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Coach Bastian Yotta im Dschungelcamp: Was wirklich hinter dem Miracle Morning steckt

30. Januar 2019 0 comments

Bastian Yotta hat mit seinen Coaching-Einlagen („Miracle Morning“) im Dschungelcamp Zuschauer und Mitcamper polarisiert. Geschickt nutzte der selbsternannte Coach und Selfmade-Millionär die RTL-Show „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ als Plattform zur Selbstvermarktung. Im Mittelpunkt stand sein allmorgendliches Ritual „Miracle Morning“, der den Teilnehmern des Dschungelcamps zu einem motivierten Start in den Tag verhelfen sollte. Doch was steckt wirklich hinter dem Konzept des „Miracle Morning“? Was bringt ein regelmäßiges Achtsamkeits- und Motivations-Programm beim Start in den Tag? Und wer ist eigentlich Bastian Yotta?  

„Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“: Quotenbringer für RTL

„Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ ist der Titel einer Reality-Show, die RTL seit 2004 sendet. Trotz rückläufiger Zuschauerzahlen bleibt das Dschungelcamp für RTL ein Quotenhit: Die Folgen der aktuellen Staffel sahen im Schnitt jeweils 5,24 Mio. Zuschauer, der Marktanteil lag bei 24 %. Dabei ziehen zwölf „Stars“, meist aus der Kategorie B- und C-Promis, bis zu zwei Wochen in ein Dschungelcamp in Australien, unter ständiger Beobachtung durch Fernsehkameras.

Ziel ist es, die Gunst der Zuschauer zu gewinnen und so lange wie möglich im Camp zu bleiben, um Dschungelkönig zu werden. Mit von der Partie in der 13. Staffel waren unter anderem „Alf“-Stimme Tommi Piper, die frühere Erotik-Schauspielerin Sibylle Rauch, Bob-Olympiasiegerin Sandra Kiriasis oder Schlagersänger Peter Orloff.

 

Die diesjährigen Dschungelkandidaten 2019:
(v.h.l.): Peter Orloff, Tommi Piper, Sibylle Rauch, Gisele Oppermann, Doreen Dietel, Chris Töpperwien
(v.v.l.): Domenico de Cicco, Leila Lowfire, Bastian Yotta, Felix van Deventer, Evelyn Burdecki, Sandra Kiriasis;                              Foto: MG RTL D / Arya Shirazi

 

Ekelprüfungen und karge Kost lassen die Nerven blank liegen

Täglich müssen sich von den Zuschauern per Tele-Voting ausgewählte Kandidaten einer Dschungelprüfung stellen und äußerst angsteinflößende oder ekelerregende Herausforderungen meistern, bei denen Maden, Kakerlaken, Spinnen, Schlangen oder Krokodile die Hauptrolle spielen.

Dabei können die Dschungel-Bewohner Sterne sammeln und ihre karge Grundversorgung aus Reis und Bohnen mit zusätzlichen Essensrationen aufstocken. Die wahre Herausforderung liegt jedoch in der psychologischen Dynamik der Gruppe. Und im Dschungelleben liegen bei vielen Teilnehmern schnell die Nerven blank.

 

Bastian Yotta und der Miracle Morning: „I’m strong! I’m healthy! And full of energy!“

 

Tag 1 im Camp. Bastian Yotta (2.v.r.) zeigt den anderen Campern den “Miracle Morning”. V.l.: Peter Orloff, Doreen Dietel, Gisele Oppermann, Tommi Piper, Sandra Kiriasis, Evelyn Burdecki, Bastian, Domenico de Cicco und Leila Lowfire.                                   Foto: MG RTL D / Stefan Menne

 

Kein Wunder, dass die Motivationssprüche des muskelbepackten Bastian Yotta zumindest bei einem Teil der Mitcamper auf offene Ohren stoßen. Schon den ersten Morgen beginnt der Coach mit seinem Motivations-Ritual „Miracle Morning“, den er dann auch täglich zelebriert. Der Miracle Morning ist für Bastian Yotta eines der wichtigsten Tools, um geistig auf die richtige Frequenz zu kommen und sich für den Tag zu motivieren.

Der Ablauf des Miracle Morning:
  • Die Gruppe stellt sich im Kreis auf und Yotta sagt laut vor: „I’m strong. I’m healthy. And full of energy.“ Untermauert werden seine Worte durch kraftvolle Bewegungen und Power-Posen. Alle stimmen lautstark mit ein: Die Hände zu Fäusten geballt werden die Arme in die Bizeps-Pose gebracht („I’m strong“), dann mit offenen Handflächen über der Brust gekreuzt („I’m healthy“) und schließlich in die Höhe gestreckt („and full of energy“).
  • Wenn die „Energie“ im Kreis aufgeladen ist, folgen weitere positive Affirmationen, in die alle voller Inbrunst mit einstimmen: „I am a money magnet. I am a love magnet.“
  • Nun kann jeder Teilnehmer mit einbringen, was er Positives für den Tag erwartet.
  • Schließlich wird die Universalformel der Autosuggestion mehrfach skandiert: „Es geht mir von Tag zu Tag und in jeder Hinsicht immer besser und besser und besser.“
  • Den krönenden Abschluss bildet zum Ausdruck der Dankbarkeit das evangelische Kirchenlied „Danke für diesen guten Morgen“ von Martin Gotthard Schneider, begleitet mit rhythmischem Klatschen. Den Text hat Yotta allerdings angepasst: „Danke für dieses schöne Leben, danke, dass alles so prima klappt. Danke, dass all meine Träume in Erfüllung gehen.“
  • Nach dem gegenseitigen Abklatschen mit einem „high five“ ist das Morgen-Ritual zu ende.

 

Den ausführlicheren Miracle Morning, der Bestandteil seines Coaching-Angebotes ist, zeigt Bastian Yotta in diesem YouTube-Video am kalifornischen Strand:

 

 

Natürlich polarisiert Bastian Yotta mit seinem motivierenden Morgen-Ritual sowohl Zuschauer als auch die Mitstreiter im Dschungelcamp. Während die einen begeistert mitmachen, sind die anderen ablehnend bis genervt.

 

 

Wer hat dem Miracle Morning erfunden? Hal Elrod!

Allerdings stammt die Idee des „Miracle Morning“ nicht von Bastian Yotta. Obwohl er es, wie in der 10. Folge der Staffel zu sehen ist, gegenüber Mitcamperin Evelyn vorgibt:

Evelyn: „Ja, das tut echt gut. Man merkt das voll.“ Bastian: „Du gehst so drin auf. Das ist das, was ich meine. Du musst dich erst daran gewöhnen, aber wenn du dann drin bist, in der Frequenz – Push! Das pusht dich! Bamm! In der Früh‘ raus und die Energie ist high. Der ist so geil, der `Miracle Morning´.“ Evelyn: „Hast du dir das selbst ausgedacht?“ Bastian: „Ja!”

Das Konzept hat jedoch der Amerikaner Hal Elrod entwickelt, sein Buch „Miracle Morning – Die Stunde, die alles verändert“ ist in den USA 2014 erschienen.

Später mit den Vorwürfen konfrontiert, erklärte Yotta laut Express: „Ich habe auf die Frage danach zwar ,Ja‘ gesagt, aber noch mehr – und das wurde weggeschnitten.“ Sein volles Statement dazu wiederholt er auf Nachfrage so: „Ja, in dieser Form habe ich das erfunden – aber ich wurde natürlich von den Konzepten anderer inspiriert.“ Das Buch „Miracle Morning“ von Hal Elrod habe er gelesen, sich daraus aber das rausgesucht, was zu ihm passe – wie auch bei anderen Vorbildern, schreibt der Express.

 

Foto von Hal Elrod

 

Hal Elrod: „Miracle Morning – Die Stunde, die alles verändert“

Das aus den USA stammende und von Coach und Autor Hal Elrod erdachte Konzept des „Miracle Morning“ soll nicht nur zu einem guten und motivierten Start in den Tag, sondern langfristig auch zu einer Verbesserung des Lebens führen. Hal Elrod hat den Miracle Morning in einer schweren Lebenskrise entwickelt.

Im Alter von 20 Jahren wurde er bei einem Autounfall von einem alkoholisierten Mann angefahren und schwer verletzt. Als er nach sechs Tagen aus dem Koma erwachte, sagten ihm die Ärzte, er werde nie wieder laufen können. Doch Elrod lief keine zehn Jahre nach dem Unfall einen Ultra-Marathon. Um sich sein Leben zurückzuerobern, hatte er den Miracle Morning entwickelt, den er heute über Bücher und als Coach und Redner vermarktet.

Die Idee hinter dem Konzept ist es, sich jeden Morgen vor 8 Uhr eine Stunde lang nur sich selbst zu widmen: Mit Meditation, Affirmationen, Visualisierungen, Sport, Lesen und Tagebuchschreiben. Wenn sich der neue Ablauf als Gewohnheit etabliert hat, so Elrod, startet man voller positiver Energie in den Tag. Langfristig soll die Morgenroutine zu einem gesünderen, glücklicheren und zufriedeneren Leben führen und helfen, wichtige Lebens-Ziele zu erreichen.

In folgendem Video erklärt Hal Elrod ausführlich sein Konzept. Es zeigt die vollständige motivierende Keynote Speech „The Miracle Morning“, die er 2017 auf der PureRomance World Conference in Orlando hielt.

 

 

Die 6 „Life S.A.V.E.R.S.” von Hal Elrod 

Im Zentrum des Miracle Morning von Hal Elrod stehen die sogenannten 6 „Life S.A.V.E.R.S.“, die er als akronym formuliert hat:

  • S wie „Silence“ – Stille: Sie sollten jeden Morgen mit der Praxis absichtsvoller Stille beginnen. Üben Sie sich in Meditation oder Gebet, Reflektieren Sie und praktizieren Sie Tiefenatmung und Dankbarkeit.
  • A wie „Affirmations“ – Affirmationen: Wenn Sie Ihre eigenen Affirmationen aktiv so gestalten, dass sie mit dem übereinstimmen, was Sie erreichen wollen, werden sie umgehend einen Eindruck in Ihrem Unterbewusstsein hinterlassen. Diese Affirmationen sollten Sie täglich wiederholen und am besten laut aussprechen.
  •  V wie „Visualization“ – Visualisierung: Mit Visualisierung bezeichnet man eine Übungsform, bei der positive Ergebnisse in der äußeren Welt erzielt werden, indem mithilfe der Vorstellungskraft geistige Bilder von bestimmten Verhaltensweisen und Ereignissen im Leben erschaffen werden. Vereinfacht gesagt: Stellen Sie sich Ihren Erfolg vor, und er wird auch eintreten. Unterstützen können Sie diese Praxis mit einem Vision Board, auf das Sie Bilder aufkleben.
  • E wie „Exercise“ – Bewegung: Etwas Bewegung sollte ganz selbstverständlich zu Ihrem Morgenritual gehören. Und wenn es nur wenige Minuten sind – schon das steigert Ihre Lebensenergie, fördert Ihre Gesundheit, schenkt Ihnen mehr Selbstvertrauen und emotionales Wohlbefinden und ermöglicht es Ihnen, klarer zu denken und sich länger zu konzentrieren.
  • R wie „Reading“ – Lesen: Durch Lesen können wir uns das Wissen, die Ideen und die Strategien, die wir für den Erfolg in unserem Leben benötigen, am schnellsten aneignen. Der Clou dabei ist, von den Experten zu lernen – den Menschen, die bereits getan haben, was Sie nun tun wollen.
  • S wie „Scribing“ – Schreiben: Das Schreiben, das Festhalten und zu Papier bringen von Ideen. Egal, ob Sie Tagebuch führen wollen, oder Ihren ersten Roman zu Papier bringen wollen – jetzt ist die Zeit dafür.

 

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Miracle Morning von Hal Elrod

 

Émile Coué und die Autosuggestion

Der Satz „Es geht mir von Tag zu Tag und in jeder Hinsicht immer besser und besser und besser“ ist ein weiterer wichtiger Baustein in Bastian Yottas Morgen-Ritual. Er stammt von dem französischen Apotheker und Autor Émile Coué, der als Begründer der modernen Autosuggestion gilt.

Der Kern seiner Lehre basiert auf zwei Prinzipien: „Jeder Gedanke in uns ist bestrebt, wirklich zu werden. Nicht unser Wille, sondern unsere Einbildungskraft, die Fähigkeit, sich etwas glauben zu machen, ist die bedeutsamste Eigenschaft in uns“, schreibt Coué in seinem Buch „Die Selbstbemeisterung durch bewusste Autosuggestion”.

Coué war davon überzeugt, dass man große Erfolge erzielen kann, wenn man den besagten Satz täglich nach dem Erwachen und vor dem Schlafen 20 mal halblaut ausspricht. Autosuggestion zielt darauf ab, das eigene Unterbewusstsein zu beeinflussen, an etwas zu glauben. Zu den Techniken zählen Selbsthypnose, wiederholte Selbst-Affirmationen und mentale Visualisierungen angestrebter Ziele.

Das Positive Denken ist jedoch nicht unumstritten. Manche Psychologen und Psychiater warnen, dass es labile und depressive Patienten weiter schädigen und bei unkritischen Menschen zu einem Realitätsverlust führen könne.

Amy Cuddy: Power Posen können unsere Stimmung positiv beeinflussen

Dass sich mit dem gezielten Einsatz von Körpersprache auch unser Denken und Fühlen positiv beeinflussen lässt, hat die US-amerikanische Sozialpsychologin Amy Cuddy in Versuchen nachgewiesen. Ihre Kernaussage: Wer bewusst für eine kurze Zeit die Körpersprache der Macht einsetzt, kann direkt seinen emotionalen Zustand und sogar den Hormonspiegel beeinflussen.

High-Power-Posen signalisieren Stärke, Erfolg und Selbstbewusstsein. Sie zeichnen sich aus durch raumeinnehmende Gesten, ein „sich-größer-Machen“, wie etwa in die Hüften gestemmte Arme, ein breiter Stand und eine offene Körperhaltung. Ähnlich wie in Yottas Morgen-Ritual.

In einer Studie konnte sie feststellen: Testpersonen, die einige Minuten lang High-Power-Posen eingenommen hatten, fühlten sich danach kraftvoller und risikobereiter, als Personen, die Low-Power-Posen durchführten.

Gleichzeitig veränderte sich auch der Hormonspiegel der Testpersonen: Bei den „High-Power-Posern“ stiegen die Werte des Dominanzhormons Testosteron an, während gleichzeitig die Werte des Stresshormons Kortisol abnahmen. Bei den Low-Power-Posern war das Gegenteil der Fall.

Demnach könnte das Einnehmen einer selbstbewussten Haltung wie beim Miracle Morning dazu beitragen, dass man sich selbstbewusster fühlt. Zumindest für eine gewisse Zeit.

 

Wer ist Bastian Gillmeier alias Bastian Yotta?

 

Tag 15 im Camp: Die Nerven liegen blank, das sag ich ganz ehrlich, so Bastian Yotta im Dschungeltelefon.                                  Foto: TVNOW / Stefan Menne

 

Der Unternehmer, Reality-TV-Teilnehmer, Buchautor und Coach Bastian Yotta kam am 4. Dezember 1976 mit dem bürgerlichen Namen Bastian Josef Gillmeier in Landshut zur Welt. Nach eigenen Angaben hat er Betriebswirtschaftslehre, Rechtswissenschaften und Sportwissenschaften studiert und arbeitete anschließend als Versicherungsmakler im Unternehmen seines Vaters. Er war zweimal verheiratet und hat zwei Töchter.

2014 wanderte er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Maria Hering in die USA aus. Bekannt wurde er Ende 2015 mit der TV-Serie „The fabulous Life of Yottas“, die das Magazin taff ausstrahlte. Darin präsentierte sich das Paar als Selfmade-Millionäre, Fitness- und Lifestyle-Coaches. Der Künstlername „Yotta“ ist eine Anspielung auf den derzeit höchsten Vorsatz für Maßeinheiten (1024).

Weitere TV-Auftritte hatte Bastian Yotta 2016 in der Reality-Doku „Die Yottas! Mit Vollgas durch Amerika“ auf ProSieben, 2017 in der RTL-Sendung „Adam sucht Eva – Promis im Paradies“ und schließlich 2019 in „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. Im Sommer 2018 hat er sein Motivationsbuch „Die Yotta-Bibel“ veröffentlicht. Außerdem bietet er auf seiner Website Yotta University Life-Coaching Kurse an.

Regelmäßig ist Bastian Yotta Teil einer kritischen Berichterstattung in der Presse. Dabei wird u.a. die Frage thematisiert, was wirklich hinter dem zur Schau gestellten Reichtum steckt. Für Schlagzeilen sorgte auch die Festnahme am Frankfurter Flughafen im Dezember bei seiner Einreise aus seiner Wahlheimat Los Angeles. Der Grund: Verdacht auf Steuerhinterziehung. Dabei musste er eine Nacht im Gefängnis verbringen.

Fazit: Miracle Morning als guter Start in den Tag

Egal, was man von Bastian Yottas Miracle-Morning-Version hält: Ein regelmäßiges Ritual am Morgen abzuhalten kann sicher für einen positiven Start in den Tag sorgen und die Motivation steigern. Dabei können Meditation, Affirmationen, Visualisierungen, Sport, Lesen oder Tagebuchschreiben oder eine Mischung daraus eine wichtige Rolle spielen.

Jeder sollte sich selbst ein Programm zusammenstellen, dass seinen persönlichen Bedürfnissen und vor allem seinem Zeitplan entspricht. Das Miracle-Morning-Konzept von Hal Elrod, aber auch Ideen anderer Coaches und Autoren können dabei als Inspirationsquelle dienen. Die Herausforderung wird sicher sein, das Morgen-Ritual in die individuellen Lebensumstände zu integrieren und vor allem auch, es regelmäßig durchzuhalten.

Bilder: RTL, Hal Elrod

 

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