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Amy Cuddy: „Ihre Körpersprache beeinflusst, wer Sie sind“

28. April 2016 0 comments
Amy Cuddy: „Ihre Körpersprache beeinflusst, wer Sie sind“

Zweifelsohne hat die Körpersprache einen großen Einfluss darauf, wie andere Menschen uns sehen. Ohne ein Wort zu sagen, hinterlassen wir binnen Sekunden einen ersten Eindruck und wirken selbstbewusst, erfolgreich oder unsicher. Mimik, Gestik und Körperhaltung senden permanent unbewusste Signale über unser Denken und Fühlen aus. Soweit, so gut. Doch lässt sich umgekehrt über die Körpersprache auch unser Denken und Fühlen beeinflussen? Ein spannender TED-Talk von Amy Cuddy geht diesem Ansatz wissenschaftlich auf den Grund. Sie zeigt, wie etwa das Einnehmen von Machtposen helfen kann, uns selbstbewusster zu fühlen.

Harvard-Sozialpsychologin Dr. Amy Cuddy: Top-Rede auf den TED-Konferenzen

Eine klare Antwort darauf gibt Dr. Amy Cuddy, US-amerikanische Sozialpsychologin von der Harvard Business School. In einer vielbeachteten Rede im Oktober 2012 auf der TED – (Technology, Entertainment, Design) Konferenz im schottischen Edinburgh gab Sie Einblicke in die Wissenschaft der „Body-mind-Effects“, und zeigte einfache, effektive Techniken, die helfen, sich in stressigen Situationen selbstsicher zu fühlen. Ihr Vortrag zählt zu den Top-Reden der bisherigen TED-Konferenzen, das Video ihrer Rede wurde bereits 33 Millionen mal gesehen.

Körpersprache: Die Macht von High-Power-Posen

Vorstellungsgespräche oder freies Sprechen vor anderen sind für viele Menschen häufig mit großen Ängsten und Stress verbunden. Wie können wir in herausfordernden Momenten stark sein? In einer Studie mit 26 weiblichen und 16 männliche Versuchsteilnehmer konnte Cuddy im Jahr 2010 das Wechselspiel von Körpersprache, Gefühlen und Hormonen nachweisen und wirkungsvolle Techniken entwickeln. Dabei sollten die Probanden für jeweils eine Minute unterschiedliche Körperhaltungen einnehmen, die einen hohen bzw. niedrigen Macht-Status ausdrücken: sogenannte Low-Power-Posen oder High-Power-Posen. High-Power-Posen signalisieren Stärke, Erfolg und Selbstbewusstsein und zeichnen sich aus durch raumeinnehmende Gesten, ein „sich-größer-Machen“, wie etwa in die Hüften gestemmte Arme, ein breiter Stand und eine offene Körperhaltung. Low-Power-Gesten zeigen Unterwürfigkeit, ein geringes Selbstbewusstsein, was sich manifestiert in einer geschlossenen, eingefallenen Körperhaltung, „ein sich-kleiner-Machen“.

Entscheidendes Zusammenspiel von Dominanzhormon Testosteron und Stresshormon Kortisol 

Jeweils vor und etwa 17 Minuten nach dem Einnehmen der jeweiligen Posen wurden von den Teilnehmern Speichelproben genommen und dabei sowohl die Konzentration des Dominanzhormons Testosteron, als auch des Stresshormons Kortisol gemessen. Diese beiden Schlüsselhormone geben bei Mensch und Tier Aufschluss über die entsprechende soziale Stellung innerhalb einer Gruppe: Individuen mit einem hohen sozialen Status weisen gleichzeitig hohe Testosteron- und niedrige Kortisol-Werte auf, Individuen mit niedrigem Sozial-Status geringe Testosteron- und hohe Kortisol-Werte. In der Studie zeigten die „High-Power-Poser“ steigende Testosteron- und sinkende Kortisol-Werte, fühlten sich kraftvoller und waren risikobereiter. Bei den „Low-Power-Posern“ trat genau das Gegenteil ein. Ihr Testosteron-Spiegel sank, der Kortisol-Spiegel stieg und sie fühlten sich unsicher.

 

Fazit: Einfache Technik für mehr Selbtsbewusstsein

Wer bewusst für eine kurze Zeit die Körpersprache der Macht einsetzt, kann also direkt auch seinen emotionalen Zustand und sogar den Hormonspiegel beeinflussen. Diese Erkenntnis lässt sich praktisch im eigenen Leben anwenden, wenn man vor einer schwierigen Situation steht. Wer vor einem wichtigen Meeting oder einer Rede an einem ungestörten Ort, dem eigenen Büro oder auf einer Toilette bewusst etwa eine Minuten lang eine Power-Pose einnimmt, der fühlt sich danach deutlich selbstbewusster und sicherer und zeigt bei seiner anschließenden Rede vor Publikum oder im Vorstellungsgespräch automatisch und unbewusst eine wesentlich selbstsicherere Körpersprache, als ohne die vorangehende Power-Pose-Übung.

Über Amy Cuddy

Amy Cuddy wurde am 27. Juli 1972 in der von deutschen Einwanderern geprägten Kleinstadt Robesonia im US-Bundesstaat Pennsylvania geboren. Sie studierte Sozialpsychologie an der University of Colorado, machte ihren Master und Doktor an der Princeton University. Nach Stationen als Assistant Professor an der Rutgers University und an der Kellogg School of Management lehrt sie heute an der Harvard Business School. 2015 hat Sie ihre Erkenntnisse in einem Buch zusammengefasst, das im April 2016 in Deutschland unter dem Titel „Dein Körper spricht für dich – Von innen wirken, überzeugen, ausstrahlen“ vom Mosaik Verlag publiziert wurde. In der Bestseller Liste der New York Times hat es das Werk bis auf Platz drei geschafft.

Bild/Video: Youtube / TED Talks

 

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