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Interview mit Steffi Schroeter: „Die Weisheit der Wale: Wie uns die Giganten der Meere zu mehr Tiefe führen“

17. August 2018 1 Comment
Steffi Schroeter, Die Weisheit der Wale

Was wir von den größten Wesen der Ozeane über unser Leben lernen können steht im Mittelpunkt des biografischen Ratgebers von Steffi Schroeter „Die Weisheit der Wale: Wie uns die Giganten der Meere zu mehr Tiefe führen“. 2006 gab die PR- und Marketingberaterin ihren fest Job auf, um mit ihrer Familie auf die dänische Insel Bornholm auszuwandern. Dort am Meer geht sie ihrer lebenslangen Sehnsucht nach, wird „Walforscherin im Herzen“ und reist zu den Orca-, Buckel- und Pottwalen nach Norwegen. Als Naturcoach macht Steffi Schroeter Menschen Mut, wieder Zugang zu ihrer inneren Tiefe und einen erfüllenden Weg durchs Leben zu finden. Im Interview spricht sie darüber, was wir von der Weisheit der Wale lernen können, wie sie es geschafft hat, ihren Kindheitstraum zu verwirklichen und wie wir Kraft in der Natur finden.

Frau Schroeter, wie kamen Sie auf die Idee, einen autobiografischen Ratgeber über die Weisheit der Wale zu schreiben? Worum geht es im Kern?

Schroeter: Das war nicht geplant, sondern das Buch ist sozusagen zu mir gekommen. Auf meiner Reise auf die Vesterålen in Nord Norwegen bin ich den Pottwalen begegnet. Ein stattlicher Pottwal hat mich besonders berührt und ich habe auf dem Boot und in der Zeit danach immer das Bild des mächtigen Wales, der nur kurz zum Atmen an die Wasseroberfläche kommt und dann wieder mit seiner imposanten Fluke auf unbestimmte Zeit in die Tiefe abtaucht, in mir gehabt.

Und damit verbunden die Frage, wie oft und wie lange ich eigentlich an der Oberfläche in meinem Leben bin und wie oft und wie lange in der Tiefe. Ich war zu dieser Zeit komplett „offline“, für niemanden per Telefon, Handy oder PC zu erreichen. Nord Norwegen, die Mitternachtssonne und die Wale haben einen tiefen Eindruck in mir hinterlassen.

Im Urlaub fing ich an, darüber zu schreiben und nach der Rückkehr sind die ersten Seiten des Buches entstanden, auf denen ich einfach meiner Sehnsucht nach dem Abtauchen Ausdruck verleihe, nachdem ich gerade wieder in die „Zivilisation” und den Alltag zurückgekehrt war.

Ja, und darum geht es im Kern: Um unsere Sehnsucht nach dem Abtauchen, um dort in der Stille und der Zurückgezogenheit wieder Kraft zu tanken und zu sich zu kommen. Der lärmenden „Oberfläche“ unseres Lebens und der Gesellschaft einfach mal zu entschwinden, um mit sich, mit den eigenen Gefühlen, Träumen und auch manchmal mit seinen Ängsten in Kontakt zu kommen.

Es geht um die Sehnsucht nach dem Ankommen bei sich selbst, um den eigenen inneren Kern. Und um die Sehnsucht, die eigene Spur im Leben zu finden, so wie die Wale den Weg durch die Weltmeere kennen, und damit Klarheit und Führung für das eigenen Leben. All das findet man nicht an der Oberfläche, im Außen, sondern in der Tiefe – dort wo wir uns selber berühren und mit und allem anderen verbunden sind.

 

 

Was fasziniert Sie seit Ihrer Kindheit an der Welt der Wale?

 Schroeter: Ich habe immer schon eine große Demut empfunden, wenn ich Bilder von Walen gesehen habe. Ich war vor allem von den großen Walen beeindruckt, wie dem Blauwal und dem Pottwal. Sie haben mich in Büchern und Filmen magisch angezogen. Und jedes Mal, wenn ich am Meer war, dachte ich, dass da draußen große Wale schwimmen. Ich sah sie nicht, war aber davon überzeugt, dass meine Freunde da draußen sind. Es war wie bei allen Kindern, die sich ganz natürlich mit Tieren oder manchmal auch mit Fabelwesen verbunden fühlen. Bei mir waren es eben kein Pferd oder Einhorn, sondern Wale.

Und einmal als 20-Jährige habe ich bei einem Auslandssemester in Barcelona im Zoo einen Orca in einem zylinderförmigen Becken gesehen. Ich sah ihm in die Augen und sah und fühlte sein Leid. Dieses Bild trage ich bis heute in mir.

Ihr Kindheitswunsch war es, gerne Walforscherin oder zumindest Tierpflegerin zu werden. Stattdessen haben Sie sich nach dem Abitur dazu entschieden, etwas „Ordentliches“ zu machen, haben Politologie studiert und wurden PR-und Marketingberaterin. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie etwas ändern müssen?

Schroeter: Eigentlich schon sehr früh, und zwar immer dann, wenn ich aus meinem Büro sehnsüchtig nach draußen geschaut und mich nach dem Meer gesehnt habe. Im Studium habe ich in Kiel gewohnt, am Meer. Ich bin gesurft, fühlte mich freier und mehr mit den Elementen verbunden. Doch sobald ich mit 24 Jahren meine Karriere als PR-Beraterin in Hamburg begonnen habe, fühlte ich die Unfreiheit und das Eingesperrtsein. Ich habe mich in den Büros, in den Meetings oder in den Konferenzräumen nie Zuhause gefühlt.

 

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Im Jahr 2006 kehrten Sie im Alter von 39 Jahren endgültig der Marketingwelt den Rücken und wanderten mit ihren zwei Söhnen und ihrem Mann auf die dänische Insel Bornholm aus. Was war der Grund dafür? Wie haben Sie den Mut zu diesem weitreichenden Schritt gefunden?

Schroeter: Der Grund war, dass wir uns schlichtweg auf dieser Insel Zuhause gefühlt haben. Beide! Und das vom ersten Moment an! Wir sind noch vor der Geburt unserer Kinder auf Bornholm im Urlaub gewesen und haben damals den Traum gehabt, eines Tages Kinder zu haben, auf der Insel zu leben und Angel-Seminare für gestresste Manager zu geben.

Ich habe damals für so viele Firmenchefs gearbeitet, die ich dringend mal zu so einer Auszeit ans Meer geschickt hätte. Tja, und dann haben wir uns das sozusagen nacheinander erfüllt: Erst die Kinder, dann die Auswanderung und dann die Arbeit mit Menschen am Meer. Den Mut haben wir dadurch gefunden, dass wir unserem Herzen gefolgt sind und nicht den Ängsten oder dem Verstand – zwei Gegenspieler, die einem diese Träume immer ganz schnell wieder ausreden wollen.

Wir waren nur mit unserer Vision verbunden und das hat uns unglaublich viel Energie und Schaffenskraft gegeben. Und durch diesen großen Schritt hat sich Vieles erst ergeben, das ohne die Auswanderung nach Dänemark nicht passiert wäre. So ist es ja im Leben: Man macht eine Tür zu und eine neue Tür geht auf. Und die Auswanderung und Bornholm haben mich verändert. Haben mein Bewusstsein erweitert und mich die Erfahrung machen lassen, das alles im Leben möglich ist – wenn ich mir die richtigen Gedanken mache. UND wenn ich wirklich mache und nicht nur darüber rede, es zu tun.

 

 

Wie hat dieser Schritt Ihr Berufsleben verändert? Was waren die größten Herausforderungen dabei?

Schroeter: Ja, dieser Schritt hat alles verändert. Die PR-Welt habe ich bewusst hinter mir gelassen und mich am Anfang komplett unserem Ankommen in dem neuen Land gewidmet. Neue Sprache lernen, ein Netzwerk aufbauen, Integration in eine neue Gemeinschaft und Kultur. Das war eine wertvolle Erfahrung. Ich war viel mit mir allein am Meer und in der Natur. Und mit der Zeit wurde ich immer mehr vom Berater zum Menschenberater und schließlich zum Naturcoach. Das war nicht geplant, sondern ist sozusagen mit mir passiert.

Indem ich das gemacht habe, was ich von Herzen wollte und wozu ich schlichtweg Lust hatte. Und es war wie ein Zurückkommen zu mir und meinen Gaben. Die größte Herausforderung dabei war zu akzeptieren, dass ich nicht in der neuen Sprache, also auf Dänisch, arbeiten kann, so wie ich es am Anfang gedacht hatte, sondern dass ich mich auf meine Stärken, die deutsche Sprache, besinnen muss. Es war ein Weg der Demut und der Hingabe, ein Weg, das zu tun, was sich leicht anfühlt und nicht gegen Widerstände zu handeln.

Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, im Berufsleben mehr auf die eigene Intuition zu vertrauen und seinen Herzenswünschen zu folgen?

 Schroeter: Es ist für mich der Schlüssel zum Glück, zur Erfüllung. Denn der Beruf soll ja eigentlich Berufung sein. Sprich, welches Talent haben wir mit in die Wiege bekommen, welche Gabe soll gelebt werden? Und da braucht man sich ja nur Kinder anzuschauen. Sie machen intuitiv einfach das, was sie können und was ihnen zufällt. Sie wählen intuitiv ein Spielzeug aus, ein Werkzeug oder Klettern auf einen Baum oder umgeben sich mit Tieren. Sie sind noch sehr verbunden mit ihrem „inneren Kompass“, ihrer Intuition.

Deshalb ist an dem biblischen Spruch „Werdet wieder wie die Kinder“ so viel Wahres dran. Und leider wird uns in unserem Bildungssystem unsere Intuition spätestens mit dem Eintritt in die Schule immer mehr abtrainiert. Wir folgen dem Weg, den andere uns vorgeben, den man vermeintlich gehen „muss“. Doch wir haben immer die Möglichkeit, als Erwachsene wieder zurück auf unsere ganz eigene Spur zu kommen, auch beruflich. Es ist eine Entscheidung, die wir treffen können, wenn wir es wollen.

 

Buchcover Steffi Schroeter_Die Weisheit der Wale

 

Seit fast 10 Jahren bieten Sie auch Coachings für Menschen an, die zu innerer Klarheit finden und dem eigenen Leben eine neue klare Richtung geben möchten. Welchen Ansatz verfolgen Sie dabei? Für wen ist Ihr Angebot geeignet?

Schroeter: Der Ansatz ist der, dass wir keine Antworten im Außen oder bei anderen suchen müssen, sondern alle Antworten in uns haben. Ich führe Frauen in der Natur zu sich selbst. Sie kommen in Kontakt mit ihrem Kern und spüren wieder, wer sie im Ursprung ihrer Seele und ihrer Persönlichkeit wirklich sind.

Also vor dem, als man ihnen gesagt hat, wer sie sein sollen oder müssen. Das hat viel mit Selbstliebe zu tun und mit Ankommen. Bei sich selbst und nicht bei anderen. Die Frauen die zu mir kommen, sind immer sehr erleichtert darüber, dass sie nichts Neues lernen oder anwenden müssen – sondern nur sie selbst sein. Ich lenke die Frauen nicht in irgendeine Richtung, sondern leuchte ihnen sozusagen nur den Weg, den sie selber finden.

Ich bin da, stelle die richtigen Fragen und begleite sie mit sehr viel Empathie und Achtung vor ihrem eigenen Selbst. Daher ist das Angebot für jeden geeignet, der sich selbst kennenlernen und Klarheit und Antworten finden möchte. Für jeden, der mehr Energie und Schaffenskraft in sein Leben bringen möchte und sich mehr Mut, Lebenslust und Visionen wünscht.

Was erfüllt uns wirklich im Leben? Wie findet man Zugang zu seinen wirklichen Bedürfnissen und seinem wahren Selbst?

Schroeter: Uns erfüllt, das zu tun, was uns gut tut, das wobei wir Freude und Glück empfinden. Und das zu tun, was sich leicht anfühlt. Ja, das erstaunt die meisten, denn es herrscht der Irrglaube, dass man sich die Dinge und Erfolge im Leben hart erarbeiten muss. Nein, Leichtigkeit ist der Weg. Alles, was sich leicht anfühlt, ist die Wahrheit, ist der Weg.

In der Leichtigkeit liegt auch die Antwort nach meinen Bedürfnissen. Man muss sich nur eine Liste der Dinge machen, die einem leicht fallen – dann eine Liste der schweren Dinge. Und sich abschließend die Frage stellen, wie viele der schweren oder leichten Dinge ich in meinem Alltag lebe und tue. Darin liegt der Schlüssel zu allem, auch zu unserem wahren Selbst.

 

 

Sie haben sich einen Sommer lang auf eine große Reise zum Nordmeer und der arktischen See begeben und sind in die Welt der Wale eingetaucht. Wie hat die Reise Ihre Sicht auf das Leben verändert?

Schroeter: Diese Schlüsselerlebnisse habe ich in meinem Buch zusammengefasst. Es sind die Erkenntnisse, die ich aus meinen Reisen und den Walbeobachtungen gezogen habe. Wale sind unglaublich empfindsame, kluge und weise Tiere. Sie haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten, ein tiefes Empfinden für sich, ihre Artgenossen und ihre Umwelt und ein hohes Bewusstsein. Sie waren und sind große Lehrer für mich und können das auch für uns Menschen sein.

Die Reisen nach Norwegen zu den Pottwalen, Orcas und Buckelwalen haben mir auch gezeigt, wie schutzbedürftig diese Tiere sind. Wir sind in ihr Element eingedrungen, haben sie erst erbarmungslos gejagt und haben das Meer dann verschmutzt, zerstört und auch durch Lärm teilweise unbewohnbar für sie gemacht. Wenn wir nicht aufwachen, werden wir die Wale, die seit Millionen von Jahren diesen Planten bewohnen, ausrotten.

Was lehrt uns die Welt der Wale über unser Leben? Wie können uns Wale dazu inspirieren, unseren Sehnsüchten nachzuspüren?

Schroeter: Wale sind die ältesten Tiere dieser Erde. Sie gelten in vielen Mythen als Gedächtnis der Welt und werden in vielen Kulturen verehrt. Sie sind souverän und unabhängig und zugleich sehr sozial. Die kommunizieren miteinander über große Entfernungen und leben in engen Familienverbänden. Sie lehren uns all das, wenn wir sie beobachten. Sie können uns ein Spiegel für unser Leben sein. Mich rührt die Einfachheit und die Klarheit, mit der Wale agieren. Sie folgen ihrem Instinkt, ihrer Intuition und fragen nicht nach dem „Warum“ oder nach dem „Darf ich das?“ oder „Lohnt sich das?“

Das Meer ist ihr Element, die Tiefe ihr Zuhause. Abtauchen, Tiefe finden – das kann uns lehren, dem in unserem Leben Raum zu geben, was uns Kraft verleiht. Wo wir spüren, wer wir sind. Wenn wir uns an unseren Kraftort zurückziehen, schaffen wir uns einen eigenen Resonanzraum, in dem wir unser eigenes Echo hören. Und uns wieder fühlen. Und damit auch ins Fühlen für andere und unseren Planeten kommen.

 

Buchcover Steffi Schroeter_Die Weisheit der Wale

 

Was ist Ihr persönlicher Sinn des Lebens?

Schroeter: Für mich persönlich ist der Sinn des Lebens, meinen eigenen inneren Meeresgrund zu berühren und andere zu ermutigen, dies auch zu tun.

Das Interview führte Markus Hofelich.

Weitere Informationen unter: www.steffischroeter.de
Bilder: Steffi Schroeter / Cover: bene! Verlagsgruppe Droemer Knaur

 

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1 Comment

Sabine 20. August 2018 at 23:56

Schöne Geschichte, liebe Frau Schroeter. Jemand, der so verbunden ist mit den Meeressäugern und das auch noch so emotional zum Ausdruck bringt. Toll! Doch dabei irritiert mich doch etwas. Warum bieten Sie Angelseminare für gestresste Manager an? Da geht es doch ums Töten? Oder angeln Sie nur zum Spaß und werfen die Fische dann wieder ins Wasser? Auch das wäre nicht die feine Art, Tiere zu behandeln. Und genau das ist für mich überhaupt nicht stimmig. Natürlich, Fische sind keine Säugetiere wie es Wale sind, aber haben sie nicht genau die gleichen Emotionen, die Sie so stimmig über Wale zu berichten wissen? Ich denke, wenn man Wale liebt, sollte man dies auch bei anderen Meeresbewohnern so halten. Oder liege ich falsch? Fische haben meines Erachtens auch ein Schmerzempfindnis. Das Gegenteil wurde noch nicht bewiesen.
Nur mal so zum Nachdenken.
Herzliche Grüße,
Sabine Ludwig

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