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Interview mit Sylvia Harke: „Wenn Frauen zu viel spüren: Schutz und Stärkung für Hochsensible“

27. November 2017 2 Comments
Interview mit Sylvia Harke: „Wenn Frauen zu viel spüren: Schutz und Stärkung für Hochsensible“

„Wenn Frauen zu viel spüren: Schutz und Stärkung für Hochsensible“ heißt das neueste Buch von Psychologin und Coach Sylvia Harke. In dem Frauen-Ratgeber zur Selbsthilfe gibt sie zahlreiche praktische Übungen zur Selbstreflexion. Im Interview spricht Sylvia Harke über Hochsensibilität, Weiblichkeit und wie man die vermeintliche Schwäche als große Stärke erfahren kann.

Frau Harke, im September ist Ihr neuestes Werk „Wenn Frauen zu viel spüren: Schutz und Stärkung für Hochsensible“ erschienen. Was genau ist Hochsensibilität? Welche Stärken und Schwächen bringt sie mit sich?

Harke: Hochsensibilität ist ein Temperament, es beschreibt die Persönlichkeit und die physiologische Besonderheit von etwa 15 % der Bevölkerung. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Englischen und heißt dort „Highly Sensitive Person“.

Im deutschsprachigen Raum assoziieren wir jedoch mit „hochsensibel“ meist „nicht belastbar, labil, depressiv, nicht Kritik fähig“ – also überwiegend negative Eigenschaften. Doch ursprünglich bezieht sich der Begriff „highly sensitiv“ auf eine gesteigerte, feinere Sinneswahrnehmung.

Hochsensible nehmen Umweltreize intensiver auf, sind körperlich, emotional und spirituell sehr empfindungsfähig – also das Gegenteil von abgestumpft. Darin liegt natürlich die Stärke und Schwäche der Hochsensiblen zugleich. Mehr dazu habe ich in unserem ersten Interview gesagt.

Am liebsten würde ich den Begriff „Hochsensibel“ wieder abschaffen und nur noch von „Sensitiven“ sprechen. Doch das ist wohl nicht mehr möglich in Deutschland.

 

Interview mit Sylvia Harke: „Wenn Frauen zu viel spüren: Schutz und Stärkung für Hochsensible“

 

Gibt es unter den hochsensiblen Personen (HSP) Ihrer Erfahrung nach mehr Frauen als Männer? Fällt es Frauen schwerer, mit ihrer Hochsensibilität umzugehen, als Männern?

Harke: Es gibt genauso viele hochsensitive Frauen wie Männer. Doch leider sind die Männer durch unsere Kultur nicht ermutigt worden, sich offen mit ihrer Sensibilität (Empfindungsfähigkeit) zu beschäftigen. Ich glaube, dass beide – Männer wie Frauen – eigene Herausforderungen haben, ihre empfindsame Veranlagung von Herzen anzunehmen. Es ist für keinen leicht.

Das hat damit zu tun, dass unsere technokratische Zeit noch immer auf patriarchalen Wurzeln steht. Dies zeigt sich in der immer weiter voranschreitenden Entfremdung von Mutter Erde. Wir glauben kollektiv an den Fortschritt der Technik und viele Kinder wissen nicht mehr, wo die Karotte oder die Milch herkommen.

Wie geht unsere Kultur heute mit sensitiven Qualitäten – wie Gefühl, Intuition Weichheit oder Naturverbundenheit – um?

Harke: Wir leben in einer Welt, die weibliche Prinzipien, wie Gefühle, Intuition, Kreativität, Mütterlichkeit, Weichheit, Verletzlichkeit und Naturverbundenheit lächerlich macht, abwertet und ablehnt. Das klingt vielleicht ein wenig übertrieben. Deshalb gebe ich an dieser Stelle gern einige Beispiele.

Unsere Kultur betrachtet die Wissenschaft als höchste Errungenschaft. In meinem Psychologie-Studium konnte ich selbst erfahren, dass Intuition, eigene Gefühle und Wahrnehmung keinerlei Rolle spielen (durften), weil alle Theorien aus logischen, beobachtbaren und messbaren Verhaltensweisen des Menschen oder aus der Hirnforschung (Maschinen und Technik-Beweise) abgeleitet werden müssen.

Oder denken wir einen Augenblick einmal an die vielen alleinerziehenden Mütter, die sich unter großer Mühe durchs Leben bringen. Sobald eine Frau ein Kind bekommt, hat sie es schwer im Berufsleben. Außerdem zählt Karriere mehr als Mutterschaft. Eine „Frau Dr. so und so“ wird mehr Anerkennung erhalten, als eine Hausfrau und Mutter ohne Berufsausübung. Wenn Frauen sich ganz bewusst für die Kinder entscheiden und ihre Karriere erst mal auf Eis legen, gelten sie vielleicht als altbacken und unmodern.

Menschen, die Bäume umarmen, gelten allgemeinhin als „Spinner“. Ich tue das übrigens auch und empfinde dabei viel Freude, Frieden und Verbundenheit mit der Natur und dem Kosmos. Unsere Kultur misst den Wert eines Menschen überwiegend an Erfolg, Geld, Status, Macht und ihrem Auto. Wieweit jemand spirituell, seelisch, emotional, künstlerisch oder sozial entwickelt ist, lässt sich nicht so einfach erkennen und ist tatsächlich weniger wert.

Denn besonders Hochsensible sind in diesen Bereichen meist weit entwickelt und engagieren sich häufig sozial und kreativ, meist mit wenig finanziellem Erfolg. Die meisten sozialen und künstlerischen Berufe sind unterbezahlt im Vergleich zu Technikberufen.

Zusammenfassend möchte ich sagen: Hochsensibilität ist eine weibliche Qualität. Sie ist in hochsensiblen Männern und Frauen gleichermaßen vorhanden, und findet leider zu wenig Wertschätzung in unserer von Maschinen und Logik geprägten Gesellschaft.

 

      

 

Hochsensible Frauen haben häufig mit Vorurteilen zu kämpfen. Was sind die häufigsten und was steckt dahinter? Wie sollte man diesen begegnen?

Harke: Hochsensitive Frauen begegnen sich selbst sogar mit Vorurteilen. Viele von ihnen wollen gar nicht hochsensibel sein. Denn sie glauben häufig, sie seien nicht stark genug, um im Leben zu bestehen. Das größte Problem sehe ich darin, dass Hochsensiblen im Verlauf ihrer Biografie das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung verloren geht, weshalb sie später nur wenig Kraft haben, um sich gegen Interpretationen, Unterstellungen und Angriffen anderer Personen aus dem Umfeld zu wehren.

Stattdessen stellen sie sich selbst in Frage und wollen sich verändern, anpassen und verleugnen sich. Deshalb möchte ich gar nicht so sehr auf die Vorurteile eingehen.

Es ist für jeden HSP lebenswichtig, seine eigene Wahrnehmung ins Zentrum zu rücken und wieder zu lernen, sich selbst zu vertrauen, egal was das Umfeld sagt. Die Wahrnehmung eines Hochsensiblen weicht zwangsläufig von der Wahrnehmung der Masse ab und wird deshalb oft in Frage gestellt. Wenn eine hochsensitive Mitarbeiterin z.B. in einem Großraumbüro nicht klar kommt, heißt das nicht automatisch, dass sie weniger belastbar sei, wie häufig unterstellt wird, sondern dass sie unter Reizüberflutung leidet. Dieselbe Mitarbeiterin würde in einem Einzelbüro vielleicht zu Höchstform auflaufen, wenn sie nur die optimalen Rahmenbedingungen vorfindet.

Andere verwechseln Hochsensibilität mit Weinerlichkeit oder gar Depression. Das ist natürlich ein Vorurteil und hat mit der bereits erwähnten Begriffsverwirrung zu tun. Der beste Schutz besteht darin, sich selbst und seine sensiblen Bedürfnisse zu kennen, zu respektieren und die eigenen Grenzen zu akzeptieren. Dies gelingt am besten, wenn Sensitive über ihr Naturell Bescheid wissen und in Kontakt mit ihrem authentischen Wesenskern sind.

Hochsensible Frauen sind häufig in sozialen und kreativen Berufen zu finden und können da Höchstleistungen erbringen. Sie verfügen über feine Antennen und eine ausgeprägte Empathie. Viele verbergen ihre Sensibilität meist hinter einem gut funktionierenden Alltagsgesicht und tragen ihre Probleme allein mit sich herum. Ich glaube, dass das allgemeine Bild von Hochsensiblen meist nicht mit den realen Menschen dahinter übereinstimmt.

Sie haben sieben Archetypen hochsensibler Frauen entwickelt. Was steckt hinter diesem spannenden Konzept? Welche sieben Archetypen gibt es?

Harke: Ich habe in meinen vielen Beratungen mit sensitiven Frauen beobachtet, dass nicht alle gleich sind und dieselben Lebensthemen mitbringen. Deshalb versuchte ich, Untergruppen zu finden. Archetypen sind sozusagen Urbilder, mythische und gleichzeitig reale Figuren, die wir aus Märchen, Geschichten und dem Leben selbst kennen. Ich persönlich habe sieben Typen gefunden:

Die Kindfrau, die Künstlerin, die Helferin, die Heilerin, die Gelehrte, die Königin und die Vielbegabte.

Die meisten Frauen können sich bei mindestens drei Archetypen wiederfinden und sind im echten Leben quasi Mischtypen. Mir ging es bei dieser Kategorisierung darum, aufzuzeigen, welche Stärken und Begabungen eine Frau hat und wo noch verborgenes Entwicklungspotential liegt.

Zum Beispiel ist die Kindfrau sehr kreativ, bunt und lebensfroh, doch ohne Kontakt zur „Weisen Alten“ in ihrem Unterbewusstsein bleibt sie unreif, abhängig und naiv. Genauso ergeht es „der Helferin“. Wenn eine Frau im Helferbewusstsein steckenbleibt, und Jahrzehnte lang nur für andere da ist, vernachlässigt sie sich selbst. Ihr fehlt „Die Prinzessin“.

So habe ich für jeden Archetyp auch das Gegenstück skizziert, das einer sensitiven Frau helfen kann, sich aus einseitigen Entwicklungen zu befreien und ein erfülltes Leben führen zu können. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, um die wesentlichen Aha-Erlebnisse beim Lesen meines Buches nicht vorweg zu nehmen.

Worauf sollten hochsensible Frauen in Partnerschaft und Beziehung besonders achten?

Harke: Es gibt zwei Herausforderungen, auf die ich hier eingehen möchte.

Erstens: Sensitive Frauen brauchen in Beziehungen ein Gegenüber, das ihre feinfühlige Wahrnehmung anerkennt, wertschätzt, respektiert und am besten sogar teilt. Viele Frauen erleben leider genau das Gegenteil: Sie werden in Frage gestellt, wenn sie über ihre Wahrnehmung sprechen, verspottet, unterdrückt oder einfach nicht erstgenommen.

Also: Augen auf bei der Partnerwahl! Leider spielt bei vielen Frauen noch immer die finanzielle Absicherung eine größere Rolle bei der Eheschließung als die seelische Verbundenheit mit dem Partner. Sorry! Aber das ist meine Beobachtung und es tut weh. Noch extremer verraten sich sensitive Frauen, wenn sie sich schwache Männer suchen, die selbst unterstützt werden müssen, aber die feinfühlige Wahrnehmung der Frau auch in Frage stellen. Dann hat sich die HSP-Frau wieder im Helferkomplex verloren, ohne selbst genährt zu werden.

Zweites: Sensitive Frauen sollten sich fragen, ob sie wirklich bereit sind, eine Familie mit Kindern zu gründen. In meinem Buch arbeite ich auch mit den Ergebnissen aus einer Umfrage mit 440 hochsensiblen Frauen. Dabei wird deutlich, dass 70 % keine Kinder haben. Ob gewollt oder ungewollt, konnte ich nicht erfragen, weil ich nicht mit so einem deutlichen Ergebnis gerechnet hatte. Das war eine große Überraschung für mich.

In den qualitativen Antworten äußerten viele Frauen auch Angst, einem Kind nicht gerecht werden zu können oder Angst vor Überforderung. Andererseits kann auch die ungewollte Kinderlosigkeit eine Rolle spielen. Dazu gibt es jedoch noch zu wenige Forschungsergebnisse. Das Kinderthema ist sehr wichtig und sollte offen und klar in der Beziehung besprochen werden.

Kinderlose Paare sind mehr auf sich selbst zurückgeworfen, denn es findet keine Ablenkung durch Stillen, Kindergarten, Schulprobleme und Kindergeburtstage statt. Deshalb ist die richtige Partnerwahl so wichtig. Auch das Selbstwertgefühl einer Frau sollte nicht davon abhängig bleiben, ob sie Mutter ist.

Ihr Frauen-Ratgeber zur Selbsthilfe bietet viele Übungen zur Selbstreflexion. Welches Spektrum decken Sie ab? Können Sie ein Beispiel kurz erläutern?

 Harke: Gleich zu Beginn des Buches können die sensitiven Frauen mit ihren negativen Glaubenssätzen über sich selbst in Kontakt kommen, die ich im Buch als „Bannsprüche“ bezeichne. Sehr gern arbeite ich mit Methoden der Imagination, so erhalten die Leserinnen im Anschluss die Möglichkeit, mit einer „guten Fee“ positive Affirmationen in ihr Herz zu lassen.

In meinem Ratgeber finden die Leserinnen viele Übungen, die sie dazu anregen, ihren weiblichen Körper so anzunehmen, wie er ist und die Schönheit in sich selbst zu entdecken. Darüber hinaus werden sie ermutigt, ihren biologischen Monatsrhythmus zu dokumentieren und die damit verbundenen Veränderungen in ihrer Stimmung, Motivation und Körperlichkeit.

Viele weitere Übungen unterstützen die Leserinnen, ihren Selbstwert und die Selbstliebe zu stärken. Andere Aufgaben haben mit dem Schreiben zu tun. Die Reflexion der eigenen Biografie spielt dabei eine besondere Rolle. Anders als in üblichen psychologischen Ratgebern stelle ich auch Möglichkeiten für Heilungsrituale vor, die die Frauen allein oder in Gruppen durchführen können. Rituale geben uns Kraft, Verbundenheit und haben die Macht zu lösen und zu wandeln.

Sie haben bereits einige Bücher zum Thema Hochsensibilität geschrieben. Was hat Sie dazu bewogen, nun einen Ratgeber speziell für hochsensible Frauen zu schreiben?

Harke: Um diese Frage zu beantworten, möchte ich gern etwas über meine Studienzeit berichten, denn das Buch hat eine lange Vorgeschichte. Ich habe mich schon seit dem Jahr 1998 mit Frauenthemen beschäftigt und endlich war die Zeit reif, 2017 mein umfangreiches Wissen und die Erfahrung aus Frauengruppen an meine Leserinnen weiterzugeben.

Während meines Psychologie-Studiums von 1996 bis 2001 erwachte bereits mein Wunsch, mich mit meinem Körper und meiner Weiblichkeit zu versöhnen und kraftvoll und selbstbewusst zu werden. Damals fühlte ich mich als Frau völlig verunsichert, nicht liebenswert und litt unter starken Menstruationskrämpfen mit Ohnmachtsanfällen.

Wie vielen anderen Frauen fehlte mir eine starke Gemeinschaft, die das Weibliche nährte und achtete. Ich hatte keinen Partner zu dieser Zeit und die positive Selbstwert-Bestätigung, die viele andere meiner Studienkolleginnen aus Beziehungen mit Männern erhielten, blieb mir verwehrt.

So musste ich mich mit mir selbst beschäftigen. Ich begann damals, eine schamanische Frauengruppe zu besuchen, die mich nährte und unterstützte, auch in Bezug darauf, meiner Wahrnehmung besser zu vertrauen. Dort erhielt ich eine neue Sichtweise auf das Thema Menstruation und Spiritualität. Darauf werde ich später noch eingehen.

Welche weiteren Bücher haben Sie beim Schreiben für Frauen inspiriert?

Harke: Ich begann in derselben Zeit, auf Anraten meiner Yogalehrerin, das Buch „Die Wolfsfrau“ von Clarissa Pinkola Estés zu lesen und wurde ermutigt, noch tiefer in die Geheimnisse der Selbstermächtigung als Frau einzutauchen. In diesem Buch interpretiert die amerikanische Psychotherapeutin – mit mexikanischen Wurzeln – Märchen aus aller Welt und nimmt die Leserinnen mit auf eine Reise in die Tiefen ihres Unterbewusstseins.

In der Essenz des Buches offeriert die erfahrene Märchenerzählerin uns das Bild der „Wölfin“ als Sinnbild der „Wildnatur der Frau“, die durch Jahrtausende lange Domestizierung und Unterdrückung zurechtgestutzt wurde und dennoch nicht tot zu kriegen ist. Die Erzählungen vermitteln uns Erkenntnisse, um die Wandlungsphasen und seelischen Selbstheilungskräfte der weiblichen Psyche zu verstehen und schließlich selbst erfolgreich zu aktivieren.

Dieses Buch ist weltweit bis heute ein Bestseller und hat mich beim Schreiben meines dritten Ratgebers ermutigt, ebenfalls Märcheninterpretationen einzuweben. Ich habe in mein Buch „Die kleine Seejungfrau“ von Hans Christian Andersen sowie der Volksmärchen „Schneewittchen“ und „Dornröschen“ einfließen lassen, wobei der Fokus auf der Erzählung von Andersen liegt. Ich wollte neue Aspekte dieses Themas aufleben lassen, dieses Mal speziell für sensitive Frauen und mit der „kleinen Seejungfrau“ ein Märchen interpretieren, das in dem Buch von Estés gar nicht vorkommt. Ich liebe es, neue und originelle Texte zu schreiben.

Ein weiteres Buch, das ich beim Schreiben meines Frauenratgebers für meine Recherchen gelesen habe, heißt „Roter Mond. Von der Kraft des weiblichen Zyklus“ von Miranda Gray (Stadelmann Verlag). Darin fand ich ebenfalls inspirierende Informationen über die weiblichen Rhythmen und alte mythologische Frauenfiguren, die unser kollektives Bewusstsein lange Zeit geprägt und beeinflusst haben.

 

      

 

Sie bieten auch in Ihrer „hsp academy“ Coachings und Seminare an. Welche Angebote gibt es, welche Themen decken Sie für welche Zielgruppen ab? Welche weiteren Projekte haben Sie in den nächsten 12 Monaten im Visier?

 

Interview mit Sylvia Harke: „Wenn Frauen zu viel spüren: Schutz und Stärkung für Hochsensible“

 

Harke: Ich führe viele Beratungen am Telefon durch, da unser Standort im Schwarzwald nicht gerade zentral ist oder in einer Großstadt liegt. Die Themen sind vielfältig. Die häufigsten Beratungsthemen drehen sich um Fragen zur Beziehung, Berufung und Existenzgründung. Dabei spielt das angegriffene Selbstwertgefühl immer eine zentrale Rolle.

Die Angebote der „hsp academy“ befinden sich gerade in einer großen Wandlungsphase. Früher haben wir quasi zu allen Lebensthemen Seminare angeboten. In Zukunft wird sich unser Angebot weiter spezialisieren. Aufgrund unserer vielfältigen Erfahrungen mit der Zielgruppe werden wir 2018 folgende neue Angebote machen:

  • Es wird einen Selbstlernkurs zum Thema Selbstliebe geben, weil alle Lebensthemen davon berührt sind. Jeder Erfolg und Misserfolg baut darauf auf. Darin eingebettet können Einzelcoaching-Termine gebucht werden (auch am Telefon).
  • Gerade erst im November habe ich einen „Jahresplaner 2018 für sensitive Frauen“ auf den Markt gebracht, der dabei helfen wird, Herzensvisionen und Ziele zu realisieren. (Bild kann zu Amazon verlinkt werden)
  • Wir planen, 2018 eine Ausbildung zum „Sensitiv-Coach“ Nach langem Überlegen haben wir uns für eine Online-Ausbildung entschieden. Gerade weil mein Mann und ich selbst hochsensibel sind und unsere Teilnehmer ebenfalls, halten wir das für die einfachste und stressärmste Lösung, weil jeder von zu Hause aus lernen kann.
  • Ich persönlich werde Frauenspezifische Gruppen Vielleicht gestalte ich dafür eine neue Webseite. Es bedeutet nicht, dass ich keine Angebote für Männer mehr machen werde, wie manche vielleicht befürchtet haben, aber die Frauengruppen sind mir ein besonderes Herzensanliegen! 

Brauchen Frauen auch heute noch Ermutigung dafür, ihre weibliche Kraft anzunehmen?

Harke: Ich bin überzeugt, dass Frauen der Neuzeit ebenso Ermutigung brauchen, um ihre weibliche Kraft anzunehmen wie noch in den 60-er Jahren, als die Frauenbewegung so richtig in Fahrt kam. Trotz all unserer modernen Errungenschaften für die Rechte der Frauen, steckt unter der Hochglanzoberfläche unserer modernen Zeit noch immer viel Verunsicherung, mangelndes Selbstwertgefühl und das Thema der Entfremdung vom eigenen Körper für Frauen.

Ich sehe keine Lösung darin, Frauen Männern gleich zu machen, sondern das Weibliche zu unterstützen, so dass Frauen authentisch und natürlich ihren Weg gehen können, ohne verhärten zu müssen. Das ist eine Form von Selbstentfremdung und keine Lösung für die Frauen der Moderne. Wir brauchen stattdessen wieder eine Hinwendung zu unseren uralten, fast vergessenen Wurzeln.

 Das Interview führte Markus Hofelich.

Weitere Informationen unter: hsp-academy.de
Bilder: Sylvia Harke,

      

 

 

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2 Comments

Raphael Bolius 4. Dezember 2017 at 20:10

Danke für das interessante Interview. Allerdings: …Hochsensibilität ist eine weibliche Qualität…. Das halte ich doch für etwas weite hergeholt. Der folgende Satz „Sie ist in hochsensiblen Männern und Frauen gleichermaßen vorhanden, und,,,“ relativiert die Sache dann ja zum Glück auch wieder. KLarerweise gibt es auch HSP-Männer, ich sehe das Hochsensibilität keinesfalls als weibliche Eigenschaft. Glücklicher Weise.

Reply
Sylvia Harke 7. Dezember 2017 at 22:20

Hallo Raphael,
ich habe ja schon bemerkt, dass einige Leser nicht verstehen, was ich mit „weiblicher Qualität“ meine. Das ist ein tiefenpsychologisches Konzept. Es geht um das Übergeordnete, Weibliche, im Sinne der Archetypen. Es hat nichts damit zu tun, dass es nur Frauen haben, das stimmt ja so nicht, habe ich auch so nie behauptet. In meinen Büchern erwähne ich immer die Gleichverteilung unter den Geschlechtern. Allgmein kann man in der Psychologie von weiblichen und männlichen Qualitäten sprechen, was jedoch losgelöst von Mann und Frau zu betrachten ist. Unsere Kultur ist männlich geprägt. Und das Weibliche wurde seit vielen Jahrtausensen unterdrückt. Nicht nur Frauen, sondern weiblichen Qualitäten, wie Mitgefühl, Feingefühl, Empathie, Weichheit, Mütterlichkeit usw. Stattdessen leben wir in einer betont männlichen Welt. Männliche Werte, Rationalität, Härte, Durchsetzungkraft, Maschinen, Intellekt usw. werden meist höher bewertet. Natürlich können auch Frauen intellektuell und hart sein, das sind dann meist Frauen, denen es an Feminität fehlt, die eben hart und kantig, kühl erscheinen. Es ist ja auch nicht umsonst so, dass in den Führungsetagen der Welt Frauen noch immer gern Hosenanzüge tragen. Die Beispiele ließen sich endlos weiterspinnen. Vielleicht wird es nun etwas deutlicher. herzliche Grüße, Sylvia Harke

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