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7 Thesen zum Älterwerden: Worauf wir uns mitten im Leben freuen können

4. April 2019 0 comments
Eckart von Hirschhausen und Tobias Esch auf einem Boot, mit Gitarre

Von Eckart von Hirschhausen und Tobias Esch. Fast egal, wie alt Sie jetzt gerade sind, nach aktuellem Stand der Wissenschaft gilt: Das Beste kommt erst noch. Nicht ganz zum Schluss, aber all die Jahre davor! Die zweite Lebenshälfte ist für die meisten von uns die bessere. Worauf können wir uns denn mitten im Leben freuen? Eine fast vermessene Frage angesichts des allgegenwärtigen Jugendkultes. Aber es ist schlichtweg Quatsch, dass es nach der Jugend nur noch bergab geht. Klar kann einem in der Mitte des Lebens schon mal die Puste ausgehen. Alles stresst gleichzeitig: Beruf, Kinder, Eltern und die ersten körperlichen Macken, die nicht mehr weggehen. Die meisten sind mit 57 zufriedener als mit 17 oder mit 27. Lassen Sie sich in den folgenden 7 Thesen zum Älterwerden überraschen, warum das so sein kann und was dabei hilft.

7 Thesen zum Älterwerden

 

  1. Das Alter ist besser als sein Ruf

Das Alter ist besser als sein Ruf. Was nicht so schwer ist bei dem Ruf. Halten Sie sich fest: Die allermeisten Menschen werden in der zweiten Hälfte des Lebens zufriedener! Deshalb nennen wir dieses Buch auch provokant „Die bessere Hälfte“!

 

  1. Gute Chancen, heute selbstbestimmt älter zu werden

Wer jammert, der ist nie allein. Ein Teil der Verzerrung: Von denen, die still zufrieden sind, bekommt man wenig mit. Aber es gibt sie, und es sind viele. Die Chancen, heute selbstbestimmt älter zu werden, sind so gut wie noch nie. Im Vergleich zu unseren Großeltern leben wir zehn Jahre länger, sind im Schnitt gebildeter, gesünder und körperlich fitter. Und auch reicher. An Geld und Möglichkeiten.

 

  1. Altern ist Leben für Fortgeschrittene

Die meisten Menschen sind mit 70 besser drauf als mit 17. Wenn Sie also wissen wollen, wie sich Altern anfühlt, beurteilen Sie es nicht von außen, sondern reden Sie mit den Leuten, die wissen, wie es ist, mit 70, 80 oder 90 zu leben. Altern ist kein Abgesang – Altern ist Leben für Fortgeschrittene.

 

Eckart von Hirschhausen und Tobias Esch am See

 

  1. Viele Ängste sind unbegründet

Aus Langzeitstudien wissen wir heute viel über die Psychologie des Alters. Je älter wir werden, desto wahrscheinlicher sind körperliche Einschränkungen. Was aber ebenso stimmt: Je älter wir werden, desto unabhängiger wird unsere seelische Verfassung von der körperlichen. Es gibt auch einen gesunden Geist in einem nicht ganz so gesunden Körper. Viele unserer Vorurteile und Ängste sind schlichtweg unbegründet.

 

  1. Die neue Rolle der Medizin

Klar gibt es auch viele Menschen, die leiden: Demenz, Krebs, Schmerzen, Depression und Einsamkeit sind die großen „Stimmungskiller“ der zweiten Lebenshälfte. Und die Zeit direkt vor dem Tod ist für viele auch nicht schön. Das wissen wir. Die Medizin kann dabei eine neue Rolle spielen: nicht als „Reparaturbetrieb“, sondern als Begleiter, Linderer und Ermöglicher.

 

  1. Das Leben ist oft länger und schöner, als wir denken

Mächtiger als die Medizin ist der Alltag. Wir haben mehr Dinge selbst in der Hand, als wir glauben. Wir altern, wie wir gelebt haben. All das, was wir jeden Tag in unseren Köpfen und Herzen tun, bestimmt mit, wie freudig wir auf die bessere Hälfte zugehen. Lebensstil, Engagement und positive Erwartung verlängern nachweislich das Leben! Und das ist gut so, denn das Leben ist oft schön. Und lang. Länger und schöner, als wir denken.

 

  1. Die zweite Lebenshälfte kann extrem erfüllend sein

Die Phase zwischen 60 und 85 ist länger als die Kindheit und Pubertät, länger als die Ausbildungszeit, länger, als die meisten Menschen am Stück in einem Job verbleiben – warum ist diese lange Lebensphase für viele ein „schwarzes Loch“? Die zweite Lebenshälfte ist kein Loch und auch nicht schwarz. Im Gegenteil: Diese Zeit kann extrem erfüllend sein, heiter und bunt!

 

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Buchcover Die bessere Hälfte von Eckart von Hirschhausen und Tobias Esch

 

Positive Psychologie kann helfen

Einig sind wir uns darin, dass die Erkenntnisse der positiven Psychologie in Deutschland noch nicht wirklich angekommen sind. Im Gegenteil sehen wir die Wichtigkeit einer positiven Gestimmtheit, der Aktivierung von Selbstheilung und Eigenverantwortung für die körperliche und seelische Gesundheit in vielen Bereichen der Medizin (und anderswo!) unter die Räder kommen.

Dabei bestreitet niemand: Je mehr zufriedene Menschen es gibt, desto besser geht es uns allen. Zufriedene müssen nicht ständig zum Arzt, keine unnötigen Untersuchungen und Pillen in Anspruch nehmen und verbrauchen generell weniger Ressourcen. Denn, kabarettistisch formuliert:

Kapitalismus heißt, du kaufst lauter Dinge, die du nicht brauchst, von Geld, das du nicht hast, um Leute zu beeindrucken, die du nicht magst.

Der Motor dieses Systems, das auf äußeres statt auf inneres Wachstum zielt, ist die permanente Unzufriedenheit und ein seelischer Hunger, der mit materiellen Dingen nicht zu stillen ist. Um aus diesem kranken Spiel auszusteigen, dass uns und unseren Planeten an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht hat, sollten wir uns immer wieder fragen:

  • Was brauchen wir wirklich?
  • Was ist wichtig im Leben?
  • Und wenn wir Liebe, gute Beziehungen und Glück an die erste Stelle unserer Prioritäten und Entscheidungen setzen: Was macht das mit uns?

Wir sollten uns viel öfter trauen, zentrale Fragen zu stellen

Wenn wir früher schon kapieren, welche Lebensmotive zählen und welche nicht, müssen wir weniger energieaufwendige Schleifen drehen, bis wir bei uns angekommen sind. Ich denke, es ist sehr wichtig, dass wir Vorbilder haben. Auch alte Menschen, die Altersweisen, die uns den „Ältestenrat“ erteilen. Das macht vieles leichter – und entlastet auch die Jüngeren: Man fängt nicht immer wieder von vorne an. Wir können uns viel öfter trauen, zentrale Fragen zu stellen:

  • WIE GLÜCKLICH bin ich gerade?
  • WIE ZUFRIEDEN bin ich mit meinem Leben?
  • WAS IST MIR WICHTIG im Leben – was zählt?

Und die Antworten können wir nicht alle geben, wissen, haben. Aber suchen. Gute Fragen sind wichtiger als gute Antworten. Man muss Geduld haben mit dem Ungelösten im Herzen und versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben, wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Es handelt sich darum, alles zu leben. Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antworten hinein.

 

Eckart von Hirschhausen und Tobias Esch auf einem Berg

 

Zur Person: Dr. Eckart von Hirschhausen

Dr. Eckart von Hirschhausen studierte Medizin und Wissenschaftsjournalismus. Seine Spezialität: medizinische Inhalte auf humorvolle Art und Weise zu vermitteln und gesundes Lachen mit nachhaltigen Botschaften zu verbinden. Seit über 20 Jahren ist er als Komiker, Autor und Moderator in den Medien und auf allen großen Bühnen Deutschlands unterwegs. Hinter den Kulissen engagiert er sich u.a. mit seiner Stiftung HUMOR HILFT HEILEN.

 

Zur Person: Prof. Tobias Esch

Prof. Dr. Med. Tobias Esch ist Pionier einer ganzheitlichen Allgemeinmedizin und Experte für die Neurobiologie des Glücks. Er ist Gastprofessor an der Harvard Medical School sowie assoziierter Neurowissenschaftler an der State University von New York. Seit 2016 forscht und lehrt er an der Universität Witten/Herdecke. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Der Selbstheilungscode“.

 

Bilder: Eckart von Hirschhausen, Tobias Esch / Cover: Rowohlt Verlag

 

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