Beruf

Midlife Crisis als Chance: Jetzt nochmal durchstarten im Job!

6. Januar 2017 0 comments
Midlife Crisis Mann Beruf 5

Die Midlife Crisis kann jeden treffen. Bin ich glücklich mit meinem Leben? Finde ich Erfüllung in meiner Arbeit? Ist das alles wirklich, was ich will? Existenzielle Fragen wie diese schlummern lange Zeit vom Alltagsstress verdrängt im Unterbewusstsein. In der Halbzeit des Lebens dringen sie plötzlich klar ins Bewusstsein. Die Karriereleiter hochgeklettert, ein Haus gebaut, die Kinder groß gezogen, Zeit zum Nachdenken. Und was kommt jetzt? Business as usual bis zur Rente? Oder nochmal durchstarten, etwas Neues wagen? Willkommen in der Midlife-Crisis!

Midlife Crisis als Chance: Was erwarte ich noch vom Leben?

 

Midlife Crisis 4

 

Die Midlife Crisis stürzt Männer und Frauen häufig zwischen 40 und 50 in eine Sinnkrise über das bisher Erreichte in Job, Partnerschaft und generell im Leben. Die Anzeichen: Stimmungsschwankungen, häufiges Grübeln über Gott und die Welt, innere Unsicherheit bis hin zur Unzufriedenheit – sei es im Beruf, der Partnerschaft oder der Familie. Auch körperlich zeigt sich, dass man keine 20 mehr ist, erste Vorboten des Alters tauchen auf: tiefere Falten, die ersten grauen Haare, zunehmender Bauchumfang. Hinzu kommen abnehmende Fitness und hormonelle Veränderungen. In der Mitte des Lebens unterzieht sich der Mensch einer kritischen Selbstreflexion. Er blickt auf seinen bisherigen Weg zurück und zieht Bilanz. Was war gut? Was war schlecht? Habe ich erreicht, was ich wollte? Was habe ich verpasst? Was erwarte ich noch vom Leben?

Die Hälfte der Lebenszeit ist vorbei und man fragt sich, was in Zukunft noch kommen soll. Dem Mensch wird die eigene Vergänglichkeit bewusst. Die Uhr tickt, die noch verbleibende Zeit wird immer kleiner. Anders als mit 20 bietet das Leben nun nicht mehr unendlich viele Möglichkeiten. Letztendlich gibt es nur zwei Optionen: Weitermachen wie bisher oder Veränderungen wagen.

 

Nur wenige sind mit Herz und Verstand bei der Arbeit

 

Midlife Crisis beruf 3

 

In der Rush Hour des Lebens spielen Beruf und Berufung eine entscheidende Rolle für Erfüllung und Glück – schließlich verbringen wir den Großteil der Lebenszeit mit Arbeit, wesentlich mehr als mit der Familie oder dem Partner. Doch die Realität zeichnet ein nüchternes Bild: „Nur 16 Prozent der Arbeitnehmer sind mit Herz, Hand und Verstand bei der Arbeit. Die große Mehrheit, 68 Prozent der Beschäftigten, macht lediglich Dienst nach Vorschrift und 16 Prozent der Werktätigen sind emotional ungebunden und haben innerlich bereits gekündigt.“ Dies sind zentrale Ergebnisse des Engagement Index 2015, den das Beratungsunternehmen Gallup im März 2016 veröffentlicht hat. Unzufriedenheit mit der Arbeit ist ein häufiger Grund für die Midlife Crisis.

 

Halbzeit des Lebens: Raus aus der Sackgasse

 

Midlife Crisis Frau Job

Im Zenit des Lebens kommt das besonders zum Tragen. Die Zahlen zeigen, dass es gerade im Beruf ein großes Verbesserungspotenzial gibt, will man den Rest seines Lebens glücklich verbringen. Manche mögen nicht so weit gekommen sein, wie sie wollten. Sie stecken in einer Sackgasse fest – ein Mut zum Wechsel könnte die Lösung sein. Eine andere Firma, eine andere Branche, eine andere Aufgabe. Doch auch wer die Karriereleiter empor geklettert ist, nach außen erfolgreich scheint, der mag innerlich feststellen, dass es eigentlich gar nicht das ist, was er tun wollte. Dass die Interessen ganz woanders liegen und die Arbeit keine Freude macht. Viele Fachkräfte aus unterschiedlichsten Branchen – so zeigen Studien – erkennen nicht den tieferen Sinn in dem, was sie tun.

Auch manche Manager in Konzernen sind genervt von ziellosen Meetings, endlosen Abstimmungsschleifen, politischen Spielchen. Von mangelnder Wertschätzung und lähmender Bürokratie. Sie vermissen Freiheit und Gestaltungsspielraum, wollen ihre eigenen Ideen umsetzen, selbst- statt fremdbestimmt sein. Waren bisher Karriere, Geld und Status der höchste Maßstab für sie, so tritt nun die Sehnsucht nach einer erfüllenden und sinnstiftenden Aufgabe in den Vordergrund. Manch ein Manager sieht in der Midlife Crisis eine Chance und zieht die Reißleine, macht sich selbständig, gründet selbst ein Unternehmen.  Oder steigt in ein vielversprechendes Start-up ein, in das er seine Erfahrungen und Kontakte einbringen kann.

Auch Frustration kann zum Burnout führen

Viele arrangieren sich im ungeliebten Job und leben ihr Leben in der Freizeit aus, nach Feierabend und am Wochenende. Ein schwacher Trost. Schließlich können permanente Unzufriedenheit und Frustration im Job auf Dauer krank machen. Wer es nicht schafft, das Hamsterrad zu verlassen, der fühlt sich bald erschöpft, müde und ausgebrannt. Nicht umsonst steigt die Zahl der Depressionen und Burnout-Fälle immer mehr an. Psychische Erkrankungen zählen inzwischen zu den häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit. Nicht nur permanenter Stress, Überarbeitung und Überforderung können zu einem Burnout-Syndrom führen, sondern auch emotionale Erschöpfung. Und die resultiert ja gerade aus Frustration, Desillusionierung, Abstumpfung durch Routine und aus einer Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität. Die Midlife Crisis als Wake-up-Call: Hier hilft nur eine Veränderung, der Mut zu einem Neuanfang. Die Kraft für einen Wechsel findet man in der Antwort auf die Frage: Wofür lohnt es sich, noch einmal richtig durchzustarten?

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Wenn nicht jetzt, wann dann? Eines Tages könnte es zu spät sein, die Zeit läuft. Vielen Menschen wird erst im Angesicht des Todes bewusst, wie sie hätten leben sollen und was sie versäumt haben. Sie bereuen, dass sie ihre Träume nicht gelebt, zu viel gearbeitet und zu wenig Zeit mit Freunden und der Familie verbrachten. Könnten sie die Zeit zurückdrehen, würden sie vieles anders machen, schreibt Bronnie Ware in ihrem Bestseller „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“. Die Australierin hat acht Jahre lang Menschen in den letzten Wochen ihres Lebens begleitet. Ein Weckruf für alle, die mitten im Leben stehen und jetzt noch die Chance dazu haben, ihr Leben zu ändern und ins Positive zu drehen. Sie selbst hat ihren frustrierenden Job als Bankangestellte aufgegeben, ist durch die Welt gezogen und arbeitet heute als Buchautorin, Bloggerin und gibt Internet-Kurse für Persönlichkeitstraining.

Selbsterkenntnis und Mut zur Veränderung

 

Midlife Crisis Mann Beruf

 

Der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung heraus aus der Midlife Crisis ist die Selbsterkenntnis: Man muss wissen, was man wirklich will. Wer ein Ziel im Leben hat, hinter dem er hundertprozentig steht, kann sich selbst motivieren und mentale Energien freisetzen. Der schöpft Kraft aus seinem Tun und steigert die Leistungsfähigkeit. Jetzt hat man noch einmal die Chance, das Ruder herumzureißen, seine Träume zu verwirklichen, seinem Leben eine neue Richtung zu geben.

Natürlich sind die Optionen für den Lebensweg jenseits der 40 nicht unbegrenzt und für jeden höchst individuell. Für den einen mag es reichen, einen Gang zurückzuschalten, seine Arbeitszeit zu reduzieren, gewisse Abstriche beim Gehalt in Kauf zu nehmen, um mehr Quality Time in der Freizeit zu haben: Mehr Zeit für die Familie, das Hobby, den Sport oder ehrenamtliches Engagement.

Für den anderen gibt es vielleicht Möglichkeiten, innerhalb des Unternehmens in interessantere Bereiche zu wechseln. Ist das nicht möglich, dann sollte man seine Fühler nach einem neuen Arbeitsplatz ausstrecken, der einem besser gefallen könnte. Offen für die Angebote von Headhuntern sein. Der entscheidende Schritt ist, sich nicht als Opfer des Schicksals zu sehen, sondern Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Manche Türen mögen im Zenit des Lebens verschlossen bleiben. Aber wenn man seine Ziele mit ganzer Energie verfolgt und offen ist, werden sich auch neue Türen öffnen.

 

Radikaler Job-Wechsel auf dem Weg zum Glück

glueck-tipps-herbst-5

 

 

Dass auch ein radikaler Wechsel möglich ist, zeigt das Beispiel von Volker Marquardt. Der frühere leitende Redakteur bei großen Verlagen kündigte seine Stelle und entschied sich für die Selbständigkeit als freier Journalist und Autor, um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Außerdem hat er Zeit gefunden, ein Buch zu schreiben, das ihm dabei geholfen hat, sich mit der neuen Lebensphase auseinanderzusetzen: „Halb so wild. Was mit 40 wirklich zählt“.

Auch die Capital-Titelgeschichte „Macht der Job noch Spaß?“ vom April 2016 beschreibt erfolgreiche Menschen, die einen radikalen Bruch in Ihrer Biographie gewagt haben, um glücklicher zu werden. Gabriele Braun etwa war Top-Managerin beim Dax-Konzern Continental, heute macht sie eine Ausbildung zur Schuhmacherin. Thomas Schneider gab seinen Job bei T-Online auf, um Entwicklungshelfer zu werden. Adriana Meneses von Arnim ging nach Jahren in einer Werbeagentur zurück an die Uni, um Psychologie zu studieren. Natürlich ist jede Biographie einzigartig und nicht auf andere übertragbar. Die Beispiele zeigen jedoch, dass ein erfolgreicher Wandel in der Mitte des Lebens durchaus möglich ist.

 

Midlife Crisis: Letzte Chance, das Leben zu überdenken und neu zu gestalten

 

 

„Ihre Zeit ist begrenzt, also vergeuden Sie sie nicht, indem Sie ein fremdbestimmtes Leben führen“, appellierte Apple-Gründer, Hightech-Genie und Visionär Steve Jobs 2005 in seiner legendären Rede vor den Absolventen der Elite-Universität Stanford. „Und vor allem: Haben Sie den Mut, Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen. Alles andere ist sekundär“, so Steve Jobs.

Die Midlife Crisis bietet die Chance, das Leben zu überdenken und neu zu gestalten. Wer die Frage „Wofür lohnt es sich, noch einmal richtig durchzustarten?“ für sich beantworten kann, der wird auch die nötige Kraft dafür finden. Die Kraft dafür, die Komfort-Zone zu verlassen, sich auf ein Wagnis einzulassen. Die Kraft dafür, die Angst vor dem Risiko eines Neuanfangs, vor einem möglichen Scheitern in den Griff zu kriegen und neue Horizonte zu erschließen. Entscheidend ist letztendlich, zu erkennen, was man wirklich will – und es dann auch zu tun! Dann liegt auch in dieser Krise eine echte Chance.

Bild: Unsplash

Das könnte Sie auch interessieren ...