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Umfragen zum Sinn des Lebens: Die Deutschen zwischen Hedonismus und Altruismus

2. Oktober 2017 0 comments
Studien und Umfragen zum Sinn des Lebens

„Man fragt sich ja manchmal, wofür man lebt, was der Sinn des Lebens ist. Worin sehen Sie vor allem den Sinn Ihres Lebens?“ Diese Frage hat das Allensbacher Institut in einer Langzeit-Studie seit 1974 Menschen in Deutschland gestellt. Den Teilnehmern der Umfrage wurde eine Liste von Orientierungs-Möglichkeiten vorgelegt, die die Bereiche Privates Glück, Beziehung zur Gesellschaft und Ethische Verpflichtung abdeckt. Wichtigstes Ergebnis der Umfrage: Soziale, altruistische und religiöse Motive haben in der Zeit zwischen den frühen 70er Jahren bis 2002 deutlich abgenommen. Dagegen ist ein starker Trend in Richtung Hedonismus und „Spaßgesellschaft“ zu erkennen.

Das Streben nach Glück als Lebenssinn

Das Streben nach möglichst viel Glückserfahrungen und nach Lebensgenuss steht immer mehr im Mittelpunkt. Die Zahl der Menschen, die sich darauf konzentrieren, das Leben zu genießen, ist stetig gewachsen. 2002 beantworteten 55 Prozent der Bevölkerung die Frage nach dem Sinn des Lebens mit Lebensgenuss, 1974 erst 27 Prozent. Damals stand für die Mehrheit der Deutschen andere Werte im Vordergrund: „Tun, was mein Gewissen mir sagt“, „Das tun, was Gott von mir erwartet“, und „Mithelfen, eine bessere Gesellschaft zu schaffen“.

Altruistische Motive legen nach dem 11. September 2001 wieder etwas zu

Für eine kurzfristige Veränderung dieses Trends haben die Ereignisse der Terroranschläge des 11. September 2001 geführt. Die Vorher-Nachher-Betrachtung in den Umfragen von 2001 und 2002 zeigt, dass nicht nur der Hedonismus weiter gewachsen ist, sondern dass sich gleichzeitig wieder mehr Menschen für die Entwicklung einer „besseren Gesellschaft“ interessieren und einsetzen wollen. So ist der Anteil der Befragten, denen ein solches Engagement Lebenssinn vermittelt, von 31 Prozent auf 42 Prozent gestiegen.

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Umfrage 2002: Worin sehen Sie vor allem den Sinn Ihres Lebens?

 

Privates Glück

 

1. Dass ich glücklich bin, viel Freude habe: 67 %
2. Dass meine Familie versorgt ist: 66 %
3. Dass es meine Kinder gut haben: 61 %
4. Das Leben genießen: 55 %
5. Im Leben etwas leisten, es zu etwas bringen: 53 %
6. Die Welt kennenlernen, etwas von der Welt sehen: 46 %
7. Dass ich es zu einem eigenen Haus bringe: 24 %
8. Dass ich viel Geld habe, reich werde: 13 %

 

Beziehung zur Gesellschaft

 

1. Dass ich Ansehen habe: 52%
2. Mithelfen, eine bessere Gesellschaft zu schaffen: 40 %
3. Dass ich bei anderen beliebt bin: 30 %
4. Mich mit allen Kräften für eine bestimmte Idee einsetzen: 22 %
5. Ganz für andere da sein, anderen helfen: 21 %

 

Ethische Verpflichtung

 

1. Dass ich vor mir selbst bestehen kann: 56 %
2. Tun, was mein Gewissen mir sagt: 47 %
3. Das tun, was Gott von mir erwartet: 17 %
4. Sehe keinen Sinn: 1 %

Quelle: Allensbacher Archiv

 

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Mehrheit der Deutschen beschäftigt sich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens

Die Langzeitstudie des Allensbacher Instituts zum Sinn des Lebens wurde von 1974 bis 2002 durchgeführt und danach nicht weiter fortgesetzt. Dennoch spielt dieses Thema in der Bevölkerung eine große Rolle. Andere Studien zeigen, dass sich die überwiegende Mehrheit der Deutschen regelmäßig mit der Frage nach dem Sinn des Lebens auseinandersetzt. Nach Angaben von Statista kommt eine Umfrage aus dem Jahr 2012 zum Thema „Wie häufig denken Sie über den Sinn des Lebens nach?“ zu folgendem Ergebnis: Rund 70 % der Deutschen denken sehr oft, oft oder manchmal über den Sinn des Lebens nach, lediglich rund 22 % selten oder nie.

 

Wie häufig denken Sie über den Sinn des Lebens nach?

Sehr oft:           7,8 %
Oft:                 27,4 %
Manchmal:      34,1 %
Selten:            22,1 %
Nie:                  0,3 %

Quelle: Statista

 

Jüngere Studien: Hedonismus liegt vorn, aber altruistische Motive legen zu

In den letzten Jahren gab es einige Studien und Umfragen, die sich mit verwandten Themen zum Sinn des Lebens auseinandergesetzt haben, rund um die fragen: Welche Werte haben die Deutschen, was macht sie glücklich und welche Rolle spielt der Glauben?

Dass bei deutschen Jugendlichen ideelle Werte gegenüber materiellen Werten etwas zugelegt haben, geht aus der 17. Shell Jugendstudie 2015 hervor. Freundschaft, Partnerschaft und Familie stehen für sie an erster Stelle. Gleichzeitig ist das Interesse für politisches und ökologisches Engagement etwas gestiegen. Allerdings wollen sich die Jugendliche nicht zwischen Idealismus und Materialismus entscheiden, im Trend ist die Kombination dieser Werte.

Jugendliche haben ein großes Bedürfnis nach Sinnfindung, geht aus der Sinus Jugendstudie „Wie ticken Jugendliche 2016?“ hervor. Nach dieser Umfrage finden Teenager ihren gesuchten Sinn nicht mehr zwingend in einer Religion oder Kirche. Stattdessen entwickeln sie aus verschiedenen Quellen einen persönlichen Glauben. Dieser Glaube ist für Jugendliche veränderbar und individuell, während Religion und Kirche eher als institutionell und damit unbeweglich wahrgenommen werden.

Gesundheit, Freiheit und Erfolg sind die wichtigsten Werte der Deutschen, gleichzeitig nimmt die Sehnsucht nach Natur und Sicherheit zu. Das ist zentrales Ergebnis des Werte-Index 2016 des Trendbüros in Zusammenarbeit mit TNS Infratest.

Mehr als 80 Prozent der Deutschen möchten das Leben genießen, zeigt die „Vermächtnis“-Studie im Auftrag der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom Februar 2016. Arbeit und Beruf sind nach dieser Umfrage ein zentraler Wert im Leben der Deutschen, unabhängig vom sozialen Status und Geschlecht Mehr als die Hälfte der Deutschen würde auch arbeiten, wenn sie das Geld nicht bräuchte.

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Fazit der Studien und Umfragen zum Sinn des Lebens

Aus den Umfragen und Studien rund um das Thema Sinn des Lebens geht klar hervor: Für das Gros der Deutschen spielt die Frage nach dem Sinn des Lebens eine große Rolle. Alles in allem steht der Hedonismus und das Ziel, das Leben zu genießen, an erster Stelle der Werteskala. Dennoch legen parallel auch altruistische Motive zu.

 

Bild: Unsplash

 

 

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