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Interview mit Paul Johannes Baumgartner: „Die Macht der Stimme“

12. Juni 2017 0 comments
Interview mit Paul Johannes Baumgartner: „Die Macht der Stimme“

Egal, ob wir wollen oder nicht: Die Macht der Stimme beeinflusst genauso wie die Körpersprache und das Auftreten ganz erheblich unsere Wirkung auf andere Menschen. Der Radiomoderator Paul Johannes Baumgartner ist ausgesprochener Experte auf diesem Gebiet, die Stimme sein wichtigstes Handwerkszeug. Seit mehr als 20 Jahren begeistert er bei Antenne Bayern, Deutschlands erfolgreichstem Radiosender, ein Millionenpublikum. Außerdem gibt er seinen Erfahrungsschatz in Seminaren, als charismatischer Keynote-Speaker und Buchautor an andere Menschen weiter. Im Interview mit SinndesLebens24 zeigt er auf, wie wir die Macht über unsere Stimme selbst in die Hand nehmen und unsere Ausstrahlung verbessern können und wie das Sprechen in der richtigen Tonlage sogar unser Selbstbewusstsein stärkt.

Herr Baumgartner, welche Bedeutung kommt der Stimme bei unserer Wirkung auf andere Menschen zu? Warum kommt es nicht nur darauf an, was man sagt, sondern auch, wie man es sagt?

Baumgartner: Das Ergebnis unserer Kommunikation ist Wirkung. Und wenn wir uns die Faktoren mal anschauen, von denen unsere Wirkung abhängt, dann ist das alles doch recht überschaubar: Wir benutzen Worte, eine Körpersprache und für die Vermittlung unserer Botschaften verwenden wir unsere Stimme. Und die Stimme ist es letzten Endes, die im Raum stehen bleibt und Stimmung erzeugt.

Ich erzähle immer wieder gerne das Beispiel vom Gewitter. Erst blitzt es, dann donnert es und erst das Geräusch des Donners macht das ganze Spektakel zu etwas Mächtigem, vielleicht sogar Furchteinflößendem. Wäre Donner lautlos, blieben wir gänzlich unbeeindruckt und das Gewitter hätte keine Auswirkungen auf unsere Reaktion.

 

2 Interview mit Paul Johannes Baumgartner: „Die Macht der Stimme“

Was macht eine Stimme bei Männern und Frauen eher sympathisch, attraktiv, charismatisch oder erfolgreich?

Baumgartner: Es sind immer die üblichen sechs Verdächtigen: Richtiges Sprechtempo, Pausen, die richtige Lautstärke, Betonung, Artikulation und eine angenehme Satzmelodie. Menschen, die diese Klaviatur beherrschen, hört man gerne zu. So entsteht Charisma.

Welche Sprechlagen finden wir eher langweilig, unbedeutend oder negativ?

Baumgartner: Alles, was monoton klingt, törnt ab. Wer leise spricht, fällt hinten runter und wer nuschelt, wird nicht verstanden. Die Klassiker. Viele haben aber gar nicht auf dem Schirm, wie wichtig die menschliche Stimme für den persönlichen Erfolg ist.

Mit ihr kann man Aufmerksamkeit erzeugen. Man muss sich das immer wieder vor Augen führen: Die Engländer sagen „to pay attention“. Aufmerksamkeit ist also eine wertvolle Währung, die man nicht einfach mal so eben geschenkt bekommt.

Kann man denn daran überhaupt etwas ändern, um positiver zu wirken?

Baumgartner: Die Stimme kann man trainieren wie eine Sportart. Oder ein Musikinstrument. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich komme aus einem kleinen Dorf im tiefsten Bayerischen Wald. Da standen jetzt die Disziplinen Kommunikation und Stimmbildung nicht unbedingt ganz oben auf der Prioritätenliste. Alles kein Hexenwerk.

Wie kann man eigene Schwächen abbauen und Stärken ausbauen? Gibt es ein paar Grundregeln, wie man seine eigene Stimme besser und positiver nutzen kann?

Baumgartner: Wichtig ist die richtige Atmung. Nur wenn unser Atem frei strömt, kann sich unsere Stimme optimal entfalten. Wer also Yoga macht und bereits die Zwerchfellatmung beherrscht, ist schon mal im Vorteil. Dann: Mimik und Körpersprache. Sie sind der Turbo für die menschliche Stimme.

Wenn körpersprachlich nichts passiert, passiert auch stimmlich nichts. Wenn ich bei einer Rede dastehe wie Modell „Nasser Regenwurm“, dann klingt meine Stimme auch wie Modell „Nasser Regenwurm“. Bereits ein kleines Lächeln verändert die Stimme, es entstehen sogenannte Obertöne und die sorgen dafür, dass wir als sympathisch und vertrauenswürdig empfunden werden.

 

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Jede Stimme ist einzigartig, individuell und Ausdruck unserer Persönlichkeit. Wie kann der Spagat gelingen, unsere Wirkung auf andere durch die Veränderung der Stimme zu verbessern, ohne dabei gekünstelt zu wirken? Wie wichtig ist es dabei, authentisch zu bleiben?

Baumgartner: Naja, das wäre jetzt dasselbe, wie wenn man zu einem Sportler, der gerne ein bisschen besser werden möchte, sagen würde „Mensch, musst Du denn unbedingt trainieren? Du bist doch auch so ein feiner Mensch“.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Was man beim Stimmtraining macht ist, das Instrument „Stimme“ zu perfektionieren. Und dass bei allem Hokuspokus der Mensch authentisch bleiben muss, steht ja sowieso außer Frage.

Auch im Beruf spielt die Stimme eine wichtige Rolle. Sie sagen, erfolgreiche Führungskräfte führen mit ihrer Stimme. Sie signalisiert Souveränität, Kompetenz und Zuversicht. Oft entscheidet in Präsentationen, Meetings und Verhandlungen der Stimmklang über die Wirkung der Botschaft. Was zeichnet eine erfolgreiche Stimme im Beruf aus?

Baumgartner: Es ist wissenschaftlich belegt: Wähler bevorzugen Kandidaten mit tiefen Stimmen und wer tiefe Töne von sich gibt, der hat bessere Chancen auf Managerposten. In einer ziemlich spannenden Studie fanden Wissenschaftler der University of Miami  heraus: Sowohl Männer als auch Frauen bevorzugen bei Führungskräften sonore Klänge – egal ob es sich dabei um männliche oder weibliche handelt. Tiefe, kräftige Stimmen bedeuten in der Wahrnehmung immer Dominanz und Kompetenz, während hohe Stimmen oft als unangenehm empfunden werden.

 

Paul J. Baumgartner 01

Welche Tipps können Sie für einen souveränen Stimmklang geben?

Baumgartner: Es gibt eine schöne, einfache Stimmroutine, mit der man innerhalb von drei Minuten die Stimme entscheidend klanglich nach vorne bringt. Gerade vor wichtigen Gesprächen, Präsentationen oder Verhandlungen ist das eine super effektive Sache. So geht´s:

 Stufe 1: Die Grundlage schaffen

Testen Sie, ob Ihr Unterkiefer verspannt oder angespannt ist. Beim Sprechen sollte er locker sein. Bei Verspannung hilft es, den Unterkiefer zu massieren und die Wangen mit den Händen fest nach unten zu streichen.

Stufe 2: Am Resonanzraum arbeiten

Wischen Sie den Mundraum mit der Zunge aus. Dann summen Sie zum ersten Mal. Legen Sie dafür Ihre Lippen locker aufeinander und formen Sie einen „Mmmhhh“-Ton. Der Körper muss vibrieren. Dann fängt die Stimme langsam an zu klingen. Danach wischen Sie den Mundraum mit der Zunge ein zweites Mal aus und summen erneut.

Stufe 3: An der Artikulation arbeiten

Beobachten Sie, inwieweit sich Ihre Lippen beim Sprechen öffnen. Wie weit sind die Zähne beim Sprechen auseinander? Tipp: Spitzen Sie die Lippen und pfeifen Sie ein Lied oder wiederholen Sie mehrfach Sätze wie zum Beispiel: „Der klappernde Papagei plapperte auf Galapagos“ oder „Brrrrr“.

Stufe 4: An Vokalen arbeiten

Die Vokale sind in der deutschen Sprache das Salz in der Suppe, denn sie formen die Obertöne. Das erzeugt einen angenehmen Stimmklang. Tipp: Üben Sie die Aussprache der Vokale mit Hilfssätzen wie „Gila Gala Gila Gala…“, „Nie sah ich die Nasa so nah“, „Sina Sana Sina Sana“ oder „Nisa Nasa Nisa Nasa“.

Stufe 5: Endkontrolle

Machen Sie noch einmal „Mmmhhh“. Vibrieren Ihre Lippen, der Mund, die Nasenspitze, die Brust, das Brustbein? Wenn alles vibriert, haben Sie alles richtig gemacht und Ihre Stimme optimal auf den Tag oder die Präsentation vorbereitet.

Welche Wirkung haben Tempo und Lautstärke beim Sprechen?

Baumgartner: Zu schnelles Sprechen kann interpretiert werden als: Da ist jemand nervös. Er hat Lampenfieber, Angst und er ist unsicher. Schnellsprecher überfordern ihr Gegenüber, Langsamsprecher hingegen schläfern ihr Gegenüber ein. Ein gutes, angenehmes Sprechtempo, also ca. 140 Wörter pro Minute, bedeutet: Da ist jemand selbstsicher, er ruht in sich, er ist entspannt, er nimmt sich Zeit, Wichtiges zu betonen, er drückt etwas Bemerkenswertes aus.

Barack Obama war da sehr gut. Und zum Thema Lautstärke und Wirkung: Wenn man laut spricht, wird die Stimme höher, kreischend – man verliert Wirkung. Laut sprechen ist zudem körperlich anstrengend. Mein Tipp, wenn man vor größeren Menschenmengen sprechen muss: Ab 20 Personen oder 30 qm Raumgröße unbedingt ein Mikrofon zur Unterstützung verwenden.

 

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Was ist das Geheimnis von „Hot Words“ und wie kann ich sie erfolgreich einsetzen?

Baumgartner: Begeisternde Kommunikation zeichnet sich aus durch Klarheit. Je einfacher und logischer eine Botschaft klingt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir unser Gegenüber damit begeistern können. Wenn wir jetzt auch noch dazu übergehen, in diese kurzen Botschaften sogenannte „Hot Words“, also positiv emotional besetzte Wörter einzubauen, dann verstärken wir noch einmal die Wirkung.

Schauen Sie, das menschliche Gehirn funktioniert wie Google, wobei diese Erkenntnis ein Unding ist, denn das menschliche Gehirn gab es bereits weit vor Google. Egal. Wenn Sie also bei Google einen Suchbegriff eingeben und Sie drücken daraufhin die Returntaste, dann erhalten Sie ein Ergebnis. Konkret: Informationen, Assoziationen, Farben und Bilder.

Genauso verhält es sich beim menschlichen Gehirn. Es bekommt einen Begriff und versucht automatisch, dazu einen Zustand, eine Emotion, eine Erfahrung herzustellen. Es findet also ein permanentes „Matching“ statt zwischen „Was habe ich gerade eben gehört?“ und „Welches Gefühl habe ich zu dem Gehörten?“.

Daher verstärken bewusst eingesetzte positive Wörter wie Spaß, Freude, Liebe, Harmonie, Erfüllung, Freiheit, Hoffnung, Stärke, Ehrlichkeit, Begeisterung, etc., die Wirkung. Unabhängig davon kann das Gehirn besser emotionale Wörter abspeichern als neutrale. Das heißt, es registriert, verarbeitet und verankert Wörter mit einer emotionalen Bedeutung sehr viel schneller als neutrale Wörter.

Sie sagen, die Stimme beeinflusst nicht nur unsere Wirkung auf andere, sondern auch auf uns selbst. Wie kann ich etwa durch das Sprechen in einer bestimmten Tonlage mein Selbstbewusstsein stärken?

Baumgartner: Wenn Ihre Stimme gut klingt, werden Sie den positiven Effekt nicht nur bei Ihren Zuhörern feststellen können, sondern auch bei sich selbst. Sprechen ist ja eine ziemlich körperliche Sache. Man kann sich auch in einen Rausch sprechen. Wenn Sie gleich zu Beginn Ihrer Rede oder Präsentation ein bisschen in sich reinhören und feststellen dürfen, dass Ihre Stimme kräftig, tief, souverän, sympathisch und vertrauenswürdig klingt, dann stärkt das automatisch Ihr Selbstbewusstein.

Worum geht es in Ihrem Buch „Das Geheimnis der Begeisterung: Mehr Leidenschaft. Mehr Umsatz. Mehr Erfolg.“?

Baumgartner: Es geht in dem Buch um Begeisterung als erfüllende Quelle für einen selbst. Ohne Begeisterung wäre nie Großes zustande gebracht worden. Begeisterung als Triebfeder für Höchstleistung. Begeisterung als zentrales energetisches Momentum in Unternehmen. Kundenbegeisterung, Mitarbeiterbegeisterung, Sich-selbst-Begeisterung.

 

PJB Seminare, Stimme

Welche Seminare und Kurse bieten Sie für welche Zielgruppen an? Was kann man dabei lernen?

Baumgartner: Vertriebsleute, Führungskräfte und Unternehmer haben am meisten Freude am Thema „Vom Kunden zum Fan“. Danach kommen sie in aller Regel zu mir in „Die Macht der Stimme“ und treffen dort auf Menschen, die generell bei ihrer Performance noch das Tüpfelchen auf das „i“ setzen und am feinen Hauch der Extraklasse arbeiten wollen.

Und die meisten Teilnehmer nehmen dann auch noch das dritte Thema „Das Feuer in anderen entzünden“ mit und erfahren dort ein für alle Mal, wie sie mit ziemlich einfachen Mitteln Menschen bei Präsentationen, Vorträgen und Ansprachen begeistern und für sich gewinnen können.

Was ist Ihr ganz persönlicher Sinn des Lebens? Was treibt Sie an?

Baumgartner: Da muss ich nicht lange nachdenken. Bei mir ist es immer der Spaß, der mich antreibt. Showmaster Harald Schmidt hat mal vor Schülern gesagt: „Ihr müsst den Spaß dort rausziehen, wo er gar nicht vorgesehen ist“. Je größer und je schwieriger eine Aufgabe, ein Vortrag oder ein Seminar ist und je mehr Spaß ich trotzdem dabei habe, desto glücklicher bin ich hinterher.

Das Interview führte Markus Hofelich.

Weitere Informationen unter: www.pauljohannesbaumgartner.de

Bilder: Paul Johannes Baumgartner / Gabal Verlag / Amazon

 

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