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Nahtod-Erlebnisse: „Aware“-Studie der Universität Southampton

1. Juni 2016 0 comments
Nahtod-Erlebnisse: „Aware“-Studie der Universität Southampton

Auch während des klinischen Todes kann das Bewusstsein erhalten bleiben. Dies zeigt die bisher größte Untersuchung zu Nahtod-Erlebnissen, die von der Universität Southampton in Großbritannien durchgeführt und im Oktober 2014 veröffentlicht wurde. Im Rahmen der „Aware“-Studie wurden Patienten auf Intensivstationen untersucht, die nach einem Herzstillstand oder Gehirnversagen wiederbelebt wurden.

Bewusstsein bleibt nach Eintritt des klinischen Todes erhalten

„Aware“ steht für Awareness during Resuscitation: Bewusstsein während der Wiederbelebung. Insgesamt haben die Wissenschaftler über einen Zeitraum von vier Jahren 2.060 Patienten in 15 Krankenhäusern in den USA, Großbritannien und Australien unter die Lupe genommen, die einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten hatten. Bei vielen blieb das Bewusstsein in der Zeit zwischen dem Eintritt des klinischen Todes und der Reanimierung durch die Ärzte erhalten.

Untersuchung von reanimierten Herzstillstand-Patienten

Von den 2.060 beobachteten Herzstillstand-Patienten überlebten 330. 140 der erfolgreich reanimierten Patienten sprachen von bewussten Wahrnehmungen während ihrer Wiederbelebungsphase. 40 Prozent der Überlebenden berichteten von einer Art „Bewusstsein“ während ihres klinischen Todes. Ein Fünftel erinnert sich an ein Gefühl tiefen Friedens, andere sahen ein helles Licht, goldenes Leuchten, Sonne oder einen Blitz. Manche empfanden Angst oder hatten das Gefühl zu ertrinken. 13 Prozent sagten aus, dass sie vom Körper getrennt gewesen waren und eine schärfere Sinneswahrnehmung hatten. Studienleiter Dr. Sam Parnia geht davon aus, dass viel mehr Menschen Nahtod-Erfahrungen machen, aber Medikamente und Beruhigungsmittel die Erinnerung daran erschwerten oder ganz verhinderten.

Klinisch toter Patient beschreibt detailliert seine Wiederbelebung 

Bemerkenswert waren die Erfahrungen eines 57-jährigen Sozialarbeiters aus Southampton, der drei Minuten lang klinisch tot war. Er erinnerte sich daran, wie er nach dem Tod seinen Körper verließ und seine Wiederbelebung von der Ecke des Raumes aus beobachtete. „Der Mann beschrieb alles, was in dem Raum passiert ist“, erklärt Dr. Sam Parnia. Der Sozialarbeiter zeigte detailliert auf, wie das medizinische Personal vorging und welche Geräusche die Maschinen machten.

Keine Gehirnfunktion ohne Herzschlag

„Wir wissen, dass das Gehirn nicht funktionieren kann, sobald das Herz nicht mehr schlägt“, erklärt Studienleiter Dr. Sam Parnia. „In diesem Fall scheint die bewusste Wahrnehmung bis zu drei Minuten weiter funktioniert zu haben, obwohl das Gehirn sich normalerweise 20 bis 30 Sekunden nach dem Tod ausschaltet“, so der Mediziner. Damit scheint bewiesen, dass das Bewusstsein auch nach dem Tod erhalten bleibt. Wie lange diese Erfahrung andauern kann, können die Wissenschaftler nicht sagen. Somit liegt auch hier kein schlüssiger Beweis dafür vor, ob es ein (nachhaltiges) Leben nach dem Tode gibt. Die Aware-Studie der Universität Southampton wurde im Oktober 2014 im Fachjournal „Resuscitation“ veröffentlicht, die Online-Ausgabe der britischen Zeitung „The Telegraph“ machte die Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.

 Foto: Pixabay

 

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