InterviewsPhilosophie

Interview mit Thomas Biller, „School of Life“: „Good ideas for everyday life“

31. Oktober 2016 0 comments
Interview mit Thomas Biller, „School of Life“

„Good ideas for everyday life“ ist das Motto der Bildungseinrichtung „School of Life“, die im April 2016 in Berlin ihre Pforten öffnete. Sie ist die erste deutsche Dependance der vom britisch-schweizerischen Philosophen und Bestsellerautor Alain de Botton im Jahr 2008 in London gegründeten „School of Life“. Auf dem Programm stehen Kurse, Workshops und Events, die große philosophische Theorien mit aktueller Psychologie und Coaching verbinden. Im Interview mit SinndesLebens24 spricht Thomas Biller, Geschäftsführer des Berliner Standortes, über die besondere Philosophie hinter der „School of Life“ und zieht ein erstes Zwischenfazit. 

Herr Biller, welche Philosophie steckt hinter der „School of Life“?

Biller: Die Idee, das zu vermitteln, was man an Schulen und in Universitäten nicht gelernt hat: wie man ein gutes und erfülltes Leben führt. Wir häufen an den Universitäten sehr viel akademisches Wissen an, aber ganz entscheidende Aspekte des Lebens werden nicht vermittelt: wie man eine glückliche Beziehung führt, ein positives Verhältnis zur Arbeit entwickelt und wie wir mit unseren Emotionen umgehen. Dieser Aufgabe hat sich die „School of Life“, frei von jeder Ideologie, angenommen.

Was ist Ihr USP? Wie grenzen Sie sich vor allem von ähnlichen Angeboten ab?

Biller: Ich denke, die kompakte Form, in der wir alle wesentlichen Fragen des Lebens an einem Ort behandeln, ist einzigartig. Zum einen sind wir interdisziplinär und bedienen uns bei der Beantwortung dieser Fragen hilfreicher Ideen aus 3.000 Jahren Kulturgeschichte: aus Philosophie, Psychologie, Psychoanalyse, Literatur und Kunst. Zum anderen legen wir viel Wert auf Interaktion und gegenseitigen Austausch. Wir bieten die Gelegenheit, dass die Seminar-Teilnehmer in Kontakt zueinander kommen und ihre Lebenserfahrung miteinander teilen können.

Interview mit Thomas Biller, „School of Life“ Berlin

Sie haben Literatur, Philosophie und Filmwissenschaften studiert, waren Inhaber zweier Fernsehproduktionsfirmen und sind ausgebildeter Koch und Patissier. Wie kamen Sie auf die Idee, die „School of Life“ in Berlin als Geschäftsführer zu leiten?

Biller: Die Philosophie, also die Ergründung unserer Lebenswelt, hat mich seit jeher fasziniert. Zunächst habe ich mich aber ins praktische Leben geworfen und nach Ende meines Studiums eine eigene Fernsehproduktionsfirma gegründet.1999 folgte eine zweite Firma in Berlin. 2011 habe ich beschlossen, den Medienbetrieb hinter mir zu lassen und überlegt, was ich mit dem Rest meines Lebens anfangen möchte. Ich hatte schon immer eine große Affinität zur Gastronomie und habe in London erst mal die Kochschule „Le Cordon Bleu“ besucht. In dieser Zeit habe ich die „School of Life“ kennengelernt – und in der Eröffnung der ersten deutschen Dependance meine neue Berufung gefunden. So konnte ich an mein ursprüngliches Interesse für Philosophie wieder anknüpfen. Ich schätze meine Aufgabe sehr und habe jeden Tag mit interessanten Menschen und vielen spannenden Themen zu tun.

Wie wird das Angebot seit dem Start im Frühjahr angenommen? Welches erste Zwischenfazit ziehen Sie?

Biller: Mit den Teilnehmerzahlen sind wir sehr zufrieden, sie treffen unsere Erwartungen. Seit September bieten wir nun zwölf Veranstaltungen pro Monat an. Im nächsten Jahr werden wir unser Angebot sukzessive weiter ausbauen. Vor allem soll es mehr Tagesworkshops geben, die wir gerade gestartet haben. Außerdem planen wir auch größere Veranstaltungen mit bekannten Philosophen und Autoren. Gute Hoffnung für die mittel- und langfristige Entwicklung gibt uns das äußerst positive Feedback unserer Kursteilnehmer. Die Weiterempfehlungsrate für unsere Kurse liegt bei über 95 %.

Ihr Angebot besteht aus How-to-Kursen, Tagesworkshops oder Special Events. Was zeichnet die einzelnen Formate aus?

Biller: In unseren How-to-Seminaren stehen die großen Themen des Lebens im Mittelpunkt und wie wir im Alltag besser mit ihnen umgehen können: Arbeit, Freundschaft, Beziehung, persönliche Entwicklung.. Sie vermitteln neue Perspektiven und praktische Lebenshilfe. Es gibt immer eine kleine theoretische Einführung, dann geht es in die Praxis und in den Austausch mit den anderen Teilnehmern. Am Ende kann jeder etwas für sich daraus in sein eigenes Leben mitnehmen. Die Tagesworkshops sind ähnlich aufgebaut, dabei geht es jedoch noch mehr in die Tiefe. Bei den Special Events laden wir Experten, Autoren und Coaches ein, mit ihren eigenen Formaten aufzutreten. Insgesamt wollen wir hilfreiche Denkanstöße geben und dazu inspirieren, einen neuen Blickwinkel einzunehmen. Die Atmosphäre in unseren Seminaren ist sehr offen, undogmatisch und vertrauensvoll – und es wird auch oft gemeinsam gelacht.

 „School of Life“ Berlin

Welchen Ansatz verfolgt das „Studio Philosophie“?

Biller: Das Studio Philosophie haben wir zusammen mit dem Philosophen David Lauer entwickelt. Hier geht es weniger darum, Wissen nach einem festen Schema zu vermitteln, sondern vielmehr um das Philosophieren an sich. Anhand eines Philosophen und eines Textausschnittes mit dessen zentralen Thesen werden grundlegende Lebensfragen behandelt, zum Beispiel „Albert Camus und der Sinn des Lebens“. Die Teilnehmer setzen sich im philosophischen Gespräch mit diesen Thesen auseinander, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und sich diese vor allem selbst zu erarbeiten. Das nehmen die Leute gerne an. Weitere Themen sind etwa „Aristoteles – die Wurzeln der Freundschaft“ oder „Sartre – Wer bin ich?“.

Welche Themen und Seminare werden bisher am stärksten nachgefragt?

Biller: Die wichtigsten Schwerpunkte bilden die drei Bereiche Liebe und Beziehung, Arbeit und Persönlichkeitsentwicklung. In jedem Segment gibt es Seminare, die am stärksten nachgefragt werden: „Den Job finden, der zu mir passt“ spricht offensichtlich ein großes Bedürfnis an. Weitere Spitzenreiter sind die How-to-Kurse „Mein persönliches Potenzial verwirklichen“, „Selbstvertrauen entwickeln“, und „Wie die Liebe lebendig bleibt“. Künftig werden wir insbesondere die Programminhalte rund um den beruflichen Alltag weiter ausbauen, hier sehen wir eine großes Bedürfnis.

Welchen Background haben die Dozenten?

Biller: Als Grundlage verfügen die Dozenten natürlich über eine fundierte fachliche Ausbildung, als studierte Psychologen, Soziologen oder Philosophen. Darüber hinaus bringt jeder Dozent noch einen höchst unterschiedlichen beruflichen Background und individuelle Lebenserfahrung mit ein, was die Kurse sehr bereichert. So ist etwa unsere Dozentin Michele Gauler nicht nur Psychologin. Sie hat am Royal College of Art in London Design studiert, ihre Arbeit im MoMA in New York ausgestellt und außerdem für IBM in der Software-Entwicklung gearbeitet. Ein anderer Dozent ist Psychologe und Moderator bei einem Berliner Radiosender. Das zeigt, unsere Kursleiter sind keine rein akademischen Wissensvermittler, sondern sie bringen auch viel praktische Lebenserfahrung mit ein und vermitteln einen Blick über den fachlichen Tellerrand hinaus.

Welche Zielgruppe sprechen Sie vor allem an? Welche Menschen haben bisher an den Kursen teilgenommen?

Biller: Grundsätzlich sprechen wir jeden an, der sich für die wichtigen Fragen des Lebens interessiert. Entsprechend groß ist die Bandbreite unserer Teilnehmer. Insgesamt können wir einen leichten Frauenüberschuss feststellen, aber das hängt auch von den Themen ab. Männer interessieren sich stärker für Arbeit, Frauen mehr für Persönlichkeitsentwicklung. Beim Alter der Teilnehmer liegt der Schwerpunkt zwischen 25 und 40 Jahren.

Gibt es Angebote für interessierte Menschen, die nicht in Berlin wohnen, wie etwa Online-Kurse?

Biller: Wir haben uns ganz bewusst für Präsenz- und nicht für Online-Kurse entschieden, weil wir der Überzeugung sind, dass die persönliche Begegnung der Teilnehmer untereinander mit dazugehört. Gerade der Austausch und die persönlichen Kontakte sind für unsere Klientel sehr wichtig. Wir haben jedoch auch ein Online-Angebot auf unserer Website. Dort teilen wir viele Inhalte kostenlos, z.B. das „Book of Life“ oder YouTube-Filme, die von unserer Londoner Zentrale in englischer Sprache produziert werden. Stück für Stück bieten wir diese Inhalte auch auf Deutsch übersetzt oder untertitelt an.

Wie sehen Sie sich preislich positioniert?

Biller: Verglichen mit klassischen Fortbildungs- oder Coaching-Angeboten liegen wir bei einem sehr fairen Preis. Der Großteil der How-to-Kurse und Kurzseminare kostet 39,50 Euro, das sind in der Regel drei Stunden am Abend. Die Tagesworkshops kosten 120 Euro. Größere Veranstaltungen, wie beispielweise Vorträge, sind günstiger.

 „School of Life“ Berlin

Sind weitere „School of Life“-Ableger in Deutschland geplant?

Biller: Wir haben auf jeden Fall vor, mittelfristig noch weitere Standorte in Deutschland zu erschließen. Aber zunächst liegt unser Schwerpunkt hier in Berlin und unser Ziel ist es zunächst, den ganz eigenen Ansatz der „School of Life“ in Deutschland bekannter zu machen..

Was ist ihr ganz persönlicher Sinn des Lebens?

Biller: Das ist eine gute Frage, die ich adhoc gar nicht beantworten kann. Außer vielleicht, dass der Sinn des Lebens das Leben selbst ist. Meine Erkenntnis der letzten Jahre ist, dass es für mich keinen abstrakten Sinn des Lebens gibt. Ich versuche jeden Tag, das Leben einfach so zu nehmen, wie es kommt, und möchte mir auch nicht mehr so viele Gedanken darüber machen, was in der Zukunft sein wird. In meiner Zeit als Fernsehproduzent war ich sehr ehrgeizig und hatte sehr viele Pläne. Heute achte ich mehr darauf, dass der Moment stimmig ist und alle Menschen, die mir wichtig sind, wie zum Beispiel meine Kinder, ihren Platz in meinem Leben finden.

Herr Biller, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.

Weitere Informationen unter: www.theschooloflife.com/berlin/

Bilder: The School of Life, Katharina Nobis

 

 

Das könnte Sie auch interessieren ...

Hinterlassen Sie einen Kommentar