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Interview mit Karima Stockmann: „Du bist stärker, als du glaubst!“

24. Februar 2021 0 comments
Interview mit Karima Stockmann: „Du bist stärker, als du glaubst!“

„Ade Gefühls-Chaos, willkommen Klarheit!“ lautet das Motto des neuen Buches von Karima Stockmann mit dem Titel „Du bist stärker, als du glaubst!: Dein Mutmachbuch für die großen und kleinen Herausforderungen des Lebens“. Es ist gedacht als praktischer Alltagsbegleiter, der den Leser auf dem Weg zu mehr Gelassenheit, innerer Balance und Selbstwertschätzung und beim achtsamen Umgang mit herausfordernden Emotionen unterstützen soll. Karima Stockmann vermittelt in ihren Vorträgen, Büchern und Blogartikeln alltagstaugliche Tipps für mehr Zufriedenheit und Lebensfreude. Im Interview erklärt sie, wie wir im Alltag am besten mit negativen Gefühlen umgehen sollten, wie sich Herausforderungen in Stärken verwandeln lassen und wie man befreit von Leid wieder in die eigene Kraft kommt.

Frau Stockmann, gerade ist Ihr Buch mit dem Titel „Du bist stärker, als du glaubst! – Dein Mutmachbuch für die großen und kleinen Herausforderungen des Lebens“ erschienen. Um was geht es, für wen ist es geeignet?

Stockmann: Fast jeder Mensch erlebt die eine oder andere Herausforderung in seinem Leben, z.B. zwischenmenschlich, beruflich oder gesundheitlich. Ob Krankheitsdiagnose oder misslungenes Bewerbungsgespräch. Wenn uns das Leben aus der geliebten Komfortzone katapultiert, reagiert unser Körper mit den unterschiedlichsten Emotionen wie Angst, Wut, Ärger, Traurigkeit oder Scham.

Mit meinem Buch möchte ich dazu ermutigen, sich solchen Emotionen mutig zu stellen, um Schritt für Schritt mit ihnen Frieden schließen zu können. Nur so machen wir uns wahrhaftig empfangsbereit für die Freude.

Die meisten von uns möchten herausfordernde Emotionen nämlich schnell wieder loswerden und nutzen unbewusst die verschiedensten Ablenkungstaktiken: Social Media, Haushalt, Arbeit, ja, sogar blinder Optimismus ist ein gern genutztes Ablenkungsmanöver. Langfristig aufgestaute Emotionen beeinträchtigen unser Wohlbefinden jedoch nachhaltig negativ.

Ich möchte mit meinem Buch deshalb Wege aufzeigen, wie sich Herausforderungen in Stärken verwandeln lassen. Die verschiedenen interaktiven Übungen, Tricks und Selbstreflexions-Fragen schenken Zuversicht und Vertrauen in die eigene innere Stärke.

Was hat Sie dazu bewogen, dieses Buch zu schreiben?

Stockmann: Ich selbst hatte einen gesundheitlichen sowie familiären Schicksalsschlag. Im Alter von 17 Jahren bin ich an Diabetes mellitus Typ 1 erkrankt, einer chronische Auto-Immunerkrankung, die mir als Jugendliche ziemlich viel Angst einjagte. Denn neben potenziellen Folgeerkrankungen wie Erblindung, Herzinfarkt und Schlaganfall, prognostizierten mir die Ärzte damals eine etwa 20 Jahre verkürzte Lebenserwartung.

Heute sieht die Prognose glücklicherweise besser aus. Doch die Konfrontation mit meiner eigenen Endlichkeit hatte zur Folge, dass ich mich bereits im Jugendalter mit den für mich wichtigen Fragen des Lebens beschäftigte, wie etwa:

  • Wie nutze ich meine restliche Lebenszeit, um ein erfülltes Leben zu leben?
  • Wie erobere ich mir meine Selbstbestimmtheit zurück, um meine Ängste zu besiegen?
  • Wie schaffe ich es, mein Blickfeld zu erweitern, um mich nicht 24 Stunden am Tag auf meine Krankheit zu fokussieren?
  • Wie kann ich meine Mitmenschen durch meine Erkenntnisse auch bei ihren Herausforderungen unterstützen?

Die Antworten auf diese und ähnliche Fragen teile ich in meinem neuen Mitmachbuch.

Worin liegen die Vorteile eines Workbooks?

Stockmann: Mir ist es immer ein Herzensanliegen, nachhaltige Veränderungen und Verbesserungen der Lebensqualität anzustoßen. Das Lesen eines Buches allein kann natürlich bereits den einen oder anderen „Aha-Moment“ bescheren. Doch wenn wir das Gelesene dann direkt auf unsere persönliche Situation übertragen und uns durch Selbstreflexions-Fragen selbst hinterfragen, erhöhen wir die Chance, bereits beim ersten Lesen, wertvolle Transformationsprozesse in Gang zu setzen.

Neben Körperübungen für die „schnelle Hilfe“, die einem unmittelbar in einer Emotionswelle zur Seite stehen, gibt es beispielsweise auch Übungen, die uns dabei helfen, uns aus der Emotion wieder zu lösen oder das Gedankenkarussell zu stoppen.

 

Interview mit Karima Stockmann: „Du bist stärker, als du glaubst!“

 

Ob wir im Leben eher glücklich oder unglücklich sind hängt stark davon ab, wie wir mit den zahlreichen Höhen und Tiefen und besonders den Herausforderungen umgehen, mit denen jeder Mensch immer wieder konfrontiert wird. Warum fällt es uns oft so schwer, schwierige Situationen vor allem auch emotional zu meistern und unserer inneren Stärke zu vertrauen?

Stockmann: Wie zuversichtlich und resilient, also widerstandsfähig wir im Umgang mit Herausforderungen, sind, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Zu einem gewissen Grad wird es uns sogar schon mit in die Wiege gelegt. In unserer Kindheit werden wir stark vom Verhalten unserer Bezugspersonen geprägt.

Die wenigsten von uns haben Eltern, die einen gesunden Umgang mit herausfordernden Emotionen vorleben. Und auch wenn wir selbst als Kinder wütend oder traurig sind, lernen wir, dass unsere Eltern diesen Zustand eigentlich ganz schnell wieder „wegmachen“ wollen. Ohne uns die Möglichkeit zu geben, die Emotion wirklich zu durchleben. Wir lernen, Wut, Ärger, Traurigkeit und Co. scheinen keine willkommenen Gäste zu sein. Also verstecken wir sie mit der Zeit lieber hinter einer Fassade.

Doch wir dürfen lernen, die Höhen und Tiefen des Lebens wieder willkommen zu heißen. Denn sie machen unser Leben als Mensch aus. Durch das Auf und Ab unserer Emotionen sind wir lebendig und werden immer wieder gefordert, uns mit uns und unserer aktuellen Lebenssituation auseinanderzusetzen.

Denn Emotionen sind ja wertvolle Botschafter, die etwa Energie in uns freisetzen, um wichtige Veränderungen in unserem Leben anzustoßen oder für unsere Bedürfnisse einzustehen. Manche Emotionen – wie Traurigkeit – wollen uns hingegen einbremsen, damit wir uns Zeit nehmen, Erlebtes zu verdauen, uns neu zu orientieren und gut auf unsere Kraftreserven zu achten.

Wie sollten wir also im Alltag „richtig“ mit Gefühlen – besonders auch mit negativen – umgehen?

Stockmann: Gefühle sind zum Fühlen da! Wir dürfen als Erwachsene lernen, all unsere Emotionen wie ein Kind in unsere Arme zu schließen, ganz gleich, ob es gerade weint, wütend oder fröhlich ist. Wenn uns die Emotionen dann übermannen, wenn wir gerade vermeintlich keine Zeit dafür haben, ist es gut, sich bewusst Raum und Zeit dafür zu schaffen.

Das gute alte Tagebuch hat früher diesen Job wunderbar übernommen – warum nicht einfach wieder damit anfangen und sich regelmäßig zu einem bestimmten Zeitpunkt am Tag alles von der Seele schreiben?

Ein liebevoller Umgang mit den eigenen Emotionen kann auch so aussehen: melancholische Musik auflegen, sich unter die Decke kuscheln und allen ungeweinten Tränen endlich die Möglichkeit geben, herauszufließen. Viel zu oft erlauben wir uns das nicht, weil wir eingeredet bekommen, dass wir doch immer dankbar und demütig sein müssten für all das, was wir haben.

Und ja, ein Dankbarkeitstagebuch zu führen ist ebenso eine wertvolle Selbstfürsorge. Doch sich selbst Mitgefühl für die Emotionen entgegenzubringen, die sich eben einfach gerade über die Dankbarkeit legen, ganz genauso. Nur wenn wir auch fürsorglich mit herausfordernden Emotionen umgehen, spüren wir diese Dankbarkeit wahrhaftig.

 

Interview mit Karima Stockmann: „Du bist stärker, als du glaubst!“

 

Die Corona Krise hat zu großen Veränderungen in unser aller Leben geführt und belastet unsere Psyche enorm. Was sind Ihre wichtigsten Tipps gegen den Corona Blues?

Stockmann: Viele wünschen sich sehnlichst ein Stück der „alten Normalität“ zurück. Wie Freunde treffen, Essen gehen oder etwas anderes Schönes erleben. Der Mensch hat nämlich ein angeborenes Bedürfnis nach Selbstbestimmtheit und Stimulanz, aber eben auch nach Sicherheit.

Es geht um eine Balance dieser unterschiedlichen Grundbedürfnisse. Aktuell scheint beides reichlich durch Einschränkungen und Unsicherheiten beschnitten zu sein. Fördern können wir diese Grundbedürfnisse wieder, wenn wir uns bewusst etwas gönnen. Wozu wir uns selbst entscheiden und was wir im Optimalfall bereits kennen. Neue Gewohnheiten bedeuten für unser Gehirn nämlich wieder eine Form von Unvorhersehbarkeit, also „Unsicherheit“. Und diese können in den aktuellen Zeiten zusätzlichen Druck auslösen.

Statt also blind irgendwelchen Erfolgsgewohnheiten unserer Vorbilder zu folgen, können wir uns auf unsere eigenen selbstfürsorglichen Gewohnheiten besinnen. Etwa einen Podcast anhören oder ein Buch lesen. Ich empfinde es aber auch als essenziell, sich regelmäßig „stille Momente“ ohne Informationsinput zu gönnen. Um Raum für unsere Sinneswahrnehmungen und Emotionen zu schaffen. Beispielsweise durch den Wald spazieren, ein duftendes Bad nehmen, sich genüsslich eincremen oder Ähnliches.

Wer sich häufig von Nachrichten und Social-Media-Beiträgen berieseln lässt, lenkt sich zwar von seinen Problemen ab, beschert sich am Ende des Tages aber nicht wirklich das Gefühl selbstwirksam gewesen zu sein. Also öfter mal Handy aus, Sinne an und einfach nur tief durchatmen…

Ein Kapitel Ihres Buches trägt die Überschrift „Geheimzutaten der Alchemie des Glücks“. Könnten Sie uns kurz eine davon verraten?

Stockmann: Eine der Geheimzutaten heißt „Vergrößern“ und zeigt, wie wertvoll es ist, unser Wahrnehmungsfeld zu erweitern. Viele von uns sind so eingenommen von den kleinen und großen Problemen des Lebens, dass wir geradezu verpassen, was links und rechts, oben und unten davon eigentlich noch alles in unserem Leben passiert. Worauf es im Leben eigentlich sonst noch ankommt, außer dieses bestimmte Problem endlich loszuwerden. Wir laufen wie mit einer Taschenlampe durchs Leben und visieren mit unserem Lichtstrahl dabei meist die Schreckgespenster unseres Lebens an.

Sich über dieses eingeschränkte Sichtfeld bewusst zu werden, ist bereits der erste und wichtigste Schritt. Danach heißt es „Licht anschalten“ und sein eigenes Leben nicht weiter wie im Tunnelblick erleben. Indem wir bewusst nach den Dingen Ausschau halten, die das Leben neben all der aktuellen Problematik sonst noch zu bieten hat, fühlen wir uns weniger überwältigt von unserer Lebenssituation.

Durch ein erweitertes Wahrnehmungsfeld öffnen wir unseren Blick für die positiven Aspekte unseres Alltags. Dies gelingt aber – wie anfangs schon erwähnt – nur dann wirklich nachhaltig, wenn wir uns zuvor auch ehrlich und mutig unseren „Schreckgespenstern“ gestellt haben und uns nicht einfach nur davon ablenken wollen.

Wenn wir zuerst mit unseren herausfordernden Emotionen unseren Frieden schließen, können wir erkennen, dass beides nebeneinander bestehen darf – dass es beispielsweise okay ist, sich wegen einem Verlust traurig zu fühlen und zugleich dankbar und vergnügt zu sein, weil man gerade ein freches Eichhörnchen beim Nüsse knacken bestaunt. Emotionen schließen einander nicht aus, sie ergänzen sich.

Übrigens gelingt es uns auf spielerische Art und Weise, unser Wahrnehmungsfeld zu vergrößern. Wenn wir achtsam unsere Sinne einschalten und bewusst lauschen, beobachten, schmecken, riechen und spüren, ohne unsere Sinneseindrücke gedanklich zu bewerten. Also am besten direkt ausprobieren!

Sie bezeichnen sich selbst als Speakerin, Autorin und Lebensfreude Stifterin. Was genau macht Ihr Berufsleben aus? Und vor allem: Was ist eine Lebensfreude Stifterin?

 

 

Stockmann: Lebensfreude bedeutet für mich, einen inneren Frieden in mir zu spüren, der nicht nur Glücksmomente sondern auch herausfordernde Emotionen und Aspekte des Lebens in die Arme schließt. Da mich mein turbulentes Leben immer wieder in die „Lebensfreude-Schule“ geschickt hat, möchte ich meine Erkenntnisse an meine Mitmenschen weitergeben. Um somit auf unterschiedlichste Arten und Weisen „Lebensfreude zu stiften“. Sei es mit Büchern, Vorträgen, selbst komponierten Liedern, Übungsvideos oder Blogbeiträgen und mehr.

Zu meiner Berufung gehört deshalb auch das Wirken via Instagram, Facebook und YouTube. Um so viele Menschen wie möglich mit dieser Lebensfreude, neuem Mut und Zuversicht anzustecken. Das Thema Achtsamkeit zieht sich dabei wie ein roter Faden durch mein Wirken. Meinen Fokus lege ich dabei vor allem auf kraftvolle, alltagstaugliche Achtsamkeitsmomente, die in der Summe ohne großen Aufwand viel bewirken können. Dabei folge ich stets meinem Lebensmotto: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“, Zitat von Ciceley Saunders.

Was ist Ihr wichtigstes Fazit aus Ihrem Buch „Du bist stärker, als Du glaubst?“

Stockmann: Wir sind stärker, als wir glauben. Wir sind genau „richtig“ so wie wir sind und jede Emotion ist okay! Hören wir mutig hin, was sie uns zu sagen hat. Und bleiben wir dabei mitfühlend für uns selbst und unsere einzigartige Lebensgeschichte.

Denn es geht im Leben nicht darum, jeden Tag gut drauf zu sein. Damit wir während und nach herausfordernden Lebensumständen wieder empfangsbereit für die Freude sind, bedarf es einer Balance. Aus eigenverantwortlichem, selbstfürsorglichem Handeln und vertrauensvollem Zu- und Loslassen.

Was ist für Sie persönlich der Sinn des Lebens?

Stockmann: Mir meiner selbst bewusst zu werden, mich selbst kennenzulernen und zu entfalten und dabei meinem inneren Ruf zu folgen. Nämlich meinen Mitmenschen auf ihrem Weg durchs Leben zur Seite zu stehen. Denn wie sagte der deutsche Philosoph Friedrich W. Humboldt so schön: „Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“ – aber eben auch die Verbindung zu sich selbst.

Das Interview führte Markus Hofelich.

Weitere Informationen unter: www.lebensfreude-heute.de

 

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Hören Sie hier das Podcast-Interview mit Karima Stockmann zum Thema „Wie wir wahre Lebensfreude finden“  (oder auf iTunes oder Spotify / SinndesLebens24):

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