinnert.

Egal wie stark, kraftvoll, zäh, unabhängig und furchtlos ich immer gewesen war, meine damalige Sorge war so groß, die Verantwortung so erdrückend und die Aussicht so dunkel, dass ich nicht sicher sagen kann, ob ich es ohne die bedingungslose Liebe und Treue meines Hundes geschafft hätte.

In dem Buch geht es daher auch weit weniger um einen Hund, als um das Leben selbst. Die Fragen die wir uns alle oft stellen, sind doch genau die: „Wie kann ich ein wahrhaft gutes Leben leben? Was gehört dazu? Was macht es aus? Und vor allem: Wie komme ich dahin?“

Es sind sieben Geheimnisse: Wenn wir diese kennen und in unserem Leben anwenden, dann können wir wahrhaftig gut leben.

Zum Titel: „Gott“ ist für mich persönlich ein anderes Wort für das „Leben“. Und im Englischen sind „God“ und „Dog“ effektiv ein Anagramm.

Wie sieht Ihre Arbeit als internationale Speaker und Coach aus?

Kalmund: Seit März 2020 deutlich anders! Bislang bedeutete es, dass ich unendlich viel gereist bin, da ich im Normalfall sehr viel in den USA tätig bin und dort bei großen internationalen Business-Konferenzen Vorträge halte. Oder z.B. im Rahmen von sehr exklusiven Business Mastermind-Veranstaltungen als Coach tätig bin.

Doch es sind weiterhin alle großen Konferenzen und Reisen in diesem Jahr abgesagt. Daher hat sich so einiges meiner Tätigkeit zurück nach Deutschland verlagert, was mir wiederum ganz neue Möglichkeiten hier eröffnet.

Gerade eben bin ich als Teil meiner gemeinnützigen Tätigkeiten zur Präsidentin des Deutsch-Indischen Business Council des Women’s Indian Chamber of Commerce and Industry ernannt worden. Ich war im vergangenen November als Rednerin beim Women Economic Forum in London eingeladen und bin dort mit dem Preis „Iconic Woman – Creating a better World for All“ ausgezeichnet worden. Dies hat mir wieder weitere Tore geöffnet.

Und da es nur sehr wenige zertifizierte High Performance Coaches weltweit gibt – und nur genau eine Hand voll in Deutschland –, ist die Nachfrage hierzulande sehr hoch. Immer mehr Unternehmer und Führungskräfte verstehen, dass es an ihnen liegt, die Zukunft und den Erfolg zu gestalten, statt von der Zukunft überrollt zu werden.

Zukunft zu gestalten ist genau meine Spezialität: Das was ich jahrelang sehr erfolgreich international als Architektin gemacht habe, mache ich jetzt für Unternehmer und Führungskräfte als High Performance Coach und auch als Strategieberaterin.

 

Coach Nina Kalmund auf der Bühne, Speaker

 

 

Was ist für Sie persönlich der Sinn des Lebens?

Kalmund: Für mich ist der Sinn des Lebens gleichbedeutend mit meiner persönlichen Definition von Erfolg: Das meiste aus meinem Potenzial zu machen. Ich hoffe es ist noch ein weiter Weg!

Das Interview führte Markus Hofelich.

Weitere Informationen unter: Instagram @ninakalmund 
Bilder: Nina Kalmund

 

– Anzeige / Datenschutz – 

Das könnte Sie auch interessieren ...